Bauernhof in der Bonner City

Bauernhof in der Bonner City

Wer ein wenig Zeit übrig hat, sollte sich irgendwann zwischen heute und Samstag, 8. Oktober 2016, auf den Bonner Münsterplatz begeben. Dort gibt es nämlich erstmals die Möglichkeit, sich mitten in der Innenstadt ein ziemlich gutes Bild über den Bauernhof von heute zu machen. Dazu wurden echte Tiere zum Anschauen (ein Charolai-Rind samt Kälbchen, sechs Ferkel), viel heimisches Obst und Gemüse der Saison (also diverse Kürbisse, Kohlsorten, Äpfel, Kartoffeln etc.), viel Papier zum Mitnehmen und In-Ruhe-zuhause-Lesen und viele Möglichkeiten zum Mitmachen aufgebaut. Veranstaltet wird das Ganze vom Rheinischen Landwirtschaftsverband (RLV). Das ist die Berufsvertretung der rheinischen Bauern. Auf der RLV-website kann man genau nachlesen, welche Aussteller sich auf dem Münsterplatz präsentieren.

„Viele Kinder haben noch nie ein echtes Schwein gesehen“

Heute morgen war der Stadt-Bauernhof fest in Kinderhand: Alle Kindergärten und Grundschulen waren im Vorfeld eingeladen worden.

Hier leben die Schweine bis sie mit etwa 10 Monaten geschlachtet werden
So leben Schweine bis sie mit etwa 10 Monaten geschlachtet werden

Ich habe mich mit verschiedenen Ausstellern unterhalten und alle betonten, dass viele Kinder noch nie ein Schwein „in echt“ gesehen haben. Auf dem Münsterplatz können sie im Moment nicht nur echte Schweine sehen, sondern sogar anfassen. Und zwar in einer original „Bucht“, also quasi einem Teilelement eines großen Schweinestalls, so wie er heute in der konventionellen Schweinemast üblich ist. Hier wird ganz offen gezeigt, wie Schweine leben, bevor sie als Wurst oder Schnitzel auf unserem Teller landen.

Charolais-Rind mit seinem Kälbchen
Charolais-Rinder sind im Sommer auf der Weide

Und auch so ein Kälbchen ist zwar total süß, wenn es klein ist. Süßsein ist aber nicht seine eigentliche Bestimmung. Es soll so groß wie seine Mama und dann gegessen werden. Wer darüber ins Grübeln kommt, könnte zum Beispiel einfach weniger Fleisch und dafür mehr Gemüse essen. Oder Äpfel oder Getreide… auch davon gibt es auf dem Münsterplatz gerade reichlich zu sehen.

 

 

Rotkohl? Kenn‘ ich nicht!

Genauso wenig Ahnung haben viele Kinder aber leider von Gemüse. Tomaten, Gurken, Paprika, Karotten, eventuell noch Kohlrabi – das kennen sie vom Rohkostteller. Auch Kürbisse vielleicht noch wegen Halloween. Aber Rotkohl oder Weißkohl, Sellerie, Mangold…? Fehlanzeige. Ich finde das total traurig. Ob so ein Erlebnisbauernhof in der Innenstadt da viel bewegen kann? Vermutlich kaum oder jeder Schritt zählt – ganz wie man’s nimmt. Und das gilt bestimmt nicht nur für den Nachwuchs, sondern auch für manche Erwachsenen…

Saisonales Gemüse aus der Region
Saisonales Gemüse aus der Region

Kartoffel- und Rapsölzelt

Mir hat übrigens besonders gut das Kartoffelzelt gefallen. Auf den ersten Blick vielleicht nicht so spannend wie das bunte Obst und Gemüse, Bienenweiden im Oktober oder das etwas aufgeregte Rindvieh. Aber so viele Sorten, so viele Möglichkeiten, daraus was Leckeres zu kochen.

Im Rapsölzelt habe ich mir schließlich genau erklären lassen, wie kaltgepresstes Rapsöl hergestellt wird. Dazu gibt es dort eine Demo-Mühle: In die wird oben der Raps eingefüllt, unten kommt tropfenweise das Öl heraus (darf man mal mit dem Finger probieren), außerdem der Pressrückstand, der als Tierfutter dient.

Mühle für kaltgepresstes Rapsöl
Mühle für kaltgepresstes Rapsöl

Weil ich mich hier – und bei den Schweinen und dem Rind mit seinem Kalb – so lange aufgehalten habe, fehlte mir ein wenig Zeit für die anderen Stände. Aber genau das kann ich allen Besuchern nur empfehlen: Nehmt euch Zeit und schaut nicht nur, sondern fragt nach, was ihr schon immer mal wissen wolltet. Die Gelegenheit hat man nicht so oft. Und ich hatte wirklich den Eindruck, dass alle Leute vor Ort ehrlich und umfassend geantwortet haben, auch wenn es natürlich mit darum geht, das Image der konventionellen Landwirtschaft aufzupolieren.

Was ich ansonsten noch mitgenommen habe: Demnächst  mal auf einer Radtour durchs Bonner Umland dem ein oder anderen Bauernhof mit Hofladen einen Besuch abstatten. Davon gibt es bei uns ja diverse, auch als Biobetriebe.