(Keine) Zeit zum Kochen?!

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Schnelle Gemüsesuppe

Gemüsesuppe vor dem Pürieren

Bis in die wichtigsten Nachrichtensendungen und auf die Titelseiten der Tageszeitungen schafften es gestern und heute die Ergebnisse von Minister Schmidts jüngstem Ernährungsreport 2017 „Deutschland, wie es isst“. Bereits im ersten Kapitel sträuben sich mir die Nackenhaare. Denn dort werden Zahlen präsentiert, nach denen „gut schmecken“ und „gesund sein“ den Leuten am wichtigsten ist. Gleichzeitig greifen immer mehr Menschen zu Fertiggerichten. Klar können die – theoretisch – auch gesund sein, sind die meisten aber in der Praxis nicht: zu fett, zu süß, zu salzig. Deswegen treffen sie offensichtlich auch den Geschmack vieler Leute, die sich nämlich genau daran gewöhnt haben. Anders lässt sich für mich nicht erklären, wie das alles zusammen passt.

Außerdem verstehe ich nicht, wie das Berichten, Fotografieren und Reden über’s Essen und Kochen so im Trend liegen kann und das Selberkochen dann doch immer weniger. Die Antwort darauf lautet oft, die Menschen hätten keine Zeit zum Kochen bzw. würden sich keine Zeit mehr dafür nehmen. Das frustriert mich extrem und eigentlich möchte ich in so einer Welt nicht leben. Denn das zeigt, wie sehr dem „Durchschnittsdeutschen“ das Können abhanden gekommen ist, aus wenigen frischen Zutaten ein schnelles, leckeres und gesundes Essen zu zaubern. Und es ist ein Zeichen dafür, wie sich die Prioritäten verschoben haben. Denn ich glaube nicht, dass wir heute grundsätzlich unter so großem Zeitmangel leiden. Diese so kostbare Zeit wird einfach für andere Dinge (z. B. mit dem Smartphone daddeln … ) verbraucht.

20 Minuten für eine frisch gekochte Gemüsesuppe

Schnelle Gemüsesuppe

Gemüsesuppe nach dem Pürieren

Ein schnelles Essen kann z. B. eine Gemüsesuppe sein, für die man in 5 Minuten eine bunte Mischung an Gemüse der Saison putzt und in grobe Stücke schneidet. Mit Wasser und etwas Gemüsebrühe 15 Minuten köcheln lassen, einen Schuss Sahne, frische Kräuter dazu, pürieren, fertig! Das ist gerade jetzt im Winter ein wirklicher Genuss oder meinetwegen auch Seelenfutter. Viel schneller ist eine Tiefkühlpizza auch nicht auf dem Tisch. Auch viele andere Gerichte dauern nicht lange, wenn man ein wenig Routine hat. Aber genau hier liegt wohl das Haar in der Suppe. Diese Routine haben viele Menschen heute leider nicht mehr oder bekommen nicht die Chance, sie zu entwickeln. Umso besser, dass Kinder und Jugendliche grundsätzlich – laut Ernährungsreport jedenfalls – Lust zum Kochen haben. Wenn sie das nicht zuhause in die Tat umsetzen, warum dann nicht in der Schule? Daher finde ich die Idee, Kochen auf den Unterrichtsplan zu setzen, grundsätzlich gut. Ich bin gespannt, ob da irgendwann was draus wird.

 

 

5 Kommentare

  1. Ida sagt:

    Danke für den Beitrag! Ich kaufe immer die Tiefkühlware oder viel in Restaurants unterwegs und fühle mich danach zwar gesättigt aber auch nicht besonders frisch und gesund. Da ich aber erst seit kurzem im Berufsleben stehe und viel unterwegs bin und lange Wege habe, fällt mir eine ausgewogene Ernährung momentan sehr schwer. Gemüsesuppe war nicht wirklich auf meinem Schirm der Möglichkeiten, danke für die kleine Auffrischung! Das wird jetzt öfter mal vorgekocht.

    1. Gabriela Freitag-Ziegler sagt:

      Liebe Ida, dann viel Erfolg beim Suppekochen und guten Appetit. Im Sommer kannst du dir auch gut einen Salat zum Sattessen vorbereiten und in einer Box mitnehmen.

  2. Sabine sagt:

    Danke für den Hinweis auf den Ernährungsreport! Den werd ich mir doch gleich mal zum Lesen abspeichern. Kochen – oder noch besser: Ernährung – als Schulfach fände ich auch richtig gut. Und dass mit etwas Routine frisch Gekochtes ziemlich fix auf dem Tisch stehen kann, sehe ich genauso.

    Aber an einem Punkt bin ich anderer Meinung als Du: Ich glaube nämlich, dass wir alle uns keinen Gefallen tun, wenn wir Selbstgekochtes immer an der Tiefkühlpizza messen. Denn erstens braucht die zur Zubereitung genau zwei Handgriffe (auspacken, in den Ofen schieben), und den Rest der 20 Minuten kann man nach Herzenslust auf dem Smartphone daddeln, wenn man das denn möchte. Die Gemüsesuppe braucht zwar genauso lange, bis sie auf dem Tisch steht, aber der Aufwand fürs Gemüseputzen und -schälen ist eben doch ungleich höher. Zumal man das Gemüse erst mal im Haus haben muss, woran es bei vielen schon scheitert.

    Und dann hat die Pizza natürlich etwas enorm Befriedigendes (also, für mich jetzt nicht die Tiefkühlpizza, aber so als Prinzip): Kohlenhydrate aus weißem Teig, Fett aus (Analog-)Käse, industriell möglichst massengeschmackskompatibel optimierte Würze. Wenn man die Gemüsesuppe ähnlich befriedigend gestalten will, muss man schon ordentlich Sahne reinkippen UND noch etwas vom Würzen verstehen. Denn wir wissen beide, dass pure Gemüsesuppe auch ziemlich lasch sein kann (was ich mit einem großen Seufzen schreibe – bei mir ist gerade Magenschonkost angesagt).

    Insgesamt: Ich fürchte einfach, wenn man die beiden Gerichte nebeneinanderstellt, dann tut man dem Team „Frisch kochen“ im Grunde keinen Gefallen.

    Trotzdem ist es natürlich gut, immer und immer wieder die einfachen, schnellen (Selbst-)Kochrezepte zu propagieren. Denn von dem Jieper auf immer mehr von den würzig-zuckrig-fettigen Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie, den eben diese Industrie bewusst erzeugt, kommen wir nur weg, wenn wir möglichst wenig davon essen. Aber wir sollten ehrlich sein und sagen: Ja, es kostet mehr Zeit. Ja, es ist mehr Aufwand. Dafür kann es noch viel befriedigender sein als Tiefkühlpizza. Aber auf ganz andere Weise.

    1. Gabriela Freitag-Ziegler sagt:

      Liebe Sabine,
      ich gebe dir recht. Wenn man es so verkürzt darstellt, ensteht ein etwas schiefes Bild. Und auch das mit dem Einkaufen bzw. Gemüse oder andere Zutaten im Haus haben, ist eben so eine Sache. Aber auch das ist etwas, das man lernen und perfektionieren kann, im Sinne von „gut geplant ist halb gekocht“… Danke für deine Ergänzungen und liebe Grüße von Gabi

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