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Dr. Alexa Iwan im Interview: Ernährungswissenschaftlerin als Micro-Influencer

Bloggende ErnährungsexpertInnen im Interview: Meine dritte Gesprächspartnerin ist die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Alexa Iwan. Wie so viele Menschen „kenne“ ich Alexa schon lange, denn sie ist seit ihren Fernsehsendungen „Alexa – Ich kämpfe gegen Ihre Kilos“ und „Liebling, wir bringen die Kinder um!“ bundesweit bekannt. So steht es sogar in einem eigenen Wikipedia-Eintrag.

Alexa ist aber nicht nur im Fernsehen aktiv, sondern gestandene Fachjournalistin, Moderatorin oder Rednerin auf Fachtagungen. Und sie gibt Workshops für Verbraucher, manchmal auch auf einem Kreuzfahrtschiff 😉

Das Ganze begleitet sie seit ein paar Jahren mit einem gut gefüllten Blog und einer erfolgreichen Präsenz auf diversen Social-Media-Kanälen. Das hat ihr soeben in einem Artikel von Nutrition Hub in der Ernährungs Umschau den Titel „Micro-Influencer“ eingebracht und gibt mir die perfekte Vorlage für dieses Interview:

Liebe Alexa, du hast zurzeit über 13.000 Abonnenten auf Facebook und fast 2.400 auf Instagram. Über welchen Zeitraum haben sich diese Zahlen entwickelt und was schätzt du, welche deiner Aktivitäten dazu in welchem Umfang beigetragen haben?

Angefangen habe ich mit Facebook im Jahr 2011 mit dem Account „Ernährungsexpertin Dr. Alexa Iwan“. Das war zu der Zeit, als ich mit einer großen TV-Produktion („Alexa – ich kämpfe gegen Ihre Kilos“, RTL) regelmäßig „on air“ war. Diese Präsenz im Fernsehen hilft natürlich ungemein beim Aufbau einer Community im Internet. Mit jeder Sendung kamen 800 bis 1000 Follower hinzu. Diese Zahl hat sich bis heute stabil gehalten. Darauf bin ich ein bisschen stolz, denn es hätte ja auch sein können, dass die Leute mit dem Ende der Sendung alle wieder verschwinden. Aber offenbar sind sie wirklich an meinen Inhalten interessiert, denn sie bleiben. Messbare Zuwächse verzeichne ich immer dann, wenn ich im Fernsehen auftrete, in großen Facebook-Abnehmgruppen aktiv bin oder irgendwo ein Artikel über mich erscheint.

Seit 2014 mische ich auch bei Instagram (@dr.alexaiwan) mit. Interessanterweise kommen aber nur wenige Menschen von Facebook mit rüber zu Instagram – obwohl ich dort ganz andere Inhalte poste. Die Nutzer der beiden Kanäle scheinen aus völlig unterschiedlichen Gesellschafts- und Altersgruppen zu kommen. Ich empfinde Instagram als viel jünger, offener, toleranter – aber damit einhergehend auch als etwas oberflächlicher und naiver. Kritik lese ich hauptsächlich in den Facebook-Kommentaren, auf Instagram wird eigentlich nur gelikt und geherzt. Was ich persönlich allerdings als ganz erfrischend empfinde, denn natürlich machen positive Reaktionen im ersten Moment Freude. Und man muss auch nicht immer an allem ein Haar in der Suppe suchen, wie es manche User auf Facebook tun. Denn am Ende ist es „nur“ Social Media und keine OP am offenen Herzen.

Nun haben die Kolleginnen vom Nutrition Hub die Vision, es müssten mehr ErnährungsexpertInnen so wie du zum Micro-Influencer werden. In ihrem Artikel klingt das ganz leicht: „Die Zeiten waren nie besser, mit so wenig finanziellem Einsatz VerbraucherInnen mit Fachwissen zu inspirieren.“ Siehst du das genauso?

Vom Ansatz her stimmt das, denn es ist ja zunächst einmal recht einfach, eine Social-Media-Präsenz zu eröffnen bzw. sich einen entsprechenden Account zuzulegen. Aber dann geht die Arbeit los, denn von nix kommt nix. Vor allem keine Follower. Und Social Media macht ja nur Spaß und bringt etwas, wenn man eine gewisse Anzahl an Menschen erreicht. Die Erstellung von Blogbeiträgen, Posts und Veröffentlichungen macht Arbeit und kostet eine Menge Zeit. Und wenn dann jeweils nur 5 Leute „Gefällt mir“ drücken, dann empfinde ich das eher als frustrierend denn als inspirierend.

Man sollte sich also vorher gut überlegen, wofür man so einen Kanal haben möchte. Wenn es einfach nur Spaß an Social Media, Kontakt mit Freunden, Teilen von Urlaubsbildern und „Dabeisein“ ist, dann: go for it. Wenn es aber eine gezielte Präsenz zur Steigerung der eigenen Sichtbarkeit und zur Verbreitung von Ernährungsinformationen o.ä. ist, dann reicht das Posten des eigenen Essens und das Kopieren lustiger Videolinks leider schon lange nicht mehr aus, um erfolgreich zu sein. Man muss sehr viel eigene Inhalte produzieren und die eigene Persönlichkeit sichtbar machen.

Besonders auf Instagram sind „Informationen“ nicht das, was Nutzer suchen und gut finden. Hier geht es mehr um Lebenseinstellungen, Lebensgefühl, Erfahrungsaustausch, Miteinander. Zumindest empfinde ich das so. Reine Infoposts laufen nur, wenn das dazugehörige Foto mega ist. Die Leute suchen eher Persönlichkeiten, die auf ihrer Wellenlänge sind und mit denen sie sich vergleichen und austauschen können. Da darf dann ruhig auch mal eine Info in den Text mit rein, aber das steht nicht im Vordergrund.

Insofern muss man sich als Ernährungsfachkraft überlegen, ob man das Spiel mitspielen möchte, denn das Ganze kann schon recht persönlich werden und ist eben zeitintensiv. Und hier kommt der Punkt, ob man sich als Fachkraft dann fragen muss: Lohnt sich der Aufwand? Was habe ICH davon? Denn davon, dass ein paar Leute virtuell Beifall klatschen, rollt ja noch kein Rubel 😉

Seit 2016 richtest du dich mit deinem eigenen Blog und einer bunten Mischung aus gesunden Rezepten und Ernährungstipps an Verbraucher. Welche Beiträge kommen am besten an?

Da musste ich jetzt erstmal selber nachschauen… 😉 Der mit Abstand am häufigsten angeklickte Beitrag ist mein „Eiweißreicher Sportlerkuchen“, gefolgt von dem  „Ballaststoffreichen Gemüse-Schmortopf mit roten Linsen“. Ich denke, beide Posts enthalten aktuelle Keywords und Tags (eiweißreich, low carb, ohne Mehl, Sport, Linsen, vegan u.ä.), die den Zeitgeist treffen und nach denen im Netz derzeit viel gesucht wird. Vielleicht liegt‘s aber auch daran, dass beide Rezepte voll lecker sind und sich das rumgesprochen hat (lacht).

Auf dem dritten Platz liegt mein Rezept-Wochenplan zur Ernährungsumstellung, den ich im Rahmen der RTL-Aktion „Fit bis Ostern“ Anfang letzten Jahres erstellt habe. Aber eigentlich (hier kommt jetzt die Wissenschaftlerin in mir durch…) lassen sich die Gesamtklickzahlen natürlich nicht wirklich vergleichen, denn der Sportlerkuchen hat zwar dreimal so hohe Klickzahlen wie der Wochenplan, steht aber ja auch schon seit November 2016 online und der Wochenplan erst seit Februar 2018.

Die sozialen Medien funktionieren alle nach bestimmten Regeln. Auf Instagram gehen alle sehr freundlich miteinander um. Vieles erscheint mir aber doch sehr oberflächlich. Wie schaffst du den Spagat zwischen dieser Herzchen-Kultur und dem Rüberbringen der Botschaften, die dir wichtig sind?

Ich bin da sehr entspannt. Ich muss niemanden überzeugen und schon gar nicht missionieren. Das habe ich mir im Umgang mit dem Thema Ernährung schon vor Jahren abgewöhnt. Wer etwas wissen will, kann mich gerne fragen. Wem es gefällt, wie ich mit Lebensmitteln und dem Thema Essen/Ernährung umgehe, kann mir gerne folgen. Alle anderen können sich auch gerne woanders tummeln. Ich glaube grundsätzlich nicht, dass es beim Thema Ernährung den EINEN richtigen Weg gibt. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Und insofern passt meine Philosophie bzw. Herangehensweise zu manchen Leuten und zu anderen passt sie eben nicht.

Natürlich poste ich auch die eine oder andere konkrete Botschaft, baue die eine oder andere neue wissenschaftliche Erkenntnis in meine Beiträge ein – aber ich versuche das Ganze immer leicht daherkommen zu lassen. Und das fällt mir auch nicht schwer, denn ich habe jahrelang für einen Sender gearbeitet, wo das Verpacken von Information in unterhaltsame, konsumierbare Beiträge selbstverständlich ist.

Du bist nicht nur sehr gut mit ErnährungsexpertInnen vernetzt, sondern auch mit FoodbloggerInnen, die nicht unbedingt vom Fach sind. Inwiefern befruchten dich beide Gruppen bei deinen Social-Media-Aktivitäten?

Ja, das stimmt: ich treibe mich aktiv in der Bloggerszene herum (da geht es übrigens nicht nur um Foodblogs!). Für mich ist das total wichtig, denn wenn ich etwas mache, dann möchte ich es gut machen. Wenn du einen Blog betreibst und ernsthaft beruflich in den Sozialen Medien unterwegs bist, dann musst du wissen, wie das Spiel funktioniert und was rechtlich erlaubt ist. SEO, DSGVO, do-follow-Links, Captcha, SSL-Zertifikate, Plugin-Auswahl, Erfassung von Mediadaten, Pinnen, Taggen und vieles, vieles mehr sind Themen auf Bloggerkonferenzen. Das Meiste, was ich heute über mein Tun im Internet weiß, habe ich von anderen BloggerInnen gelernt. Das ist eine hochprofessionelle Szene, die untereinander sehr gemeinnützig agiert. Nach dem Motto „sharing is caring“. Das gefällt mir.

Mein Netzwerk an ErnährungskollegInnen spielt für meine Social Media-Aktivitäten dagegen keine so große Rolle. Da geht es eher um den fachlichen Austausch. Ich beobachte zwar regelmäßig, was andere ÖkotrophologInnen im Internet tun, lasse mich aber wenig davon beeinflussen. Das soll jetzt bitte nicht überheblich klingen, aber ich habe meinen eigenen Stil ja längst gefunden. Was ich allerdings sehr schön finde, ist die zunehmende Vernetzung der Ernährungsfachkräfte im Internet. Es werden Beiträge der anderen gelikt und geteilt, auch wenn man selbst zum gleichen Thema schreiben könnte. Das war bis vor kurzem noch nicht so.

Endlich wird der Netzwerkgedanke konkreter gelebt, es kocht nicht mehr Jede/r nur in ihrem/seinem eigenen Brei herum und die Erkenntnis, dass genug Licht für alle da ist, scheint angekommen zu sein. Genau so funktioniert Social Media und so wachsen Communities aus Menschen, die sich wirklich für das Thema – in unserem Fall Ernährung – interessieren.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Ich habe viel Spaß auf Social Media, fühle mich aber oft ein wenig unter Druck und sehne mich manchmal nach einer einsamen Insel ohne Internet. Bist du hin und wieder auch genervt, ständig etwas Neues posten und all die Kommentare beantworten zu müssen? Oder stellt sich diese Frage für dich gar nicht mehr?

Ja, diesen Druck kenne ich auch. Aber ich versuche mich zunehmend frei davon zu machen. Ich poste, wenn ich etwas zu sagen habe und wenn ich nichts zu sagen habe, dann halte ich social-media-mäßig auch mal ein paar Tage die Klappe. Meine Follower können das offenbar aushalten, denn sie rennen nicht scharenweise weg, wenn meine Accounts nicht dauerbespielt werden. Mir selbst geht es umgekehrt als Follower doch auch so: Mich nerven Leute total, die siebenmal am Tag irgendwelche Banalitäten posten. Da bin ich dann ganz schnell raus.

Ich bin ja in der glücklichen Lage, dass es zu meiner Person und meiner öffentlichen Wirkung eine echte (im Rahmen der Alexa-Sendung von RTL beauftragte) Medienforschung gibt. Und die Ergebnisse haben mir eine hohe Glaubwürdigkeit und Authentizität bescheinigt. Beides würde ich gerne behalten 😉 Und dazu würde es natürlich nicht so richtig gut passen, wenn ich mehrfach am Tag irgendwelches Zeug in die Welt blasen würde, nur um online ständig sichtbar zu sein.

Das Ganze ist aber irgendwie auch Tagesform. Manchmal fällt mir viel ein und ich poste häufiger. Und dann gibt es wieder Zeiten, wo ich so viel anderes zu tun habe, dass Instagram & Co einfach keinen Platz in meinem Tagesablauf haben. C’est la vie…

Dr. Alexa Iwan

 

Dr. Alexa Iwan ist promovierte Ernährungswissenschaftlerin. Sie arbeitet als Fachjournalistin, TV-Moderatorin und hält Vorträge zu Ernährung und Lebensmitteln. Auf ihrem good food-Blog schreibt sie über ihre persönlichen Ansichten zum Thema gesunde Ernährung, gibt Anregungen und postet eigene Rezepte.