Rezension „Billig.Billiger.Banane“ – Gut recherchiert und geschrieben von Sarah Zierul

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Quelle: Oekom Verlag

Quelle: oekom verlag

„Ich liebe Bananen“, so beginnt die Wissenschaftsjournalistin Sarah Zierul ihr Buch über die Hintergründe der Bananenproduktion und -vermarktung (bzw. -verramschung), über die Marktmacht deutscher Discounter und über die Rolle, die wir Verbraucher in diesem Spiel spielen. Wer nicht nur wie sie – und ich – Bananen liebt, sondern auch nur ein Fünkchen von Verantwortung gegenüber Natur und Umwelt empfindet, sollte sich Gedanken darüber machen, was hinter den Bananen-Angeboten unserer Supermärkte und Discounter steckt. Wem es nicht egal ist, dass die Menschen auf vielen Plantagen in Lateinamerika oder der Karibik ihre Gesundheit oft für einen Hungerlohn riskieren, damit wir für ein Kilo Bananen aus Übersee maximal 1,99 Euro ausgeben müssen (und damit meist sogar weniger als für ein Kilo Äpfel aus der Region), der sollte sich nicht der typisch deutschen „Geiz ist geil“-Mentalität anschließen.

Um zu verstehen, wie Produktion, Qualität und Markt zusammenhängen, verfolgt Sarah Zierul die Spur der „globalisierten Frucht“ ausgehend vom Hafen Antwerpen, dem Nadelöhr für Bananen. Dort kommen jede Woche im Schnitt sechs Bananenschiffe mit je 7.500 Tonnen Bananen an. Hier werden sie daraufhin kontrolliert, ob sie den strengen EU-Regeln entsprechen. Äußerlich verformte oder fleckige Bananen fallen durch – auch, weil sie von uns Kunden eh nicht gekauft würden.

Rund 3.000 Tonnen Bananen wandern damit allein in Antwerpen jährlich auf den Müll.

Sarah Zierul hat nicht nur in Antwerpen recherchiert, sondern sich auch viele Bananenplantagen genau angeschaut. Dort hat sie erfahren, welch enormer Aufwand (an menschlicher Arbeitsleistung und reichlich Chemie) betrieben wird, damit die Bananen so makellos auf die Reise gehen, wie wir sie später kaufen möchten. Bereits auf den Plantagen werden 16 Prozent der Ernte aussortiert, weil sie nicht den EU-Normen entsprechen. Doch Pflanzenschutzmittel und andere Chemikalien sorgen nicht nur für makellose Bananen, sondern gefährden die Gesundheit vieler Plantagenarbeiter und Bewohner rund um die Plantagen. Das ist nur eines von vielen Problemen, die im hochkommerzialisierten Bananenanbau stecken und schließlich zahlreiche Kritiker auf den Plan riefen. Immer sachlich und objektiv, dabei aber spannend geschrieben, schildert die Journalistin wie z. B. Chiquita zur Zielscheibe von Aktivisten wurde und allmählich einen Kurswechsel vollzog oder was sich hinter dem Konzept von Rainforest Alliance verbirgt.

Immer geht es dabei auch um den Preis, der bei uns und in anderen Ländern für ein Kilo Bananen gezahlt wird, sowie darum, wer am meisten vom Bananengeschäft profitiert. Besonders beeindruckend dazu das, was sich als zentrale Botschaft hinter der Banane auf dem Buchcover verbirgt:

Ungefähr ein Drittel des Preises einer Banane erhalten meist die großen Supermarktketten. Ein weiteres Drittel geht an die Transportunternehmen und Importeure… Vier Prozent des Preises einer Banane bekommen die Arbeiter, die sozusagen ihr Leben auf den Plantagen lassen, damit die Bananen in gutem Zustand nach Europa gelangen.

Steckt die Lösung aller Probleme in bio und/oder fair gehandelten Bananen? Auch dieser Frage geht Sarah Zierul genau nach und beantwortet sie sehr differenziert. Denn hinter bio und fairtrade stecken verschiedene Kriterien mit unterschiedlichen Zielen und Herausforderungen – die sich aber zum Teil überschneiden. Würden mehr Verbraucher zu Fairtrade-Bananen greifen, stiege der Anteil pro Banane, der bei den Plantagenarbeitern hängen bliebe, nur minimal von vier auf vielleicht fünf Prozent. Das hätte aber bereits einen gewaltigen Effekt: Dadurch würden die Plantagenarbeiter deutlich mehr Geld verdienen und auf den Plantagen ließen sich höhere Arbeits-, Gesundheits- und Sozialstandards realisieren. Für uns Bananen-Liebhaber wären das nur etwa fünf bis zehn Euro mehr pro Jahr. Ein Witz, selbst für Menschen, die nicht viel Geld verdienen. Tatsächlich greifen die meisten Menschen aber konsequent immer zur billigsten – weil oft auch besonders aggressiv beworbenen und in der ersten Reihe platzierten – Banane im Obstregal und lassen Bio-Fairtrade-Ware links liegen.

Da viele Verbraucher trotz anderer Lippenbekenntnisse offensichtlich nicht aus ihrer Haut können, würde sich Sarah Zierul wünschen, dass die Supermärkte den Verbrauchern einfach gar nicht mehr die Wahl zwischen „fairtrade“ und „normalen“ Bananen lassen. Das, was wie eine fromme Utopie klingt, hat eine niederländische Supermarktkette 2010 tatsächlich wahr gemacht. Dort lockt man jetzt nicht mehr Kunden mit den billigsten Bananen-Schnäppchen in den Laden, sondern verkauft ausschließlich Fairtrade-Bananen. Der Effekt: Statt wie befürchtet zum nächsten Discounter zu fliehen, kaufen die Kunden sogar mehr der zwar etwas teureren, dafür aber „guten“ Bananen.

Bis es vielleicht auch bei uns irgendwann so weit ist, hat es jeder selbst in der Hand:

Letztlich bestimmen die Verbraucher im Supermarkt und im Discounter, welche Bananen verkauft und welche Plantagen dadurch unterstützt werden.

Darin seien sich alle einig, mit denen sie gesprochen habe, betont Sarah Zierul zum Schluss:

Plantagenarbeiter und -manager, Vertreter von Bananenkonzernen, Gewerkschafter, Umweltforscher, Bio-Bauern, Nachhaltigkeitskontrolleure, die Importeure in den Häfen, die Betreiber von Reifereien und Logistikzentren, die Experten im Bundeskartellamt, der Bundesregierung und der EU-Kommission, die Mitarbeiter von Oxfam, BanaFair, Banana Link und Make Fruit Fair – sowie ehemalige und aktive Mitarbeiter von Supermarkt- und Discountketten.

Diese Aufzählung macht klar, wie gründlich die Autorin recherchiert hat. Ich wünsche ihr viele Leserinnen und Leser, damit sich ihre Mühe gelohnt hat und möglichst viele Menschen verstehen, welche Folgen es hat, wenn sie am falschen Ende sparen.

„Billig. Billiger. Banane.“ gibt es für 19,95 Euro beim oekom verlag.

 

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