#Foodblogbilanz16 – zwischen kritisch und köstlich

Jahresrückblick 2016Eine persönliche Bilanz über den eigenen Blog ziehen? Das stand schon länger auf meiner To-Do-Liste. Nun hat mir Sabine Schlimm den nötigen Schubs gegeben. Denn auf ihrem Blog Schmeckt nach mehr sammelt sie heute meine und die Rückblicke vieler anderer Foodblogger. Danke für diesen Schubs, liebe Sabine. Und danke an alle, die mich auch in meinem dritten Jahr als Bloggerin davon überzeugt haben, dass sich der Aufwand lohnt!

1. Was war 2016 dein erfolgreichster Blogartikel?

Das war ganz klar Was Oecotrophologen von Foodbloggern lernen können und anders herum. Damit könnte ich meinen Jahresrückblick auch fast schon beenden. Denn in diesem Beitrag steckt bereits viel Persönliches, finden sich Gedanken und Wünsche, die ich nach einem tollen Austausch mit Kolleginnen in München erstmal sacken lassen musste und dann hier sortiert habe. Dazu gehört die weise Erkenntnis, dass wir studierten und dadurch oft reichlich verkopften Ernährungswissenschaftlerinnen uns im Umgang mit Social Media von den Foodbloggern und ihrer Kreativität und Leichtigkeit manchmal eine Scheibe abschneiden können. Wir arbeiten dran, versprochen! Dafür teilen wir immer gerne unser Fachwissen zu Lebensmitteln und Ernährung, wenn wir damit jemandem weiterhelfen können.

2. Welche drei deiner eigenen Blogartikel aus diesem Jahr haben dir persönlich am meisten bedeutet?

Die zum Glück wieder aufgeflammte Diskussion um das Kükenschreddern hat mich zu dem Beitrag Bitte auch zu Ostern Bio-Eier kaufen motiviert.  Seitdem kaufe ich (fast) nur noch Eier von der Bruder-Hahn-Initative. Das „fast“ muss ich leider dazuschreiben, denn schließlich stecken in vielen Fertigprodukten, z. B. Keksen, dann doch Eier, die nicht Bio sind und erst recht nicht von Betrieben stammen, die die Hähnchenküken mitaufziehen. Ein schwieriges Thema, mit dem ich noch lange nicht fertig bin.

Noch lange nicht fertig bin ich auch mit der Idee, eigentlich ganz auf Fleisch verzichten zu wollen. Ich weiß, dass sich unter den Foodbloggern (und ihren Lesern) viele Vegetarier tummeln. Daher ist mir das auch ein bisschen peinlich. Aber warum gerade ich den letzten Schritt zur Vegetarierin bisher nicht geschafft habe, habe ich in Vegetarier werden ist gar nicht so einfach beschrieben. Immerhin: Zumindest kommt bei uns (fast) – da muss der Ehrlichkeit halber wieder dieses Wort hin – nur Bio-Fleisch und -Wurst auf den Tisch. Außerdem koche ich sehr oft ohne Fleisch, probiere neue vegetarische Rezepte aus und gebe die Hoffnung nicht auf, irgendwann ganz auf Fleisch verzichten zu können.

©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Gemüse statt Fleisch

Um etwas Ähnliches ging es in meinen Eindrücken von der Veganfach 2016. Nachdem ich im Mai 2014 noch geschrieben habe, der Vegan-Hype geht mir langsam auf die Nerven, habe ich spätestens auf dieser Messe im Herbst meine Meinung ein Stück weit geändert. Viele Hersteller versuchen nicht nur, Profit aus der veganen Welle zu schlagen, sondern bieten wirklich gute Lebensmittel an, hinter denen sie mit voller Überzeugung stehen. Beeindruckt hat mich auch die Begeisterung und Toleranz der Menschen, mit denen ich in Köln gesprochen habe – selbst, wenn ich mich als (noch) Fleischesserin geoutet habe…

3. Und welche drei aus anderen Blogs haben dich am meisten inspiriert?

Ich bin ein großer Fan von Johanna Bayer, die in ihrem Blog „Quark und so“ kein Blatt vor den Mund nimmt, z. B. in Kesselfleisch und Milzwurst – ein Tabu? Über Innereien, Manieren und Vegetarier. Wie sie darin das Drama beschreibt, das sich entspinnt, als sie sich in heiterer Geburtstagsrunde die traditionelle Herstellung von Kesselfleisch erklären lässt… einfach herrlich. Jedes Mal, wenn ich einen Post von Johanna anklicke, denke ich „puh, schon wieder so lang“. Aber jedes Mal lese ich bis zum Schluss, weil ich vorher einfach nicht aufhören kann.

Gut gefallen hat mir auch der Beitrag von Friedhelm Mühleib auf seinem „Tellerrandblog“ Wohlan denn, Herz, trinke Kaffee und gesunde! Ein schönes Beispiel mal wieder, wie das so ist mit der viel zitierten wissenschaftlichen Studienlage zu Ernährungs- und Gesundheitsthemen – oft schwierig zu interpretieren und scheinbar noch schwieriger, darüber unabhängig und seriös zu schreiben. Tja, diese Studienlage ist eben nicht in Stein gemeißelt. Trotzdem bin ich nicht der Meinung, dass man es daher gleich ganz sein lassen kann. Aber ein bisschen mehr auf den eigenen Bauch hören, ist bestimmt nicht verkehrt.

Sehr wichtig fand ich den Beitrag von meiner Kollegin Melanie Kirk-Mechtel und – Überraschung! – auch dabei ging es um vegane Ernährung. Dazu hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in diesem Jahr nämlich ein Positionspapier veröffentlicht. Melanie erklärt in Kritik an der DGE-Stellungnahme zur veganen Ernährung, warum die Art, wie diese Stellungnahme (bzw. eben nur Teile davon) veröffentlicht wurde, die Veganer auf die Barrikaden rief.

4. Welches der Rezepte, die du 2016 veröffentlicht hast, hast du selbst am häufigsten gekocht – und warum?

Da ich ja nur hin und wieder ein Lieblingsrezept veröffentliche (sollte ich öfter?), fällt die Auswahl leicht. In diesem Jahr waren das die Vegetarischen Frikadellen aus Sellerie und Vollkornreis. Die mache ich seit Jahren – vor allem im Winter – alle paar Wochen, wenn mir sonst nichts einfällt. Bei diesem Rezept gefällt mir besonders, dass ein Gemüse, das ich eigentlich nicht mag, durch die Art der Zubereitung so schlau verpackt wird, dass es richtig köstlich schmeckt.

5. Welches Koch- oder Blog-Problem hat dich 2016 beschäftigt? Und hast du es gelöst?

Champignons mit Pestofüllung zum GrillenDas war Aluminium beim Grillen – Fluch oder Segen? Ich hatte mich schon länger gefragt, warum in vielen Rezepten kommentarlos dazu geraten wird, Fleisch in Aluminiumschalen oder Gemüse in Aluminiumfolie auf den Grill zu legen. Für diesen Artikel habe ich das Ganze dann endlich ordentlich recherchiert. Fazit Nr. 1: Wer Fleisch grillt, kann mit Alufolie verhindern, dass krebserregende Stoffe entstehen. Damit man dann aber nicht zu viel Aluminium aufnimmt (auch nicht gesund) darf das Grillgut – egal, ob Fleisch, Fisch oder Gemüse -, erst später gesalzen oder mit Zitrone gewürzt werden. Fazit Nr. 2: Wer nur total selten den Grill anschmeißt, braucht sich über beides nicht so viele Gedanken zu machen.

6. Was war deine größte kulinarische Neuentdeckung dieses Jahres – welches Lebensmittel, welches Rezept, welche Küchentechnik, welcher Geschmack hat dir eine völlig neue Welt eröffnet?

Jahr der HülsenfrüchteSpontane Antwort: Hülsenfrüchte! Angespornt durch das Jahr der Hülsenfrüchte (und durch die diversen Artikel und Blogposts, die ich dazu geschrieben habe), habe ich immer wieder neue Rezepte mit Erbsen, Linsen, Kichererbsen oder Bohnen ausprobiert: Indische gelbe Erbsensuppe, Kichererbsen-Curry mit Spinat, Blumenkohl-Curry mit Möhren und roten Linsen, Sommer-Salat mit Lentilles de Puy, Kichererbsen zum Knabbern aus dem Backofen, weiße Bohnen mit rote Bete und Schafskäse, Hummus, Linsenbratlinge…

Ich habe aber nicht nur Hülsenfrüchte gekocht, was das Zeug hielt, sondern auch im Bioladen oder Supermarkt nach spannenden Innovationen Ausschau gehalten: Den Nudeln aus roten Linsen gönne ich vielleicht noch eine zweiten Versuch, die konnten uns beim ersten Mal nicht überzeugen. Vermutlich habe ich sie einfach zu lange gekocht. Und auch beim veganen Brotaufstrich auf Lupinen-Basis müssen wir noch ein paar Sorten ausprobieren, bis wir die richtige gefunden haben.

7. Was war der beste (oder lustigste) Suchbegriff, über den Besucher auf dein Blog gekommen sind?

Sehr gut gefällt mir der Suchbegriff „Grünkernbratlinge ohne Ei“. Der spricht natürlich dafür, wie viele Leute nach veganen Rezepten suchen. Besonders gut finde ich daran, dass sie nicht nur nach Quinoa oder Chiasamen suchen, sondern eben auch noch nach dem guten alten Grünkern (= unreifer Dinkel). Der wächst nämlich in Deutschland und muss nicht erst vom anderen Ende der Welt zu uns importiert werden. Vergeblich sucht man ihn aber heute leider in manchen Supermärkten. Dort musste er seinen Regalplatz offensichtlich an die neuen Trendlebensmittel abgeben. Sehr schade!

8. Was wünschst du dir und deinem Blog für 2017?

Viele neue Ideen und mehr Mut, manchmal etwas frecher zu schreiben. Und natürlich wünsche ich mir viele neue Leserinnen und Leser und sehr gerne auch mehr Austausch mit anderen Foodbloggern. Dazu gelobe ich Besserung, was das Lesen, Teilen und Kommentieren von deren Beiträgen angeht. Leider fehlt mir dazu oft die Zeit im ewigen Spagat zwischen Job und dem, was sonst alles so ansteht 😉