Glutenfrei, laktosefrei, fruktosefrei – immer mehr „frei von …“ in den Regalen

Fruktosefrei, laktosefrei, vor allem aber glutenfrei – glaubt man den Medien und dem, was sich in den sozialen Netzwerken tut, sind diese Begriffe für immer mehr Verbraucher beim Einkaufen total wichtig. Diesen Eindruck haben meine Recherchen für den Trendscoutartikel „Frei von …“ erobert die Regale bestätigt. Die Hersteller von solchen speziellen Lebensmitteln freuen sich, denn ihr Geschäft boomt. Doch was für diejenigen, die wirklich ein Problem mit bestimmten Bestandteilen oder Zutaten haben, ein Segen ist, bedeutet für die Mehrheit der Deutschen einen unnötig tiefen Griff in den Geldbeutel. Denn die meisten Menschen brauchten sich eigentlich gar keine Gedanken machen – höchstens darüber, insgesamt gesünder zu essen und sich mehr zu bewegen.

Beispiel 1: Gluten = Klebereiweiß

Nur 0,5 bis 1 Prozent aller Deutschen haben eine Glutenintoleranz (auch Zöliakie genannt). Das heißt, sie dürfen absolut keine Lebensmittel essen, die auch nur Spuren von Weizen – darin steckt das Klebereiweiß Gluten – enthalten. Tun sie es doch, geht die Schleimhaut ihres Dünndarms kaputt, sie können die Nährstoffe aus dem Essen nicht mehr verwerten und werden über kurz oder lang sehr krank. Zum Glück gibt es für diese Menschen heute eine immer größere Auswahl an glutenfreien Lebensmitteln.

Beispiel 2: Laktose = Milchzucker

Hier sieht die Sache anders aus, denn tatsächlich bekommen viele Menschen (geschätzte 15 bis 20 Prozent) von Milch Bauchweh oder Blähungen, weil sie die Laktose darin schlecht oder gar nicht verarbeiten können. Im Gegensatz zum Gluten gibt es hier aber eine Dosis-Wirkung-Beziehung. Das heißt, jeder reagiert unterschiedlich empfindlich und muss für sich (oder mit Hilfe von Ernährungsberatern) austesten, wie viel Milch er verträgt. Milch und Milchprodukte sind also nicht komplett tabu. Außerdem gibt es viele Käsesorten, die praktisch von Natur aus keine Laktose enthalten.

Beispiel 3: Fruktose = Fruchtzucker

Fruktose steckt natürlicherweise in vielen Früchten, aber auch als Zutat in z. B. Müsliriegeln oder süßen Erfrischungsgetränken. Geschätzte 30 Prozent der Deutschen haben mit Fruktose so ihre Schwierigkeiten. Aber auch die müssen auf keinen Fall komplett auf Obst verzichten, sondern ausprobieren, wie viel sie vertragen. Und bestimmte Sorten wie Bananen, Weintrauben und Erdbeeren sind meist kein Problem.

Offenbar sind viele Menschen heute aber total verwirrt – auch durch unqualifizierte Aussagen von selbst ernannten Experten, Heilpraktikern oder Promis wie Lady Gaga. Sobald es in ihrem Darm rumort, suchen sie nach dem Schuldigen im Essen. Außerdem stehen sie im Super- oder Drogeriemarkt – auch im Bioladen übrigens – vor einem immer größeren Angebot von Lebensmitteln, die damit werben, dass sie irgendeinen gefährlichen Bestandteil nicht enthalten.

Diese Verwirrung beobachten auch ErnährungsberaterInnen. „Vor zehn Jahren war Fruktosemalabsorption in unserer Praxis noch kein Thema“, sagt z. B. die Diätassistentin Sabine Offenborn. „Heute entfallen 40 Prozent des Tagesgeschäftes darauf.“ Zusammen mit ihrer Kollegin betreibt sie die website lecker-ohne, wo sich Betroffene informieren und gute Rezepte finden können. Dort gibt es auch alle wichtigen Link-Tipps zu Verbänden und Organisationen, die sich mit den Themen Lebensmittel-Intoleranzen und Lebensmittel-Allergien beschäftigen und wirklich auskennen.

Ein lesenswerter Artikel zum Thema erschien übrigens vor wenigen Tagen in The Wall Street Journal. Darin erfährt man unter anderem, wie es heute in den Regalen der amerikanischen Supermärkte aussieht.