Vegane Lebensmittel im big business

77 neue vegane Kochbücher in 2014 Quelle: VEBU Deutschland / Veganz
77 neue vegane Kochbücher in 2014
Quelle: VEBU Deutschland / Veganz

Vor über einem Jahr habe ich mich bereits ein wenig über den Vegan-Hype aufgeregt. Deswegen war ich anfangs gar nicht so begeistert, als ich das Programm für die diesjährige VDOE-Jahrestagung in den Händen hielt: „Ist Vegan das neue Bio?“ lautete verkürzt ein Themenschwerpunkt. Aber unterm Strich haben mich die Referenten – leider nur Herren – aus Marktforschung (Holger Geißler von YouGov), Kommunikation (Wissenschaftsjournalist und Buchautor Andreas Grabolle), Handel (Jan Bredack von Veganz), Wirtschaft (Thorsten Matthias von Frosta) und Verbänden (Sebastian Zösch vom VEBU) überzeugt: Wir kommen um vegane Lebensmittel bzw. die Beschäftigung mit diesem Thema nicht mehr herum. Und mein Argument, dass die wenigen Vollblut-Veganer gar nicht alle Neuerscheinungen auf dem Kochbuchmarkt (allein 77 im letzten Jahr!) lesen können, zählt wohl auch nicht wirklich.

Was zählt, ist die Tatsache, dass diese „Bewegung“ ja auch diejenigen unter uns anstecken könnte, die gar keine kompromisslosen Veganer vom Scheitel bis zur Gummisohle werden wollen. Die wollen einfach öfter mal Rezepte „frei von Tier“ ausprobieren oder in einem der mittlerweile über 30 veganen Restaurants in Berlin schnuppern; oder die stöbern in einem von Jan Bredacks veganen Supermärkten, was es da so gibt. Bredack – vom Daimler Benz-Manager zum erfolgreichen Handelspionier auf dem Markt für vegane Lebensmittel mutiert – macht mittlerweile sogar gute Geschäfte mit großen Handelsketten wie Edeka. Dort stehen schon einmal Regale mit 300 veganen Produkten, für die andere Produkte rausfliegen. Dazu hat Bredack einen knackigen Spruch parat:

Big business ist nicht der Feind, sondern der Schlüssel aller Veränderungen.

Zu diesem big business gehören auch Unternehmen wie Frosta, die unter Slogans wie „Noch nie war Fleisch so wurst!“ vegetarische und vegane TK-Fertigprodukte anbieten. Auf die Frage, ob vegan das neue bio sei, meinte Frosta-Mann Matthias, es sei sogar mehr als das. Das sieht auch Sebastian Zösch vom Vegetarierbund so. Denn der Vorteil von veganen Produkten sei, dass die im Gegensatz zu Bio-Lebensmitteln nicht teuer sein müssten. Schließlich fehle ja die fleischhaltige Komponente, die, weil sie den Umweg über die „Veredelungsindustrie“ mache, ins Geld geht.

Und Meinungsforscher Geißler brachte die Entwicklung für die nächsten Jahre so auf den Punkt:

Die Zahl der konsequenten Veganer wird nicht deutlich zunehmen, aber die Verbreitung veganer Lebensmittel und die Zubereitung veganer Mahlzeiten werden deutlich zunehmen.

Meine persönliche Meinung dazu: Vegane Lebensmittel? Finde ich gut. Besonders Obst, Gemüse, Brot, Müsli und so weiter. Und auch vegane Rezepte probiere ich gerne aus. Zum Beispiel, indem ich meine vegetarischen Grünkernbratlinge mittels Soja statt Ei in vegane umwandle. Und bei nächster Gelegenheit werde ich bestimmt auch das Mae’s, „Bonns erste vegane Gastronomie“, ausprobieren.

Nicht so toll finde ich aber vegane Lebensmittel, die zum Beispiel Käse oder Wurst nachäffen und dazu mit einer langen Liste an Zutaten und Zusatzstoffen aufwarten müssen. Das passt für mich nicht ins Konzept und zu meiner Vorstellung von irgendwie besseren, weil tierfreien Lebensmitteln.