Milchkanne aus den 60ern, Altbrot als Brennstoff und Mülltaucher

Foto: Freitag-Ziegler

Foto: Freitag-Ziegler

Endlich mal eine Ausstellung zu meinem Spezialgebiet Essen und Trinken. Und auch noch direkt vor meiner Haustür in Bonn. Sehr schön! Leider hatte ich nur eine gute Stunde Zeit, was definitiv zu wenig ist, wenn man alles in Ruhe anschauen, lesen und anhören möchte. So war mein erster – schneller – Eindruck irgendwie nicht rund und ich werde wohl nochmal hingehen. Bis zum 12. Oktober 2014 ist die kostenlose Schau ja noch zu sehen.

Die Plastik-Milchkanne aus meiner Kindheit

Was ich am Haus der Geschichte so liebe, ist, dass dort wirklich jeder (wenn er nicht ganz jung ist) an Dinge oder Ereignisse aus seiner Kindheit erinnert wird. Egal, mit welcher Absicht oder Erwartung man hingeht, irgendwann steht man vor einem ganz bestimmten Ausstellungsstück und es wird einem ganz warm ums Herz. Bei mir passierte das bei der Milchkanne aus den 60er Jahren. Mit so einer bin ich (in den 70ern!) regelmäßig beim Bauern Milch holen gegangen. Einmal fiel sie mir auf dem Rückweg in den Dreck und die schöne weiße Milch versickerte zwischen Tannennadeln im Waldboden. Ein Schock für die Kinderseele war das.

Erste Bosch-Küchenmaschine von 1952 Foto: Freitag-Ziegler

Erste Bosch-Küchenmaschine von 1952
Foto: Freitag-Ziegler

Allein für diese Erinnerung hat sich der Gang ins Museum schon gelohnt. Überhaupt gefielen mir die rückblickenden Ausstellungsstücke, Darstellungen oder Filme am besten: Tante-Emma-Läden und erste Supermärkte (in Ost und West), Ekel Alfred beim Rotkohlkochen, die Bosch-Küchenmaschine für die perfekte Hausfrau (mit Hacken-Pumps und tadelloser Frisur in der Küche), das Bilderbuch, in dem das kleine Mädchen schon genauso eine tolle Hausfrau ist wie die Mutti usw.

Schlaglichter rund ums Essen aus sechs Jahrzehnten

Weiter geht es mit den Lebensmittelskandalen der vergangenen Jahrzehnte (auf einem Zeitstrahl dargestellt) inklusive passender Titelbilder des Spiegelmagazins. Es gibt Infos zu Kantinen, zu Fast Food und zur Inszenierung von Convenience-Produkten. Sehr schön hierzu die Fotos des Fotografen Samuel Müller. Öffnet der Museumsbesucher die Verpackung (=Klappe), die ein appetitliches Mittagessen „Original Nürnberger Rostbratwürstchen in kräftig-würziger Soße mit lecker-cremigem Kartoffelpüree und Weinsauerkraut nach Hausfrauenart“ zeigt, blickt er erschrocken auf einen portionierten Plastikteller mit nicht ganz so appetitlich aussehendem Inhalt. Hier gibt es auch ein schnelles Video dazu.

Rostbratwürstchen "Realität"

Rostbratwürstchen „Realität“

Rostbratwürstchen "Werbung"

Rostbratwürstchen „Werbung“

Natürlich widmet sich „I(s)s was?!“ auch den großen Themen Genuss, Länderküche, Blick über den Tellerrand (z. B. Döner, Pizza, Sushi), Ernährungsverhalten, Fleischkonsum und Bio – oft im Vergleich gestern und heute. Dabei gefielen mir immer die Dinge am besten, die mir bisher entgangen waren, weil man eben nicht alles lesen kann. Zum Glück gibt es also diese Ausstellung. Da erfahre ich z. B. etwas über Altbrot als Brennstoff.  Offensichtlich bleibt in den Bäckereien so viel Brot übrig, dass damit preiswert und CO2-neutral die Backöfen beheizt werden können.

Mülltauchen gegen Lebensmittelverschwendung

Und für den Nachwuchs, dem keine Tränen beim Anblick alter Milchkannen in die Augen schießen, empfiehlt sich unter anderem ein Blick in den Müllcontainer. Der zeigt, wie viele Lebensmittel unnötig weggeschmissen werden, so dass sie „Mülltauchern“ ein Leben ganz ohne Geld ermöglichen – sogar in Bioqualität.

Bericht über "Mülltaucher" Foto: Freitag-Ziegler

Bericht über „Mülltaucher“
Foto: Freitag-Ziegler

Soweit meine persönlichen Eindrücke. Schreibt mir doch, wie euch die Ausstellung gefallen hat. Für den Urlaub habe ich mir übrigens noch für 2 Euro das Museumsmagazin zur Ausstellung gekauft.