Schafft den Karneval ab und esst Obst statt Kamelle…

Obst und Gemüse Pro Kopf-Verbrauch im Vergleich zu Süßigkeiten Pro-Kopf-Verbrauch
Aber bitte nicht werfen!  Foto: 5 am Tag e. V. www.5amtag.de

Die Deutschen sind Obst- und Gemüsemuffel! Sie feiern aber auch gerne Karneval. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang?

Die erste Erkenntnis ist seit Tagen überall zu lesen, denn gerade findet in Berlin die Obst- und Gemüsemesse Fruit Logistica statt. Es gibt also mal wieder neue – leider ernüchternde – Zahlen. Die demonstrieren, dass selbst billige Äpfel die Deutschen nicht zum Obstessen animieren können: Insgesamt 42 kg frisches Obst kaufte jeder von uns 2014 statistisch gesehen. Das sind pro Tag 115 g oder etwa eine Portion und damit halb so viel wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. In diesen 42 kg sind allerdings keine Säfte enthalten und auch nicht die Äpfel, Bananen oder fruchtigen Desserts, die wir in Restaurants oder Kantinen verspeisen. Trotzdem: Da klafft eine ziemlich große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Noch düsterer sieht es beim frischen Gemüse aus: Rund 35 kg trägt jeder Durchschnitts-Deutsche pro Jahr nach Hause. Das sind weniger als 100 g pro Tag, also nicht einmal eine der drei empfohlenen Gemüse-/Salat-Portionen. Doch auch hier muss man noch das oben drauf rechnen, was außer Haus oder z. B. in Form von Dosen- oder Tiefkühlgemüse gegessen wird. Und da immer mehr Kindergarten- oder Schulkinder und auch viele Erwachsene in Mensen und Kantinen essen, kommt da vermutlich noch so Einiges zusammen. Zieht man aber andererseits das ab, was im Müll landet, schlägt das Pendel vermutlich wieder nach unten aus.

Warum die Deutschen Gemüse nicht so toll finden, wie sie sollten, und noch nicht einmal Lust auf viel leckeres süßes Obst haben, liegt nach Meinung der Experten auf der Hand: Es ist nicht se:xy, es gibt keine bekannten Marken und natürlich auch zu wenig Geld für knackige Werbekampagnen.

Der Bauch ist schon mit Schokolade voll

Das gibt es dagegen für Schokolade und anderen Süßkram: Davon verspeiste jeder von uns nämlich im letzten Jahr im Schnitt 26 kg (davon allein 10 kg Schokolade), pro Tag also 70 g. Diese Zahlen wurden gerade anlässlich einer anderen Messe – der Internationalen Süßwarenmesse in Köln – veröffentlicht. Die gibt sich in diesen Tagen quasi mit der Obstmesse die Klinke in die Hand. Interessant ist auch ein Preisvergleich: Rund 100 Euro machten wir für Süßigkeiten locker, nur 77 Euro für Obst.

Am Preis liegt es also nicht. Vielleicht eher daran, dass für Obst einfach kein Platz mehr ist, wenn der Bauch schon mit Schokoriegeln, Bonbons, Keksen und Eis gefüllt bzw. der süße Zieps gestillt ist. Man müsste das Pferd also von hinten aufzäumen und an den Süßigkeiten sparen. Klingt hoffnungslos. Denn schon seit Jahren predigen Ernährungswissenschaftler quasi ungehört, wie ungesund zu viel Zucker ist. Theoretisch wäre aber Potenzial zum Einsparen da. Das zeigen die Vergleiche mit anderen EU-Ländern und sogar der Blick über den großen Teich: Wir Deutsche essen zum Beispiel etwa doppelt so viel Schokolade wie ein Durchschnitts-Europäer und sogar ein US-Bürger.

Süßkram-Fasten und Obst-Schlemmen

Gerade kommt mir aber die perfekte Lösung des Problems in den Sinn und damit der Bogen zum Karneval. Wir schaffen den einfach ab. Allein auf dem Kölner Rosenmontagszug wurden im letzten Jahr 700.000 Schokoladentafeln, 200.000 Pralinenschachteln, insgesamt 300 t (= 300.000.000 g) Süßigkeiten geworfen. Oder man schafft nicht gleich den kompletten Karneval ab, wohl aber das Kamelle-Werfen. Genauso hoffnungslos? Dann bleibt nur noch diese letzte Idee: In der Fastenzeit nach Karneval wirklich mal wieder auf Süßigkeiten verzichten (die schmecken dann an Ostern besonders lecker), statt sich gegenseitig mit anderen kreativen Fastenideen zu überbieten. Und weil Verzicht so gar nicht se:xy ist, gibt es zum Ausgleich Obst-Salat und Gemüse-Sticks satt. Anregungen dazu finden sich auf der neuen website von 5 am Tag.