Top und Flop: Zwiebelgrün contra Weizengras

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Frisches Zwiebelgrün von der Fensterbank

Der März ist in Sachen regionales Gemüse ein schwieriger Monat. Zum Überbrücken bietet es sich an, selber frisches Grün auf der Fensterbank anzubauen. Das klappt wunderbar mit Steckzwiebeln. Die liefern nach ein paar Tagen würziges Zwiebelgrün. Weizengras, das neue Superfood, keimt und wächst auch ruckzuck. Mir erschließt sich bisher aber nicht, warum ich das essen soll: Es schmeckt nach nichts und ist schwer verdaulich.

Top: Zwiebelgrün, frisch und pikant von der Fensterbank

Für das Zwiebelexperiment ist unsere Tochter zuständig. Sie hat sich von Yuri Yaniv dazu anregen lassen. Der Ukrainer ist mit seinem Kanal „Slivki Show“ auf YouTube super-erfolgreich. Sein Zwiebelvideo mit Katze hatte seit seiner Veröffentlichung im Februar bereits über 470.000 Aufrufe.

Zwiebeln keimen in der Plastikflasche

Zwiebelgrün aus der Flasche.

Unserer Tochter hat die Idee so gut gefallen, dass sie direkt losgezogen ist und Steckzwiebeln gekauft hat. Ein paar davon kamen in eine leere Plastikflasche und wanderten zum großen Bruder in die Studenten-WG.

Die anderen zieren unsere Fensterbank und haben einen sichtbaren Wachstumsvorsprung. Das mag daran liegen, dass sie die Zwiebeln vor dem Einpflanzen über Nacht eingeweicht hat und die anderen nicht. Wir freuen uns jetzt jeden Tag über frisches Grün für Butterbrote, Kräuterquark, Salat oder Rührei. Und das mit wirklich wenig Aufwand.

Ich habe mich gefragt, ob wir statt Steckzwiebeln auch Speisezwiebeln hätten verwenden und uns den Gang zum Gartenmarkt hätten sparen können. Wohl nicht, denn für Speisezwiebeln werden Sorten verwendet, die nicht so schnell keimen und sich so länger lagern lassen. Außerdem kommen chemische Keimhemmer zum Einsatz.

Brote mit Zwiebelgrün

Frisches Zwiebelgrün ist schärfer als Schnittlauch – schmeckt toll auf Vollkornbrot mit Frischkäse oder vegetarischem Aufstrich.

Flop: Weizengras, das überschätzte Superfood

Von der Experimentierfreude der Tochter angesteckt, habe ich parallel noch einen anderen Anbauversuch gestartet und zwar mit Weizengras in der Keimbox. Weizengras nennt man junge grüne Weizenpflanzen bevor sie Ähren gebildet haben. Das ist wieder so ein neues Superfood, das unsere Abwehrkräfte stärken oder den Cholesterinspiegel senken soll.

Wer möchte, kann sein Geld mittlerweile für frisch gepressten oder tiefgefrorenen Saft oder Weizengras-Pulver ausgeben.  Zweifelsfrei wissenschaftlich nachgewiesen sind deren Wirkungen bisher nicht. Ein Verantwortlicher dafür könnte das Chlorophyll sein, aber das kann unser Körper kaum aufnehmen. Ansonsten gilt Weizengras als Vitaminbombe. Aber die Vitamine da drin stecken auch in vielen anderen Lebensmitteln, die man nicht erst zu Saft oder Pulver verarbeiten muss, um sie genießbar zu machen.

Weizengras in der Keimbox

Weizengras von der Fensterbank – sieht schön aus, schmeckt aber nicht.

Denn Weizengras pur ist leider kein kulinarisches Highlight. Das hat mein kleines Experiment bestätigt: Die gerade gekeimten Körner schmecken lecker süßlich, aber je mehr der Weizen zum Gras heranwächst, desto mehr schmeckt er auch danach, nämlich gar nicht. Das Weizengras lässt sich weder kauen noch verdauen. Dazu braucht es die Mägen einer Kuh, die davon bekanntlich mehrere hat.

Immer schon top: frische Mungobohnen- oder Alfalfa-Sprossen

Weil wir ungern Lebensmittel wegschmeißen, habe ich das Weizengras zusammen mit ein paar anderen Zutaten zum Smoothie verarbeitet. Und die Keimbox werde ich weiter verwenden wie gewohnt: Für frische Sprossen aus Alfalfa oder Mungobohnen. Die enthalten nämlich auch viele Vitamine, schmecken aber gleichzeitig richtig gut. Und dabei werden zum Beispiel aus 50 Gramm Mungobohnen innerhalb weniger Tage 200 Gramm Mungobohnen-Sprossen. Das ist eine ordentliche Portion, für die sich der Aufwand lohnt 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

9 Kommentare

  1. Martina sagt:

    Nette Idee, besonders die Arrangements in der Plastikflasche sehen hübsch aus! Ich kann Deine offene Frage mit einem Experiment vor meinem Küchenfenster beantworten. Da steht nämlich der Korb mit den simplen Supermarktzwiebeln (nicht bio). Die keimen auch, ganz ungeplant, und werden dann auch mit Grün verbraucht. Ich kann aber keine Zeitscheine zum Vergleich mitliefern. Es war kein geplantes Experiment., ich hatte viele Zwiebeln, die da eine Weile lagen 😉

  2. Liebe Gabi,
    was auch cool ist: Gemüsereste keimen lassen.
    Ich habe neulich mal wieder mit Porree gekocht und die Wurzelenden in ein Glas Wasser gestellt. Die treiben praktisch sofort wieder aus. Ich verwende sie wie Lauchzwiebeln bzw. Schnittlauch. Man muss nur das Wasser täglich wechseln, sonst fangen die Wurzeln an zu gammeln. Kann man wohl auch mit anderen Gemüseresten machen (also mit Lauchzwiebeln mache ich das auch).
    Sprossen finde ich auch toll, aber von Alfalfa lasse ich die Finger. Weil diese Sprossen so klein und „verwinkelt“ sind, verstecken sich da gerne mal Bakterien, die sich nicht rausspülen lassen. Da sind doch vor einiger Zeit diverse Leute dran gestorben. Alles andere ist aber wohl ungefährlich.
    Kürzlich habe ich wieder Substratsprossen gezogen: Die sind weiter entwickelt als Sprossen und Microgreens. Am besten wuchert Brokkoli 🙂
    Muss ich direkt auch mal drüber bloggen.
    Eure Zwiebeln sind super und das Video schaue ich mir gleich mal an!
    Liebe Grüße
    Petra

    1. Gabriela Freitag-Ziegler sagt:

      Liebe Petra, danke für deine Tipps und den wichtigen Hygiene-Hinweis. Ich spüle meine Sprossen mehrmals täglich unter fließendem Wasser. Gruß, Gabi

  3. Ich habe gerade die Kommentare mitgelesen.
    Vor einigen Wochen keimten einige Speisezwiebeln schon von selbst. Da ich zu der Zeit keine unmittelbare Verwendung für sie hatte, schnitt ich an der Wurzelplatte ein Scheibchen ab und setzte sie in einen alten Blumentopf. Sie keimten einige Tage später und das Grün schmeckt 🙂

    Herzliche Grüße
    Silke

    1. Gabriela Freitag-Ziegler sagt:

      Liebe Silke, super! Das machen wir jetzt einfach immer so mit keimenden Zwiebeln nach dem Motto „zu gut für die Tonne“ 😉

  4. Ach, toll! Ist das Prinzip so einfach, wie es auf dem Foto aussieht? Zwiebeln mit dem Keim nach außen in eine löchrige Flasche stecken, mit Erde auffüllen und abwarten?
    Oder geht auch ein einfacher Blumentopf?

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass das mit Bio-Zwiebeln klappt. Wenn es bei Zwiebeln so ist wie bei Kartoffeln, sollten da keine keimhemmenden Mittel eingesetzt werden.

    Danke für die Anregung und viele Grüße, Antje

    1. Gabriela Freitag-Ziegler sagt:

      Liebe Antje, klar, Blumentopf müsste auch gehen, wieso nicht? Sie hat von den Zwiebeln an der Stelle, wo sie keimen sollen, eine dünne Scheibe abgeschnitten. Die genaue Anleitung findest du in erwähnter Slivki-Show. Wirklich sehr nett gemacht 😉

  5. Liebe Gabi, tolles Experiment oder besser gesagt, tolle Experimente. Mein Lieblingssatz aus deinem Artikel: „Wer möchte, kann sein Geld mittlerweile für frisch gepressten oder tiefgefrorenen Saft oder Weizengras-Pulver ausgeben.“ Das trifft die Lage ausgesprochen gut. Ich möchte nicht.

    Was ich gerade von dir gelernt habe: Es gibt Steckzwiebeln. Ich hätte wahrscheinlich Bio-Zwiebeln genommen, die ja auch im Küchenschrank manchmal keimen. Aber jetzt weiß ich, dass es Steckwiebeln gibt. Danke fürs Ausprobieren! Julia

    1. Gabriela Freitag-Ziegler sagt:

      Liebe Julia, die Frage, ob es mit Bio-Zwiebeln klappt, habe ich mir auch gestellt. Das probiere ich vielleicht demnächst mal aus. Herzliche Grüße von Gabi

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