Maronen und Haselnüsse aufsammeln, aber bitte keine Äpfel klauen

Äpfel im Vorgarten Foto: Freitag-Ziegler

Äpfel im Vorgarten
Foto: Freitag-Ziegler

Äpfel, Nüsse, Maronen – gerade jetzt im Herbst gibt es vieles gratis, wenn man weiß, wo man suchen muss. Aber nicht jeder Baum oder Strauch, um den kein Zaun gezogen ist, ist in dem Sinne herrenlos und präsentiert seine Früchte kostenlos zur Selbstbedienung. Das gilt zum Beispiel für den Apfelbaum in unserem Vorgarten, der zurzeit Äpfel wie aus dem Bilderbuch trägt. Das finden auch viele Menschen, wenn sie daran vorbeikommen. Manche begnügen sich allerdings nicht mit dem Bewundern, sondern bedienen sich mehr oder weniger heimlich. Dabei würde ich niemandem die Bitte um einen Apfel abschlagen, wenn er denn fragen würde.

Damit ist das entscheidende Stichwort gefallen: es lautet fragen. Sonst könnte ich den Apfeldieb nämlich tatsächlich als Dieb anzeigen (was ich natürlich nie machen würde, wenn nicht gerade jemand den ganzen Baum leerräubert). Zum Nachfragen raten daher auch die Macher der Seite mundraub.org, die sich der Idee verpflichtet haben, dass Pflanzen und Früchte, die tatsächlich keinem gehören, von verantwortungsvollen „Mundräubern“ genutzt werden dürfen. Dazu aber folgender Rat:

Erkundigt euch im Zweifelsfall bei den zuständigen Behörden, ob die Obstbäume auch tatsächlich auf öffentlichem Grund stehen! Anlaufstelle hierfür sind z.B. die Unteren Naturschutzbehörden, Grünflächenämter der Gemeinden, die Straßenverkehrsbehörde oder die Straßenmeisterei einer Gemeinde bzw. eines Landkreises. Das klingt nach viel Arbeit, ist es aber meistens gar nicht. So haben wir schon einige Male durch ein kurzes Telefonat für Klarheit sorgen können. Probiert es aus!

Haselnüsse am Straßenrand und Maronen auf dem Schulhof

Ich habe also tatsächlich mal beim Grünflächenamt der Stadt Bonn nachgefragt. Denn ein paar Meter weiter unsere Straße entlang stehen mehrere Haselnussbäume, von denen gerade jetzt die Nüsse nur so purzeln. Für Klarheit hat dieser Anruf allerdings nicht wirklich gesorgt. Der entsprechende Amtsleiter meinte lediglich, alles, was auf dem Boden liege, sei herrenlos und dürften wir aufsammeln. Das gelte auch für Apfelbäume, die auf städtischem Gebiet – zum Beispiel in Parks – wüchsen. Bevor wir diese Äpfel pflückten, müssten wir aber nachfragen, wem die Bäume gehören. Das versuchte ich ja gerade herauszufinden …

Und eine Nachfrage bei der Schule meiner Kinder – dort stehen ein paar wunderbare Esskastanienbäume – ergab: Wir freuen uns, wenn die Kinder die Maronen sammeln, finden es aber nicht so toll, wenn Fremde dazu nachts über den Zaun des Schulgeländes klettern. Streng genommen ist das sogar Hausfriedensbruch.

Maronen KFG 2014

Maronen auf dem Schulhof
Foto: Freitag-Ziegler

Mein Fazit: Wer ein bisschen nachdenkt, merkt doch recht genau, ob er dieses oder jenes „ernten“ darf – auch ohne Anruf bei der Stadt. Ich finde es jedenfalls gut, dass es Menschen gibt, die sich überhaupt noch die Mühe machen, Nüsse zu sammeln, die buchstäblich auf der Straße liegen.