Ruhe im Kuhstall

Foto: freitag-ziegler

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Die neuen Online-Infos vom aid zum Tierwohl haben mich gleich an zwei Lieblings-Bauernhof-Urlaube erinnert: Das Video aus dem Kuhstall vom Ökobetrieb Hof Achtern Diek wurde ausgerechnet in Bosau gedreht – einem Dorf in der holsteinischen Schweiz, mit dem uns so einiges verbindet. Denn Bosau liegt in rund 10 Minuten Fahrradentfernung vom Hof Augstfelde. Dort haben wir schon viermal unsere Sommerferien verbracht: Weil der Hof außer dem klassischen Bauernhof-Feeling einen eigenen Privatstrand am Vierer See (kleiner Bruder vom Plöner See) hat, weil wir dort nicht auf die Kinder aufpassen müssen, weil die Umrundung des Vierer Sees mit 9 km eine ideale Joggingstrecke ist, weil die Ostsee nicht weit und außerdem Bosau um die Ecke ist. Dort gibt es offensichtlich nicht nur einen mustergültigen Öko-Milchviehbetrieb (den wir bisher leider noch nicht kannten), sondern auch ein Bauernhof-Café mit besonders guten Torten und lecker Milchreis. Soweit mein Kuhstall- und Urlaubstipp Nr. 1 in aller Kürze.

Milchkühe in der Eifel

Die zweite Erinnerung ist ein Osterurlaub auf dem Kapellenhof in der Eifel. Den hatten wir uns vor zwei Jahren ganz gezielt ausgesucht. Die Kinder wollten unbedingt noch einmal einen Bauernhof mit richtig großem Kuhstall erleben. Da ich zeitgleich gerade an meiner Milchbroschüre arbeitete, fand auch ich die Idee nicht verkehrt. Tatsächlich hat Bauer Krämer mein theoretisches Wissen durch einige Beispiele aus der Praxis bereichert. Außerdem haben wir mehrere Kälbergeburten miterlebt und einfach viel Zeit im Stall verbracht. Dort waren wir vor den kalten Eifelwinden geschützt und wir Erwachsenen konnten die Ruhe genießen. Die herrschte dort spürbar trotz oder gerade wegen der vielen Kühe. Das hat mein Mann in einem kleinen Urlaubsfilm eingefangen. Allein das Vogelvolk ist nicht zu bremsen, scheint das Milchvieh aber nicht zu stören.

Unser Film ist vielleicht nicht so kreativ wie andere Kuhstallvideos, die sich zurzeit im Netz förmlich den Rang ablaufen. Ich mag ihn aber sehr gerne, weil er die gemächliche Atmosphäre im Stall so gut rüberbringt. Dass diese Ruhe ein Zeichen von Wohlfühlen sein muss und nicht einfach nur ein gewisses Kuh-Phlegma wiederspiegelt, zeigte der Tag, an dem das neue Melkhaus eingeweiht wurde. Diese revolutionäre Neuerung setzte Kühe (damals etwa 180) und Menschen gleichermaßen unter Anspannung. Auf einmal war die Ruhe dahin und wurde das fünfte Gebot zum Tierwohl „Freiheit von Angst und Stress“ vorübergehend gebrochen.

Wir haben aus diesem Urlaub jedenfalls einige Erkenntnisse mitgenommen. Landwirte wie die Krämers und ihr Team setzen sichtbar alles daran, dass es ihren Tieren gut geht. Sie tun dies für die Tiere und natürlich für die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebes. Je mehr Tiere im Stall, desto wirtschaftlicher das Arbeiten – so einfach ist das. Ein super-moderner Melkstand für 40 Kühe gleichzeitig lohnt sich eben nur für große Höfe. Eine Alternative sind Ökobetriebe. Aber auch die müssen wirtschaftlich und modern arbeiten. Und es muss Verbraucher geben, die bereit sind, für Bio-Lebensmittel mehr Geld auszugeben.