In der Tomaten-Zwickmühle: Billige Spanier oder teure Rheinländer?

Tomaten-Zwickmühle Foto: Freitag-Ziegler

Tomaten-Zwickmühle
Foto: Freitag-Ziegler

Egal, ob im Bio-, Super-, oder auf dem Wochenmarkt: Natürlich greife ich dort zu saisonalem Obst und Gemüse aus der Region, meistens jedenfalls. Schließlich predige ich das ja auch immer wieder in diversen Veröffentlichungen meinen Lesern. Gestern Abend bei Rewe kam ich dann aber doch ordentlich ins Straucheln. „Aktion: 0,49 Euro“ lockten gleich hinter dem Eingang die Cherry Roma Tomaten, 250 Gramm in der Plastikschale. Leider stammten die sensationell günstigen Tomaten aus Spanien und damit nicht wirklich aus der Region.

Auf der Suche nach einer Alternative aus der Nachbarschaft wurde ich aber zum Glück schnell fündig. Unter dem Label „Rewe Regional“ lagen Mini Cherry Rispentomaten aus dem Rheinland gleich nebenan. Allerdings kosteten die mit 1,99 pro 250 Gramm doch tatsächlich viermal so viel wie die Spanier! Also doch ausnahmsweise mal die billigen Tomaten? Schließlich  prangte auf deren Verpackung sogar ein dickes Siegel „Pro Planet“ mit dem Zusatzhinweis „soziale Bedingungen verbessert“. Sollte ich jetzt tatsächlich Geld sparen und ohne schlechtes Gewissen die Aktionsware kaufen dürfen?

In meiner Not fragte ich den Gemüseeinkäufer im Laden um Rat. Er zuckte nur mit den Schultern und meinte, er sei da auch mehr oder weniger machtlos. In Spanien würde auf so riesigen Flächen produziert, da könnten die heimischen Erzeuger einfach nicht mithalten. Trotzdem bemühe er sich, gleichzeitig regionale Alternativen anzubieten.

Danke dafür. Denn ich habe letztendlich beide Sorten gekauft, auch, um zu Hause den Geschmackstest zu machen. Und was soll ich sagen? Die rheinischen Cherry-Tomaten waren ihren Preis wert, weil zwar viermal so teuer, aber doppelt so lecker. Was das Pro Planet-Siegel angeht, habe ich mich nochmal schlau gemacht und ein paar Erläuterungen auf der Plattform lebensmittelklarheit der Verbraucherzentrale gefunden. Danach ist dieses Siegel für mich nicht wirklich ein Kaufargument.

Unterm Strich frage ich mich jetzt, wie realistisch eigentlich der Aufruf zum Kauf regionaler Produkte ist, angesichts solcher Preisunterschiede – und das auch noch in der Tomatensaison. Vielleicht ist ja auch mein Hinweis auf den Geschmack das entscheidende Argument. Denn Tomate ist eben nicht gleich Tomate, Apfel nicht gleich Apfel usw