Tatort Fleischfabrik – Charlotte Lindholm bringt uns zum Nachdenken

Zusammen mit über 10 Millionen Deutschen haben wir gestern Abend beim Tatort mitgefiebert und –gelitten. Denn die Themen Massentierhaltung und Fleisch oder nicht Fleisch essen sind bei uns in der Familie schon lange wichtige Themen. Der Tatort gestern hat uns daher keinen spannend-entspannten Wochenendausklang beschert, sondern tief betroffen ins Bett geschickt. Vor allem die Kinder, die mitschauen durften und die fehlende Gerechtigkeit am Ende ratlos und wütend zurück ließ.

Für uns haben wir aus diesem Film daher wieder einmal die Konsequenz gezogen: Da machen wir nicht mit. Auch wenn dadurch seltener Fleisch und Wurst auf den Teller kommen und die Portionen kleiner ausfallen. So können wir uns aber das Fleisch vom Bio-Metzger leisten. Beim Einkaufen bescheren mir die Preise dort zwar manchmal eine leichte Atemnot, dafür quält uns dann zuhause kein schlechtes Gewissen. So wie beim Zitronen-Hähnchen gestern Mittag, das hoffentlich ein artgerechtes Leben hatte, bevor ich es für 20 Euro (!) erstand.

Es gibt so viele Initiativen und Kampagnen, die die Menschen zu einem bewussteren Fleischkonsum oder gar Verzicht anregen wollen. Aber die erreichen wohl selten an einem Abend so viele Menschen. Daher danke ich den Tatort-Machern für diesen Film. Und ich wünsche mir, wie Maria Furtwängler im Interview sagte, dass er tatsächlich dazu beiträgt, die Diskussion am Laufen zu halten:

Morgens Schinken, mittags ein Hamburger, abends mein Schnitzel: Fast jede Familie isst jeden Tag Fleisch. Ist das richtig? Ist das gesund? Wenn die Zuschauer anschließend auch darüber sprechen und sich fragen, ob das alles so seine Richtigkeit hat, wäre das schön.

Ich finde, das wäre nicht nur schön, sondern notwendig. Als Anregung zum Nach- oder Umdenken hier noch ein paar Zahlen aus einer Veröffentlichung in der Ernährungs-Umschau (1) vom Oktober:

  • Deutschland ist nach China und den USA mit einer Menge von 5,5 Mio t der größte Produzent von Schweinefleisch
  • 33 % aller Schweine werden in Betrieben mit 1000 bis unter 2000 Tieren gehalten, 17 % in Betrieben mit 2000 bis unter 5000 Tieren und 13 % in Betrieben mit mehr als 5.000 Tieren
  • nur etwa 0,6 % aller Schweine werden nach ökologischen Richtlinien gehalten

 

(1) Keller, Markus et al.: Instrumente für eine nachhaltige Fleischproduktion in Deutschland am Beispiel Schweinefleisch, Ernährungs-Umschau 10/2014