Eindrücke von der Veganfach 2016

Eindrücke von der Veganfach 2016

Letzten Freitag habe ich vegane Lebensmittel mal nicht theoretisch, sondern ganz praktisch unter die Lupe genommen: Ich war auf der Veganfach in Köln und habe probiert, was das Zeug hielt. Nach circa 15 (oder noch mehr?) Kostproben musste ich dann aber doch aufgeben. Mehr ging einfach nicht. So viel – nicht Menge, sondern Verschiedenes – habe ich wirklich bisher auf keiner Messe gegessen. Das lag daran, dass ich die meisten dieser Lebensmittel noch nie probiert habe und die Gelegenheit, das nachzuholen, auf so einer Messe einfach ideal ist.

Hier ein paar persönliche und zugegebenermaßen unvollständige Eindrücke:

Braucht man vegane Frikadellen und Steaks?

Die Frage „braucht man vegane Alternativen zu Fleisch, die genauso aussehen und schmecken?“ wird immer wieder heiß diskutiert. Läuft man über so eine Messe, drängt sich die Antwort „ja“ auf. Viele Hersteller versuchen, mit solchen Produkte Geld zu verdienen. Ich habe kleine Häppchen von veganen Steaks, Frikadellen, Geschnetzeltem und Nuggets probiert. Dabei konnte ich – wieder mal – mit Tofu nicht viel anfangen. Die Nuggets auf Weizenbasis waren aber o.k., wenn man denn auf sowas steht. Ich nicht wirklich, was am Alter liegen mag. Ich gehöre wohl nicht mehr zur klassischen Chicken-Nuggets-Zielgruppe.

Überraschend lecker fand ich den Fleischersatz für veganen Döner aus Seitan. Seitan besteht aus Weizengluten und ähnelt in seiner Konsistenz Fleisch am besten. Ein Argument vor allem für „Neuveganer“, wie ich mir habe sagen lassen, denen der Verzicht auf Fleisch noch schwerfällt.

Vegane Schokolade, Kekse, Frozen Joghurt, Milchalternativen

Gut gewöhnen könnte ich mich an vegane Kekse und Schokolade. Und auch die Milchalternativen aus Hafer, Dinkel, Reis und Hirse fand ich lecker. Die Sorten, die ich probiert habe, kamen außerdem mit wenigen Zutaten aus, z. B. nur Wasser, Vollkornhafer, Sonnenblumenöl, Seealge und Meersalz – Hafer und Sonnenblumenöl sogar aus Bio-Anbau.

Sehr gelungen auch ein veganer Frozen Joghurt. Der Stand, an dem ich ich hängengeblieben bin, beeindruckte aber vor allem durch eine Kooperation mit der Welthungerhilfe. Die sorgt nämlich dafür, dass pro verkauftem Becher genau eine Schulmahlzeit für ein Kind in Burundi ermöglicht wird.

Heimische Hülsenfrüchte statt Soja aus Übersee

Bei den Fleischalternativen hat mich ein neuer Hackfleischersatz aus Erbsenprotein überzeugt. Der schmeckte im Chili sin carne richtig gut, viel besser als alles, was ich bisher auf Sojabasis probiert habe. Außerdem gehören Erbsen im Gegensatz zu Soja zu den bei uns heimischen Hülsenfrüchten und passen daher perfekt zu einer auf regionale Lebensmittel ausgerichteten Ernährung. Für mich ein schlagendes Argument. Und im Gegensatz zu Soja lösen Erbsen nur selten Allergien aus.

Super fand ich einen Brotaufstrich auf der Basis von Lupinen aus deutschem Bio-Anbau in mehreren Geschmacksrichtungen. Darauf sei man sehr stolz, verriet mir der Mann am Stand, denn Lupinen erfolgreich anzubauen sei eine gewisse Kunst. Mittlerweile sieht man aber immer mehr vegane Produkte im Handel, die Lupine statt Soja verwenden.

Kokosöl gefühlt an jedem dritten Stand

Die hohe Präsenz von Kokosöl als offensichtlich „der“ Zutat für vegane Produkte hat mich etwas genervt. Auf Nachfrage kam dann immer das Argument, Kokosöl sei das gesündeste Fett überhaupt. Bevor ich das glauben kann, hätte ich gerne noch ein paar wissenschaftliche Nachweise, so wie es sie mittlerweile für Oliven- und Rapsöl gibt. Und überhaupt reagiere ich per se empfindlich, wenn irgendein einzelnes Lebensmittel als allein seeligmachend vermarktet wird…

Was mir sonst noch aufgefallen ist: Vegan ist natürlich nicht gleich bio. Das behauptet ja auch keiner. Trotzdem hängen beide Ideen für mich eng miteinander zusammen. Deshalb gefallen mir die veganen Produkte, die nur Zutaten aus ökologischer Erzeugung enthalten, auch am besten. Toll fand ich die vielen Start Ups bzw. dieser Phase gerade entwachsenden Jungunternehmen. Anscheinend gibt es auf dem Markt für vegane Lebensmittel mehr Möglichkeiten für erfolgreiche Geschäftsideen als sonstwo.