Was Oecotrophologen von Foodbloggern lernen können und anders herum…

Oecotrophologen in Social MediaFood ist das neue Fashion und Foodblogger sind Ernährungsexperten „new school“. Ernährungsexperten „old school“ – das sind wir studierten (Diplom-)OecotrophologInnen. Mit der ganzen  Bürde unseres wissenschaftlichen Fachwissens auf den Schultern fällt es uns oft schwer, locker und ohne erhobenen Zeigefinger unseren Botschaften Gehör zu verschaffen: Leute, esst mehr Obst und Gemüse, weil Studien gezeigt haben, dass ihr dann ein geringeres Herzinfarktrisiko habt. Trinkt Wasser statt Limo, weil Studien gezeigt haben, dass mit Zucker gesüßte Softdrinks Übergewicht fördern. u.s.w. u.s.w.

Ganz anders die wachsende Community der Foodblogger, die sich oft aus einem Hobby oder einer persönlichen Leidenschaft heraus kreativ und emotional mit Essen und Lebensmitteln im Netz präsentiert. Sie brennen für ihr Thema, wissen, wie Social Media funktioniert, oder probieren es einfach aus. Manche erreichen mit ihren Posts Tausende und schaffen es zu einer gewissen Berühmtheit, ergänzen die Expertenriege der Fernseh-Starköche oder werden von Buchverlagen entdeckt.

Oecotrophologen als Gipsy-Blogger

Die Fachwelt reibt sich die Augen und wir OecotrophologInnen fragen uns, was können wir daraus lernen? Ganz konkret haben wir uns das auf unserem PR-Netzwerktreffen des VDOE an diesem Wochenende gefragt. Unterstützt von Kolleginnen wie Verena Franke, die das Dilemma mit den Begriffen old school und new school auf den Punkt gebracht hat. Für Verena, die als PR-Beraterin bei kommunikation.pur für Ernährung und Social media brennt, ist es aber weniger ein Dilemma, sondern vielmehr eine Chance. Foodblogger mit wirklich guten Blogs sind für sie keine Konkurrenz, sondern Partner, mit denen sie gerne zusammenarbeitet und die auch gerne mit ihr zusammenarbeiten, dankbar für ihre fachliche Expertise. So ist sie z. B. als „Gipsy-Bloggerin“ auf eat train love oder Gastbloggerin auf Backen macht glücklich unterwegs.

Das sind nur zwei Beispiele, wie wir auf der Spielwiese „Ernährung im Netz“ mitmachen können, ohne gleich einen eigenen Blog zu betreiben. Oder wenn wir nicht das Glück haben, für Kunden oder Arbeitgeber wie den aid-infodienst oder den WDR zu arbeiten, für die „digital“ keine Bedrohung ist. Denn klar, so ein Blog macht Arbeit, ohne direkt Geld in die Kasse zu spülen, und viele fragen sich, wie soll ich das neben meinem eigentlichen Job auch noch schaffen. Sogar für das Mitmischen auf Twitter, Facebook oder Instagram meinen viele, dass ihnen die Zeit fehlt. Oder sie sehen nicht, was ihnen das bringen soll. Nicht wenige haben aber auch Angst, sich mit (vielleicht wissenschaftlich nicht exakt zu belegenden) Äußerungen in die Nesseln zu setzen. (Das Internet vergisst nichts und ist der Ruf erst ruiniert…).

Diese Fragen stelle ich mir auch immer wieder mal, aber trotzdem mache ich weiter, so gut ich kann. Weil es mir großen Spaß macht, weil ich neue Ideen bekomme und neue Leute – auch Offline – kennenlerne, weil ich Stellung beziehen und mein Wissen weitergeben und so meinen bescheidenen Beitrag zur Rettung der Welt leisten kann 😉

VDOE goes social media

Noch mehr Spaß würde es mir machen, wenn mehr KollegInnen aus unseren Reihen dabei wären. Dazu haben wir unseren Berufsverband bereits als erfolgreiches Beispiel im Bunde. Das würde natürlich auch unser aller Schlagkraft und Sichtbarkeit erhöhen. Deswegen mein Appell an die, die schon digital unterwegs sind: Macht den anderen Mut, berichtet von euren positiven Erlebnissen (gerne direkt hier unter meinem Beitrag) und warum die negativen euch nicht gleich das Genick gebrochen haben. Und mein Appell an die Zauderer: Fangt mit was Überschaubarem an, z. B. Twitter, da bekommt ihr schnell ein Gefühl für die Mechanismen und werdet bald mit ersten Erfolgserlebnissen in Form von Followern, Herzchen und Retweets belohnt.

Vielleicht hat ja auch jemand Lust, mit einem Gastbeitrag auf meinem Blog einen ersten Schritt zu wagen. Das fände ich toll. Mutige vor!