Wild aus der Region gibt es nicht im Supermarkt

Rothirsche Quelle: rolfes/Deutscher Jagdverband

Rothirsche
Quelle: rolfes/Deutscher Jagdverband

Rund 250.000 Einträge ergab die Google-Suche nach „Hirsch Neuseeland“. Da hatte ich also ganz offensichtlich eine gewaltige Bildungslücke. Aber man kann schließlich nicht alles wissen und Fleisch ist nicht wirklich mein Spezialgebiet. Am letzten Wochenende habe ich mich jedenfalls sehr über diese Bildungslücke geärgert als ich eigentlich Reh aus der Region kaufen wollte. Eine große Supermarkt-Reklame mit Wild-Angeboten hatte mich auf die Idee gebracht und in den zugehörigen Laden gelockt. Dummerweise habe ich vorher nicht nachgedacht bzw. –gefragt. Erst nachdem das Hirschgoulasch – Reh gab es nicht – bereits abgewogen und eingetütet war, erkundigte ich mich bei der Dame hinter der Theke, ob es denn auch aus der Region sei. Nein, klärte die mich auf, natürlich aus Neuseeland.

Hirsch meist aus Neuseeland

Wie natürlich oder wohl eher üblich das ist, zeigte besagte Internetrecherche. Dort konnte ich unter anderem bei Wikipedia nachlesen, dass die „landwirtschaftliche Wildtierhaltung“ – besonders von Rothirschen – dort eine lange Tradition hat und dass Deutschland der Hauptabnehmer von neuseeländischem Wild ist. Auch ein kurzer Blick in die aid-Infos zu Wild im Internet oder in die entsprechende Broschüre „Wild und Wilderzeugnisse“ hätte mich schnell aufgeklärt. Denn dort heißt es ganz klar:

… 80 Prozent des Hirschfleisches kommen aus Neuseeland. … es ist das ganze Jahr über bei uns sowohl frisch als auch tiefgefroren im Angebot. Verstärkt nachgefragt wird es allerdings erst im Herbst und Winter, jener Jahreszeit, in der bei uns traditionell frisches Wild aus heimischen Revieren angeboten wird.

Aha. Genau dieser Idee von der passenden Jahreszeit für heimisches Wild war ich also aufgesessen. Schließlich habe ich ja schon des Öfteren im Dezember gleichzeitig Wild und Weihnachtsbaum für die Feiertage gekauft – direkt beim Jägerhäuschen im Wald, quasi um die Ecke. Und das in dem festen Glauben, es handele sich um Reh, Hirsch oder Wildschwein, das sein Leben glücklich und artgerecht in Wäldern und auf Wiesen verbracht hat.

Wildbret aus der Region beim Förster kaufen

Hat es auch, wie eine Nachfrage beim Deutschen Jagdverband ergab. (Der Förster „meines Vertrauens“ war leider nicht zu erreichen, aber den frage ich beim nächsten Einkauf auch nochmal). Wenn man Wildbret direkt beim Förster oder Jäger kauft, stammt es garantiert aus der unmittelbaren Region. Dort werden die Tiere zu bestimmten Jagdzeiten geschossen und zwar nicht ausschließlich im Winterhalbjahr. Der Deutsche Jagdverband betreibt eine spezielle homepage, auf der man nachschauen kann, wer in welchem Postleitzahlengebiet welches Wildbret verkauft. Auch entsprechende Metzgereien, Direktvermarkter und Restaurants findet man dort, Supermärkte und Discounter allerdings nicht. Warum, das habe ich jetzt gelernt.

Lecker war das Hirsch-Gulasch übrigens trotzdem. Aber die Vorstellung, dass es halb um den Globus gereist ist, hat den Genuss doch etwas getrübt. Daher werde ich jetzt gut aufpassen, wann in der Zeitung die Termine für den nächsten Wildverkauf bei uns im Ennert bekannt gegeben werden. Heimische Tannenzweige für die Adventsdeko werde ich dann auch gleich mitnehmen.