Kostenloses Trinkwasser in der Stadt

Kostenloses Trinkwasser in der Stadt

Der deutsche Schaukelsommer beschert uns mal wieder ein paar warme Tage. Ein guter Anlass für mich, über Trinkwasserbrunnen in der Stadt zu schreiben. Die kamen uns nämlich auf unserer USA-Rundreise oft wie gerufen. Beispiel New York City, Mitte Juli, 35 °C im Schatten: Ständig sind die Wasserflaschen leer, hat einer von uns vieren Durst und müssen wir Nachschub kaufen. Doch zum Glück gibt es dort überall in Parks, auf öffentlichen Plätzen und in den unzähligen Museen frei zugängliche Brunnen und Spender für Trinkwasser. Daraus löschen die New Yorker direkt vor Ort ihren Durst oder füllen ihre mitgebrachten Flaschen auf. Einziger Nachteil aus unserer Sicht: Das Wasser enthält vergleichsweise viel Chlor und das schmeckt man auch. Denn in den USA ist eine Desinfektion mit Chlor üblich und die Grenzwerte liegen deutlich höher als bei uns. Mehr noch: Was wir als geschmacklichen Makel empfinden, signalisiert den Amerikanern hygienisch einwandfreies Wasser.

Trinkwasserbrunnen von „Join the Pipe“ auf dem Bonner Marktplatz

Trinkwasserbrunnen auf dem Bonner Marktplatz von "Join the Pipe"
Trinkwasserbrunnen auf dem Bonner Marktplatz von „Join the Pipe“

Trotzdem fanden wir diese „Trinkbrunnenkultur“ – die man ja auch aus Europas Süden kennt – super.  Zumal wir so viele Dollar für abgepacktes Wasser gespart haben. Wieder zuhause habe ich mich gefragt, warum Trinkwasserbrunnen bei uns so selten sind. Und bald habe ich festgestellt, wie schwierig diese Frage zu beantworten ist. Das hat viel mit Hygienefragen zu tun, mit den Zuständigkeiten von Wasserbetrieben und Städten, die in jeder Kommune anders geregelt sind, mit der sozialen Verantwortung und natürlich auch mit Geld.

Viele Städte tun sich mit dem Thema also schwer. Zu groß ist vor allem die Angst, dass das Wasser aus öffentlichen Brunnen den strengen Hygienevorschriften unserer Trinkwasserverordnung nicht entsprechen könnte. Zum Beispiel, wenn es länger in der Leitung gestanden hat (sogenanntes Stagnationswasser). Oder, weil jemand den Brunnen mutwillig verschmutzt. Es muss also regelmäßig jemand nachschauen, ob alles in Ordnung ist. Das kostet Zeit und Geld.

Dieser jemand sind seit 2016 die Händler auf dem Bonner Wochenmarkt. Gemeinsam mit der Marktgilde haben sie einen Trinkbrunnen auf dem Bonner Marktplatz aufgestellt – Kostenpunkt 5.500 Euro. Er löscht gleichzeitig den Durst von Bonnern und Touristen und dient einem guten Zweck. Denn der Brunnen wurde in Kooperation mit Join the Pipe errichtet. Diese gemeinnützige Organisation finanziert mit dem Verkauf ihrer Wasserzapfsäulen und nachfüllbaren Flaschen Trinkwasserprojekte in Entwicklungsländern. Außerdem seien ihre Säulen gegen Vandalismus geschützt und wartungsarm. Das Problem mit dem Stagnationswasser verhindert eine automatische Spülung alle vier Stunden. Die Technik macht es also möglich, vorausgesetzt es findet sich jemand, der dafür bezahlt.

Trinkwasserbrunnen online oder mit der App finden

In manchen anderen Städten gibt es deutlich mehr Trinkwasserbrunnen. Zum Beispiel 40 in Berlin; jedes Jahr sollen vier neue dazukommen. Betreiber sind die Berliner Wasserbetriebe, die Kosten und Wartung übernehmen. Oder Nürnberg. Dort wurde zur Gestaltung von zwölf neuen Brunnen eigens ein Künstler ins Boot geholt. Wer wissen möchte, wo in Deutschland welche Art von Trinkwasserbrunnen stehen und wer jeweils dafür verantwortlich ist, kann unter Trinkwasser unterwegs auf einer interaktiven Karte nachschauen. Außerdem gibt es eine zugehörige App, die konkret beim Suchen hilft. Leider sind nicht alle Brunnen eingetragen, auch nicht die beiden Bonner Brunnen, die ich kenne.

Refill Deutschland – Trinkwasser abfüllen und Müll sparen

Aufkleber Refill-Station
Der Refill-Aufkleber signalisiert: Hier darf man kostenlos Trinkwasser abfüllen.

Gerade kommt in Deutschland eine weitere Idee zum kostenlosen Trinkwasserzapfen und Sparen von Plastikmüll in Gang. Sie nennt sich Refill Deutschland und ruft Geschäftsleute dazu auf, ihren Kunden Trinkwasser in mitgebrachte Flaschen abzufüllen. Theoretisch geht das natürlich auch ohne Kampagne, aber viele Menschen trauen sich nicht, einfach so nachzufragen. Das soll durch die blauen Refill-Aufkleber einfacher werden. Mittlerweile sind 33 Städte dabei – auch Bonn. Ich habe bereits gestern den Praxistest in der Innenstadt gemacht, wo bisher ein Ladenlokal mitmacht. Die warten jetzt nur noch auf den Aufkleber. Auf der Beueler Seite ist das BonnLAB dabei. Auch bei Refill gibt es eine Karte im Netz, die zeigt, wo es „Refill-Stationen“ gibt. Wer sich engagieren möchte, kann selber mit Aufklebern losziehen und Geschäftsleute für die Idee begeistern.

Trinkwasser im Restaurant?

Auch hier zeigen uns Länder wie die USA wie es sein könnte: Kaum hat man sich gesetzt, landet ein Glas oder eine Karaffe mit frischem Trinkwasser auf dem Tisch. Oft mit reichlich Eiswürfeln und Zitrone. Darüber haben wir uns immer sehr gefreut und dann meist trotzdem noch Getränke von der Karte bestellt. Weil wir das von Deutschland so kennen und es uns sonst geizig vorgekommen wäre. Ich habe bei den Einheimischen nachgefragt: Die sehen das anders und belassen es oft sogar bei dem Gratiswasser aus der Leitung. In Deutschland habe ich mich bisher nur getraut, zum Kaffee ein Glas Leitungswasser dazuzubestellen, so wie ich es auch aus Frankreich kenne. Die Reaktionen darauf waren unterschiedlich. Ein spannendes Thema jedenfalls, vielleicht für einen weiteren Blogpost. Wer nicht so lange warten will, kann beim Forum Trinkwasser vorbeischauen. Die haben vor ein paar Jahren eine Umfrage dazu gemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trinkwasser im Restaurant