Vegan-Hype geht mir langsam auf die Nerven

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber irgendwie kann ich das Wörtchen „vegan“ bald nicht mehr hören. Egal, wohin man schaut: überall springen einem vegane Rezepte, vegane Kochbücher oder vegane Würstchen ins Auge. Dabei soll der Anteil an Veganern bei uns noch nicht einmal 0,5 Prozent betragen, schreibt diese Woche Die Welt.

Wer kauft also die Unmengen von veganen Kochbüchern? Wer probiert all die veganen Rezepte aus? Nicht, dass mich jemand falsch versteht: Ich finde auch, dass Fleisch nicht jeden Tag auf den Teller gehört, dass es am besten von artgerecht gehaltenen Tieren stammen und die Portionen sich bescheiden hinter denen von Gemüse und Kartoffeln verstecken sollten; Milch und Eier kaufe ich fast immer im Bioladen, Fisch aus nachhaltiger Fischerei und den Honig bekomme ich mittlerweile von Freunden, die sich auf die Hobby-Imkerei verlegt haben. Ich denke, damit können Tiere, Umwelt und meine Gesundheit schon ganz gut leben.

Grundsätzlich bewundere ich Menschen, die es schaffen, komplett auf alles Tierische zu verzichten – vorausgesetzt, sie riskieren damit keinen Nährstoffmangel. Das zeugt von einer tiefen Überzeugung und großen Konsequenz. Für die meisten Menschen ist ein Verzicht auf sämtliche Produkte, die auch nur ein Fitzelchen Milch oder Eier enthalten, aber einfach eine zu große Herausforderung. Würden diese Durchschnitts-Deutschen weniger Fleisch und Wurst essen, öfter zu Bio greifen und die Erdbeeren aus der Region kaufen, wäre das doch schon ein toller Erfolg.

Ich wünsche mir, dass der Vegan-Hype mehr Leute zumindest zum Nachdenken in diese Richtung und vielleicht sogar zu schrittweisen Änderungen beim Einkaufen und Essen anregt. Ich befürchte jedoch, dass er bei manch einem genau das Gegenteil im Sinne von „jetzt erst recht“ auslösen könnte. Wenn ich meine eigene Reaktion auf die inflationäre Sichtbarkeit dieses Begriffes beobachte, scheint das gar nicht so abwegig.