Kleinkinder brauchen weder Kindermilch noch Herzchen-Menüs

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Sie heißen Kindermilch, Kleinkindermilch oder Juniormilch und sind gedacht für Kinder zwischen 1 und 3 Jahren. Ernährungswissenschaftler empfehlen für Kinder in diesem Alter normale Kuhmilch, und zwar mit 1,5 Prozent Fett, etwa 330 Milliliter pro Tag (circa 1 1/ 2 Gläser). Die Babybrei-Hersteller raten Eltern dagegen zu ihren Kindermilch-Kreationen. Schließlich seien die speziell auf die Bedürfnisse ihrer Kleinen zugeschnitten. Viele Eltern lassen sich von diesen Werbeversprechen überzeugen und kaufen die Industriemilch. Dabei ist sie bis zu viermal so teuer wie normale Kuhmilch. Die Anbieter freuen sich, denn sie verdienen damit gutes Geld. Und auch die Eltern sind zufrieden. Sie wollen ja nur das Beste für den Nachwuchs.

Das waren die ersten Kindermilchen auf dem Markt aber nicht wirklich. Nach dem Gießkannenprinzip wurden ihnen fast sämtliche Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt, ohne Rücksicht darauf, welche Nährstoffe Kleinkindern wirklich fehlen können (Vitamin D, Jod und Eisen) und welche völlig unproblematisch sind. Außerdem enthielten manche Produkte zu viel Fett und Kohlenhydrate und damit viel zu viele Kalorien.

Kein Wunder, dass die Kindermilchen Verbraucherschützern und Ernährungswissenschaftlern bald ein Dorn im Auge waren. Schnell entbrannte eine rege Diskussion über deren Sinn oder Unsinn. Im Jahr 2011 führte die zu konkreten Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin. In „Zusammensetzung und Gebrauch von Milchgetränken für Kleinkinder“ steht nun genau, welche Nährstoffe in welchen Mengen enthalten sein sollen. Und darin steht auch, „dass spezielle Milchgetränke für die Ernährung von Kleinkindern nicht notwendig sind“.

Die Hersteller sehen das natürlich nach wie vor anders und offensichtlich auch viele Eltern. Für die aid-Fachzeitschrift „Ernährung im Fokus“ habe ich mich umgehört und erfahren: Die Nachfrage nach Kindermilch wächst nach wie vor stark. Zumindest haben einige Hersteller jetzt aber ihre Rezepturen an die Empfehlungen angepasst. Nun leidet nur noch der Geldbeutel der Eltern, nicht aber die Gesundheit der Kinder.

Obst im Quetschbeutel

Auch Obst im Quetschbeutel gehört nicht wirklich zu den Dingen, die Kleinkinder brauchen. Trotzdem boomen seit einigen Jahren die kleinen bunten Plastikbeutel, die für circa einen Euro pro Stück zu haben sind. Sie enthalten meist pürierte Obstmischungen und können direkt aus dem Beutel in den Mund gequetscht werden – kauen überflüssig. Dabei schmeckt gerade Obst den meisten Kindern auch so. Und Äpfel, Orangen, Bananen und Co. wurden praktischerweise bereits von Mutter Natur perfekt verpackt, ganz ohne Plastikmüll.

Kleinkindermenüs im Herzchenteller

Plastikmüll in Herzchen- oder Bärenform – der entsteht bei manchen Fertigessen, die für kleine Kinder auf dem Markt sind. Was treibt Eltern dazu, ihren doch schon recht großen kleinen Kindern solche fertigen Mittagessen anzubieten, statt selber für sie und mit ihnen zu kochen? Die aus der Babyphase stammende „Gläschen“-Gewohnheit, Zeitmangel, Unsicherheit, was Kinder in diesem Alter brauchen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen liefert das Netzwerk „Gesund ins Leben“. Schon ein kurzer Blick auf die vielen Infos zeigt: Gesundes Essen und Trinken, das Kindern (und Erwachsenen) schmeckt, ist kein Hexenwerk und erfordert auch keine überengagierten Vollzeit-Hausfrauen oder –männer. Vieles lässt sich mit ein wenig vorausschauender Planung und ohne Extra-Aufwand bewerkstelligen.