Die wichtigsten Aussagen als Cartoon

Alles neu auf dem BZfE-Forum 2018 zur Ernährungskompetenz

Neue Location, neue Deko, neue Ideen und neue Ministerin – auf dem 2. BZfE-Forum am 27. September 2018 gab es einige Überraschungen für mich und die rund 400 anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Diesmal war ich in gleich mehrfacher Funktion dabei: Als Unterstützung in Sachen Pressearbeit und Online-Redaktion für das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Als Fachautorin für die „Ernährung im Fokus“ und natürlich als bloggende Oecotrophologin. In dieser Eigenschaft gebe ich hier einen kurzen Einblick in meine persönlichen Highlights der Tagung.

Neue Ministerin – Julia Klöckner live

Cartoon mit Klöckner-ZitatenEs fühlt sich schon besonders an, wenn die Bundesernährungsministerin solch eine Tagung eröffnet. Natürlich macht sie das zigfach – manchmal sogar mehrmals täglich – quer durch die Republik. Dass sie sich dabei auch die Zeit für das BZfE-Forum genommen hat, kann man als deutliches Zeichen sehen: Sie hat uns Multiplikatoren im Ernährungsbereich auf dem Schirm, schätzt unsere Arbeit und die der offiziellen Institutionen wie BZfE und DGE. Und sie möchte diese Arbeit weiter unterstützen.

Immerhin hat sie in ihrer Rede schon mal weitere Millionen für die Ernährungsbildung in Aussicht gestellt. Vielen erscheinen die allein angesichts der Welle an Übergewichtigen nur als ein Tropfen auf den heißen Stein. Und viele wünschen sich außer Geld vor allem konkrete Maßnahmen seitens der Politik wie die heiß diskutierte Zuckersteuer. Aber zum Diskutieren war Frau Klöckner leider nicht nach Bonn gekommen. Vielleicht beim nächsten Mal 😉

Cartoon von Susanne FerrariNeue Ideen – Ernährungskommunikation goes digital

Von den Fachvorträgen hat mir der von Professor Gunther Hirschfelder am besten gefallen. Das liegt daran, weil sich dieses Thema immer mehr zu meinem Steckenpferd mausert. Darin ging es um die Frage, wie wir Ernährungsexperten mit dem klar kommen, was sich in den sozialen Medien tummelt. Dort tummeln sich nämlich Botschaften zur „richtigen“ Ernährung, die manchmal einfach nur haarsträubend sind.

Fakt ist, dass YouTube-Stars wie Bibi mit ihrem BibisBeautyPalace Reichweiten haben, von denen das BZfE oder andere Institutionen nur träumen können. Sagt Bibi also in ihrem Beitrag zu gesunden & süßen Snacks, Honig sei gesünder als Zucker weil ein Naturprodukt und gibt gleichzeitig löffelweise Honig ins selbst gemachte Eis, sehen (und glauben) das Millionen ihrer Fans.

Was tun? Hirschfelder schlägt vor, genau zu schauen, warum speziell Jugendliche welche Kanäle und deren Stars so gut finden und wie die Grammatik ihrer Sprache ist. Und dann gilt es nicht „sich anzubiedern“, sondern gut zu überlegen, wie man seine eigenen Inhalte passend rüber bringt. Vielleicht sogar in Kooperationen mit solchen Influencern wie Bibi. Das stelle ich mir spannend vor, wo die doch gerade ihr erstes Kind erwartet…

Neue Forschungsergebnisse und Projekte zur Ernährungsbildung

Ansonsten fand ich es wie immer prima, neue Ergebnisse aus verschiedenen Forschungsbereichen in leicht verdaulichen Häppchen präsentiert zu bekommen. Zum Beispiel dazu, wie es eigentlich um die Ernährungsbildung von Lehrern und Erziehern steht. Leider bei den Lehrern nicht so gut, weil sich die Themen kaum in deren Lehrplänen wiederfinden und weil das Interesse eher gering ist. Und auch das Kita-Personal wird nicht ausreichend qualifiziert. So die Ergebnisse einer Studie der Uni Paderborn. Hier wird bisher eine riesige Chance verpasst. Und dabei geht es gar nicht so sehr um die Frage, ob es dafür ein eigenes Schulfach geben muss. Auch Dr. Anke Oepping vom neu gegründeten Nationalen Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule – kurz NQZ – betonte, dass in der Schulpflicht die Chance steckt, alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen.

Alle Kinder und Jugendlichen erreichen am leichtesten die jeweiligen Eltern. Das klingt banal, aber müssen wir uns immer wieder klar machen, so wie es Dr. Mattea Dallacker in ihrem Vortrag tat. Bibi hin oder her, die Eltern sind die wichtigsten Vorbilder und fungieren als Gatekeeper oder Türsteher, wenn es ums Essen und Trinken geht. Wenn die allerdings selber nicht wissen, was für eine Zuckerbombe ein Fruchtjoghurt sein kann, sieht es düster aus. Oder wenn sie ihre Vorbildfunktion beim Essen nicht nutzen, weil sie selber kein Gemüse essen oder nebenbei fernsehen.

Wer sich für die Vorträge aller Wissenschaftler interessiert, findet auf der Website des BZfE die Abstracts dazu und viele weitere Infos – auch das komplette Bild von der genialen Susanne Ferrari, von dem ich hier ein paar Ausschnitte gezeigt habe. Und wer wie ich auf Twitter unterwegs ist, kann dort unter dem Hashtag #bzfe18 stöbern. Viele Twitterer haben dort zum Beispiel O-Töne der Referenten und interessante Charts gepostet oder Projekte wie das NQZ direkt verlinkt.

Neue Location und neues Godesberger Programm?

Noch ein paar Sätze zur guten alten Godesberger Stadthalle: Ich finde, der Umzug dorthin war eine schlaue Entscheidung. Jetzt konnten endlich alle Teilnehmer in einem Raum dabei sein. In den letzten Jahren war es im Wissenschaftszentrum so eng geworden, dass ein Teil der Gäste aus einem Nebenraum nur per Video-Übertragung zuhören konnte – nicht wirklich ideal. Dieser Umzug hatte den Nebeneffekt, dass mehrfach auf das Godesberger Programm angespielt wurde. Ich habe es noch einmal nachlesen müssen: „Godesberger Programm“ meint das SPD-Grundsatzprogramm, das in der Godesberger Stadthalle 1959 von einem außerordentlichen Parteitag beschlossen wurde. Es beinhaltete für die SPD eine entscheidende Richtungsänderung und Festlegung für die nächsten Jahrzehnte.

Ein neues Godesberger Programm für eine entscheidende Wende in der Ernährungsbildung und Ernährungskommunikation? Oder in der Wertschätzung und Honorierung der Arbeit, die Multiplikatoren, Wissenschaftler und Ernährungsberater leisten? Leider blieb es (vorerst) bei Anspielungen. Allein Dr. Margareta-Büning-Fesel brachte es in ihrem Ausblick noch einmal auf den Punkt:

Ist hier genug zusammengekommen, um daraus ein „Godesberger Ernährungsprogramm 2018“ zu beginnen? Vielleicht mit dem Fokus „Ernährungskommunikation neu gedacht.“ Was würde da drinstehen?

Vielleicht hat dieses BZfE-Forum mit Ministerin-Rückendeckung wirklich den nötigen Nachhall und führt irgendwann? bald? zu einem richtungsweisenden Programm. Ich bin gespannt. Und ich freue mich sehr über Kommentare, falls jemand seine persönliche Meinung hier mitteilen möchte.

Dieser Blogbeitrag ist im Zusammenhang mit meiner freiberuflichen Tätigkeit für das Bundeszentrum für Ernährung entstanden. Die Auswahl der Inhalte erfolgte rein subjektiv und spiegelt meine persönliche Wahrnehmung und Interessenschwerpunkte wider. 

Die Fotos zeigen Auszüge aus dem Wandbild von Susanne Ferrari.