Die Foodtrucker erobern Deutschland

Foodtruck RoundUp in Nürnberg Foto: © Daniel Bendl / Nürnberg und so (cc)
Foodtruck RoundUp in Nürnberg
Foto: © Daniel Bendl / Nürnberg und so (cc)

Selten hat mir die Recherche für einen Fachartikel so viel Spaß gemacht wie bei der Geschichte über Foodtrucks. Angepiekst durch einen ersten Eindruck (inklusive Kostproben) auf der Internorga in Hamburg habe ich das Besondere und die Faszination dieser „rollenden Imbissbuden“ (schon falsch, genau das sind sie nämlich nicht) in die Einzelteile zerlegt und schließlich zu einem Überblick für die Ernährung im Fokus zusammengesetzt – natürlich unter Mithilfe einiger sehr netter und trotz engem Zeitplan auskunftsfreudiger Trucker.

Dabei habe ich auf die Frage „Was macht eigentlich einen Foodtruck aus?“ vier Antworten gefunden: Der Truck (auf jeden Fall irgendwie auffällig), das Food (immer lecker und handmade, oft bio, vegetarisch oder sogar vegan), die Präsenzart (immer auf Achse, von einer Haltestelle zur nächsten) und die Vermarktung (per social media und Mundpropaganda). Und dabei habe ich die unterschiedlichsten Geschichten und Hintergründe erfahren, zum Beispiel von der „Intoleranten Isi“. Dahinter verbirgt sich Isabella Hener, die selber eine Lactoseintoleranz hat und für Leute mit Lebensmittelintoleranzen kocht und backt. Isabella hat nämlich das Geld, das ihr für den Start ihres Mini-Unternehmens fehlte, durch eine Crowdfunding-Aktion gesammelt. Oder von Kerstin Maida, die mit ihrem „Cookadoo“ in Köln und manchmal sogar in Bonn unterwegs ist, dem bis zu 15 Stunden arbeitenden Roland Glöggler mit seinem „Guerilla Gröstl“ und der mittlerweile aus 50 Mitarbeitern und fünf Trucks bestehenden „Burritobande“.

Am längsten habe ich mit Klaus Peter Wünsch telefoniert. Fast eine Stunde lang hat er mir geduldig meine Fragen beantwortet. Klaus ist quasi Deutschlands Foodtrucker-Guru und Foodtrucker der ersten Stunde. Er betreibt die zugehörige website foodtrucksdeutschland, wo man viele deutsche Foodtrucker inklusive der entsprechenden Links findet, und ist einer der wichtigsten Köpfe hinter den Nürnberger Foodtruck RoundUps. Die Keimzelle dieser „Bewegung“ befindet sich nämlich interessanterweise nicht in Berlin oder Hamburg, sondern im beschaulichen Franken. In Berlin und Hamburg fahren aber mittlerweile einige Foodtrucker unter dem Logo der Lunchkarawane. Dieses Business hat Jochen Manske aufgebaut, den ich auf der Internorga kennengelernt habe. Der nimmt mit seiner Geschäftsidee den Truckern nicht das Kochen, aber die oft sehr mühsame Standortsuche ab. Ansonsten tummeln sich viele Trucker auch auf den Streetfoodmärkten quer durchs Land. Demnächst sogar in meinem ebenfalls vergleichsweise beschaulichen Bonn.

Die vielen Links habe ich übrigens nicht gesetzt, weil die Trucker mir dafür lebenslanges freies Mittagessen versprochen haben. Aber die meisten sind wirklich (noch) kleine Unternehmer und brauchen einfach eine bestimmte Anzahl von verkauften Essen, damit ihr Einsatz keine romantische Liebhaberei ist, sondern sich auch rechnet. Und solange das Essen so gut und lecker bleibt, mache ich dafür gerne ein wenig Gratis-Werbung.