Slow Food Genussführer Deutschland 2015

Foto: Slowfood Deutschland e. V.

Foto: Slow Food Deutschland e. V.

Seit heute ist der neue Slow Food Genussführer Deutschland 2015 offiziell im Handel. Das konnte ich bereits letzte Woche bei der Frühstückslektüre meiner Bonner Tageszeitung lesen. Denn just in Bonn, und zwar im Café-Restaurant Speisesaal in der Bundeskunsthalle, wurde die zweite Auflage vorgestellt. Dort war auch ich schon gelegentlich nach dem Museumsbesuch etwas essen oder trinken und fand es lecker und speziell, vor allem die Idee, Gerichte anzubieten, die Bezug zur jeweiligen Ausstellung haben. Seit der Eröffnung der August Macke-Franz Marc-Ausstellung stehen im Speisesaal also nun seit letzter Woche unter anderem „decke Bunne met enem Mettwürschje un Earpel“ (aus dem Rheinland wegen August Macke) und „Bayerisches Böfflammot“ (zu Ehren des Bayern Franz Marc) auf der Speisekarte.

Genug der Werbung für Bonns erstes, von Slow Food empfohlenes Lokal. Aber genau das wünschen sich die Autoren ja auch: Werbung für die mittlerweile über 400 Gaststätten, Restaurants, Cafés, Biergärten etc. in ganz Deutschland (126 mehr als in der ersten Ausgabe von 2014), die den Slow Food Kriterien entsprechen. Denn diese sollen nicht nur etwas Besonderes, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich sein.

Genau diese Slow Food-Kriterien vermisse ich aber leider im Buch. Dabei sind sie klar formuliert und auch auf der Slow-Food-Internetseite nachzulesen: Danach gelangen in den Genussführer also nur Lokale,

wo die angebotenen Speisen sinnlichen Genuss bereiten und sich vom Massengeschmack deutlich abheben,

in denen frische und saisonale Grundprodukte aus der Region auf handwerkliche Art und Weise verarbeitet werden,

in denen der Koch bewusst auf den Einsatz von Aromastoffen, Zusätzen und Geschmacksverstärkern verzichtet,

in denen die Gerichte in der jeweiligen Region beheimatet sind und manchmal dadurch vor dem Vergessen bewahrt werden.

Ach ja: Bezahlbar sollte das Ganze für den durchschnittlichen Gast auch noch sein.

Wer jetzt meint, mit Hilfe dieses Büchleins, in seiner näheren Umgebung von einem Slow-Food-Restaurant zum anderen pilgern zu können, hat sich jedoch getäuscht. Denn die Empfehlungen verteilen sich wirklich über ganz Deutschland und da muss man bei 400 Restaurants ganz schön viele Kilometer zurücklegen. Schaut man auf die Karten zu Deutschland Süd und Deutschland Nord oder den einzelnen Bundesländern im Buch, findet man aber dennoch ein paar „Slow-Food-Ballungsgebiete“, zum Beispiel in und um Freiburg herum oder in den Großräumen Frankfurt/Mainz/Wiesbaden und Berlin/Potsdam.

Ich werde den Genussführer jedenfalls zukünftig vor jeder Deutschlandreise zur Hand nehmen und mal nachschauen, ob da oder dort ein gutes Restaurant auf mich wartet. Die Beschreibungen der einzelnen Häuser und ihrer Spezialitäten machen jedenfalls ziemlichen Appetit. Und noch etwas: Die über 100 Autoren des Genussführers bitten übrigens ausdrücklich um Anregungen und Kritik an folgende e-mail-Adresse: genussführer-kommission [at] slowfood.de Denn schließlich kann, wer sich einen Platz in diesem Buch erworben hat, ihn genauso schnell wieder verlieren, wenn das Angebot nicht mehr stimmt.