Aprilbowle mit Waldmeister

Aprilbowle mit Waldmeister

In unserem Garten gibt es ein schattiges Plätzchen, da wachsen fast nur Unkraut und Efeu. Im letzten Jahr habe ich dort aber Waldmeister gepflanzt, denn der mag es gerne schattig. Und da es die Natur in diesem Jahr so eilig hatte, geht meine kleine Staude seit vier Wochen ab wie eine Rakete. Ich bin begeistert!

Nun gab es also bei uns vor der Maibowle bereits eine Aprilbowle – natürlich nach dem gleichen Rezept: zwei bis drei Stängelchen Waldmeister ernten, ein paar Stunden oder über Nacht welken lassen – dadurch entfaltet sich erst das Aroma -, kopfüber in eine Karaffe mit Weißwein hängen und etwa 20 Minuten ziehen lassen; Waldmeister wieder rausnehmen, mit Sekt auffüllen, fertig!

Keine Angst vor Cumarin!

Aber halt! Wie war das nochmal mit dem Cumarin? Ist das nicht eine gefährliche oder gar giftige Substanz, die besonders in meinem Waldmeister steckt? Stimmt, Cumarin steckt im Cassia-Zimt, in Tonka-Bohnen und eben im Waldmeister. Es ist ein natürlicher Aromastoff, der auch für den typischen Waldmeistergeschmack sorgt. Wer jedoch zu viel Cumarin zu sich nimmt, kann davon Kopfweh oder Übelkeit bekommen und im schlimmsten Fall sogar der Leber schaden.  „Zu viel“ wäre zum Beispiel, wenn jemand täglich 120 Gramm Zimtsterne mit Cassia-Zimt nascht. Diese Zahl hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ausgerechnet und in einem ausführlichen Fragen-und-Antworten-Papier zu Cumarin erklärt.

Von einem „Zu viel“ kann bei meiner mit Waldmeister aromatisierten Aprilbowle jedoch nicht die Rede sein. Schließlich habe ich mich an die empfohlene Dosierung gehalten: circa drei Gramm pro Liter Bowle, das sind etwa drei Stängelchen. Und selbst wenn es in diesem Jahr bei uns April- und Maibowle gibt, trinken wir sie ja nicht täglich literweise …

Auch blühender Waldmeister darf geerntet werden

Oft ist übrigens zu lesen, dass Waldmeister unbedingt vor der Blüte zu ernten ist. Das ist sinnvoll, wenn man das beste Aroma herausholen möchte. Keine wissenschaftliche Begründung gibt es jedoch für den Umkehrschluss, man dürfe das Kraut nicht mehr ernten, wenn es bereits blüht. Zum Glück, denn bei uns im Rheinland blüht er schon seit Mitte April.

Wer keinen Waldmeister im Garten hat, sollte sich unbedingt zu einem ausgiebigen Frühlingsspaziergang aufmachen. Mit ein bisschen Glück findet man das Kraut wild wachsend in schattigen Buchenwäldern. Um sicherzugehen, dass man nicht den ungenießbaren Doppelgänger „Wald-Labkraut“ erwischt hat, lässt man die Pflanzen welken und wartet, ob sich der typische Waldmeister-Duft einstellt.