Ausstellung „Alles Zucker!“ im Berliner Technikmuseum

Foto: DTB/Gestaltung: gewerkdesign, Berlin
Foto: SDTB/Gestaltung: gewerkdesign, Berlin

Seit dem 26.12.2015 läuft in Berlin die neue Dauerausstellung „Alles Zucker! Nahrung – Werkstoff- Energie.“ Bereits drei Tage später hatte ich die Gelegenheit, mir alles genau vor Ort anzuschauen. Mein erster Eindruck: „Nahrung“ steht zwar im Titel an erster Stelle, macht aber nicht den Hauptaspekt der Ausstellung aus. Jedenfalls nicht in dem Sinne, wie man es sich als Ernährungswissenschaftlerin wünschen würde. Wer also erwartet, in dieser Museumsschau Antworten auf die derzeit heiß diskutierten Fragen zu erhalten „Wie viel Zucker ist gesund?“ oder „Welche Rolle spielt Zucker bei der Entstehung von Übergewicht?“ wird vergleichsweise leer ausgehen. Zwar werden die grundlegenden Abläufe des Zuckerstoffwechsels im menschlichen Körper und auch das richtige Lesen von Lebensmitteletiketten erklärt; Empfehlungen zum Zuckerkonsum – und seien sie auch noch so vorsichtig formuliert –habe ich nicht entdeckt. Auch die oft für Verbraucher dargestellten Vergleiche, wie viel Zucker in einer Limonade, Tomatenketchup oder sogar in Leberwurst steckt, findet man hier nicht. In eine Ausstellung, die in ein Museum integriert ist, das besonders bei Familien mit Kindern beliebt ist, hätte das aus meiner Sicht gut gepasst.

Aber, wie gesagt, hier soll es ganz offensichtlich nicht in erster Linie um Zucker in der Ernährung und vor allem auch nicht nur um den Haushaltszucker gehen. Wie der aus Zuckerrohr oder –rüben produziert wurde und heute noch wird, war ein Schwerpunkt des 1904 gegründeten Zucker-Museums in Berlin-Wedding. Es wurde 2012 geschlossen und seine vielen Exponate haben nun eine neue Heimat in dieser Ausstellung gefunden. Wer sich für die (Sozial-)Geschichte des Haushaltszuckers – inklusive ihrer dunklen Kapitel (Stichwort Sklavenhandel) – interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten.

Noch mehr profitiert, wer offen für „die gesamte Welt des Zuckers“ im weitesten Sinne ist. Denn darunter verstehen Chemiker eben nicht nur die süßen Vertreter wie Haushaltszucker (Saccharose) oder Fruchtzucker (Fructose), sondern viele weitere Zuckermoleküle und –verbindungen mit ihren speziellen Eigenschaften und Potenzialen. Das gilt z. B. für die pflanzliche Zellulose als Speicher von Sonnenenergie oder auch für Meeresalgen. Besonders letztere scheinen spannende Möglichkeiten für die Energieversorgung der Zukunft bereitzuhalten, auch ohne dass es zu einer Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion kommen muss. Ähnlich spannend sind Forschungsansätze zur künstlichen Herstellung von komplexen Zuckerketten als Grundlage für neue Medikamente. Dabei reicht die Art der Präsentation insgesamt von einfachen Texten, anschaulichen Bildern und Exponaten über 17 Hörstationen bis hin zu einigen interaktiven Modulen.

Mehr als nur Haushaltszucker Foto: Freitag-Ziegler

Mein Fazit:

  • Wer seinen Horizont erweitern möchte und außerdem naturwissenschaftlich und technisch interessiert ist, nimmt auf jeden Fall Einiges von dieser Ausstellung mit.
  • Besonders auf ihre Kosten kommen Besucher, die sich für die Geschichte der Zuckerproduktion interessieren.
  • Das Thema Zucker in der Ernährung wird nur ansatzweise dargestellt. Vorgebildete Besucher erfahren nichts Neues.

 

Deutsches Technikmuseum, Trebbiner Straße 9, 10963 Berlin-Kreuzberg

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 9.00 – 17.30 Uhr, Samstag/Sonntag und an Feiertagen 10.00 – 18.00 Uhr

Montags geschlossen