Besuch beim Fruchtsaft-Porsche

Besuch beim Fruchtsaft-Porsche

Vergangenen Samstag konnte, wer Zeit und Lust hatte, „seinen“ Saftladen besuchen. Der Verband der Fruchtsaftindustrie hatte bundesweit zum Tag der offenen Tür eingeladen. Nun habe ich in den letzten Jahren schon sehr viel über Fruchtsaft geschrieben, war aber tatsächlich noch nie bei einem Hersteller vor Ort. Da fügte es sich prima, dass zwar nicht „mein“ Saftladen – ich bin sowieso nicht auf eine Marke festgelegt – aber ein ziemlich angesehener auf dem Weg zum Wochenendbesuch bei der Schwiegermutter lag: In Unkel produziert nämlich die Firma Rabenhorst seit 1885 (die Unternehmensgeschichte begann aber bereits 1805 auf der anderen Rheinseite) Fruchtsäfte der Oberklasse. Oberklasse meint: Top-Qualität, viel Bio, viele Direktsäfte, sehr lecker, teilweise allerdings zu schwindelerregenden Preisen. Jedenfalls, wenn man die so genannten Superfoods in der Flasche kaufen möchte: Granatapfel, Aronia, Heidelbeere, Cranberry, Goji – da kostet ein Liter schon mal 18 Euro (Gojisaft).

Immer noch stolze 7,48 Euro kostet die 750 ml Flasche Cranberry-Direktsaft. Er wird aus nordamerikanischen Cranberries hergestellt, die gefroren nach Unkel gelangen. 800 Tonnen im Jahr, verriet mir der Geschäftsführer Klaus-Jürgen Philipp. Damit ist Rabenhorst der größte Hersteller von Cranberrysaft in Deutschland.

 

800 Tonnen Cranberries pro Jahr
800 Tonnen Cranberries pro Jahr

Aus meiner Kindheit kenne ich den Klassiker Rotbäckchen. Den gab es ganz selten mal, wenn der Hausarzt meinte, das Kind sei ja so blass und bräuchte Eisen. Rotbäckchen in Flaschen konnte ich denn auch am Samstag geräuschstark durch die Hallen flitzen sehen. Wenn man genau hinschaute, konnte man erahnen, wo der Saft genau in die Flasche kam. Die nette Dame an der Etikettiermaschine bremste sogar ein wenig die Geschwindigkeit für mich, damit ich das Etikettieren besser verfolgen konnte. Ansonsten war es aber wie meistens in der Lebensmittelindustrie: Alles sehr beeindruckend, aber die eigentlichen Vorgänge im Herzen der Maschinen sieht man leider nicht. Und auch die Berge von Obst, die zur Erntesaison auf den Hof rollen, gab es am Samstag in Unkel nicht zu bewundern; nur einen Stand mit diversen tiefgefrorenen Beeren (bitte nicht anfassen!). Das mag an der Saison (die Apfelernte fängt ja zum Beispiel gerade erst an) und auch am Kerngeschäft von Rabenhorst gelegen haben, zu dem eben nicht die Herstellung von Apfelsaft gehört.

Erst auf der Weiterfahrt fiel mir dann so richtig auf, was ich noch alles hätte fragen können. Aber mit dem Teenager im Schlepp, der schnell „schon alles gesehen“, aber (verständlicherweise) keine Lust hatte, die ganzen Plakate zu den einzelnen Produktionsschritten zu lesen, fehlten mir ein wenig die Konzentration und nötige Muße. Bleibt noch die Sendung mit der Maus, die das Grundprinzip hinter der Technik mit Kartoffelpresse und Filtertüte anschaulich nachstellt. Oder das Video vom Fruchtsaftverband, das denn doch von A bis Z erklärt, wie denn jetzt eigentlich der Apfel in die Flasche kommt.