Kongress Ernährung 2018: Von der Kasseler Erklärung bis zur Kunst von Social Media

Kongress Ernährung 2018: Von der Kasseler Erklärung bis zur Kunst von Social Media

Ein riesiges Familientreffen – so fühlten sich die drei Tage auf der Ernährung 2018 in Kassel für mich an. In diesem Jahr konnte ich nur wenige Vorträge besuchen. Dafür habe ich den Stand eines Kunden auf der Industrieausstellung betreut und nebenbei fleißig genetzwerkt. Insgesamt habe ich viele neue Ideen und Eindrücke mitgenommen. Und auch bei einem der wichtigsten Programmpunkte war ich live dabei: Der feierlichen Unterzeichnung der

Kasseler Erklärung zur Verbesserung der ernährungsmedizinischen Versorgung, Ernährungsberatung und Ernährungsbildung.

Darin fordern die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), der Berufsverband Oecotrophologie (VDOE) und der Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM) gemeinsam,

dass Ernährungsmedizin und Ernährungsberatung fest in der Ausbildung, Klinik und Praxis etabliert werden und die Ernährungstherapie zur definierten Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen wird.

So sollen sich Übergewicht und Mangelernährung in Deutschland eines fernen Tages erledigt haben. Außerdem soll die Ernährungsversorgung von an Krebs erkrankten Menschen verbessert werden. Insgesamt stecken sehr viel Arbeit und ein jahrelanger Meinungsaustausch der drei Berufsverbände in der Kasseler Erklärung. Hoffentlich hat sich die Mühe gelohnt und stellen die Politiker endlich die richtigen Weichen.

Neue Idee für einfache Ernährungsempfehlungen?!

Zu ein paar Sessions habe ich es geschafft. Dabei habe ich im Vortrag über Krebsdiäten gelernt, wie die Kommunikation mit Krebspatienten besser gelingt. Nicole Erickson nutzte die Gelegenheit, auf die brandneue Website Was essen bei Krebs? zu verweisen. In der Session zur veganen Ernährung, zur Paleo-Diät und zum Intervallfasten habe ich einen guten Überblick darüber bekommen, was heute als gesichert gilt und was eher aus dem Reich der Spekulationen stammt.

Besonders spannend fand ich den Vortrag von Dr. Margareta Büning-Fesel vom Bundeszentrum für Ernährung. Sie stellte die Sinnhaftigkeit von Ernährungspyramiden für die Ernährungskommunikation zur Diskussion. Solche Pyramiden mit ihren vielen Details seien zwar gut für die Ernährungsberatung geeignet, nicht aber für die Information der breiten Masse.
Das könnte ein ganz einfaches Tellermodell vermutlich besser lösen. So sähe man auf den ersten Blick: Auf den Teller gehört immer Obst, Gemüse, eine Getreidekomponente und ein einweißhaltiges Lebensmittel. Tatsächlich gibt es solch ein Modell bereits in den USA unter Choose My Plate.

Ich bin gespannt, was aus Büning-Fesels Vorstoß wird. Auf jeden Fall wolle man das Thema zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und nicht im Alleingang weiter verfolgen.

Social Media – Ist das Kunst oder kann das weg?

Krönendes Highlight in Kassel war für mich die Social-Media-Sitzung, die meine Kollegin Corinna Dürr vorbereitet hatte. Corinna ist wie ich Diplom-Oecotrophologin, Texterin und PR-Beraterin und digital auf Foodkomm zu finden. In ihrer Session ging es im Grunde um die Frage, inwieweit sich das Mitmischen auf Social Media für Ärzte und Ernährungsfachkräfte lohnt oder vielleicht sogar Pflicht ist. Gleich drei Fürsprecherinnen versammelten sich zu dieser Frage auf dem Podium. Eine davon war Astrid Donalis vom VDOE, die den witzigen Hashtag #erna18 für die „Ernährung 2018“ erfunden hatte. Wer bereits bei Twitter, Facebook oder Instagram aktiv ist, erhält unter #erna18 auch im Nachhinein noch ein tolles Stimmungsbild der Tagung und Zugang zu vielen Infos aus sämtlichen Vorträgen – sofern dort Menschen saßen wie ich, die gleichzeitig zuhörten und twitterten… Und wofür das alles? Ganz einfach,

um mit unseren Themen präsent zu sein, unsere Expertise zu zeigen und unsere Verbände zu stärken,

betonte Astrid. Sie ist als Pressereferentin unter anderem für den VDOE-Blog und die Social-Media-Aktivitäten des VDOE verantwortlich. Komplett auf Social Media setzt auch Christa Goede. Sie ist Bloggerin und Social-Media-Managerin und macht überhaupt keine Printprodukte mehr, denn

bei Print weiß man nie, was mit den Materialien passiert. Bei Social Media habe ich immer das direkte Feedback und weiß, wie meine Aktivitäten ankommen.

Damit man sich nicht verzettelt, rät Christa allerdings unbedingt zu einer guten Strategie und Planung. Außerdem brauche es viel Ausdauer. Wer sich das allein nicht zutraut, nutzt für den Start am besten die Hilfe von Profis. Tatsächlich kam nach der Session ein Zuhörer zu mir an den Stand und wollte wissen, wo er denn solche Hilfe findet…

Trotzdem ist es nicht verkehrt, sich im Sinne von „einfach mal machen“ umzusehen, zum Beispiel sich einen Account bei Twitter anzulegen und erstmal in Ruhe zu beobachten, was dort passiert. Für welche Social-Media-Kanäle man sich entscheidet, hängt letztendlich davon ab, was man mit seinen Aktivitäten bezweckt. So ist Twitter mein Lieblingskanal, weil ich dort zeitnah mitbekomme, was es zu meinen Themen Neues gibt oder gerade diskutiert wird. Dort bin ich mit KollegInnen, Verbänden und Organisationen vernetzt. Ich werde als textende Ernährungswissenschaftlerin wahrgenommen und kann meine Expertise zeigen. Nebenbei freue ich mich über Retweets und Herzchen und schenke Anerkennung, indem ich selber solche verteile, wann immer es ein Tweet bzw. „Twitterer“ verdient hat 😉

Aktuell nähern sich die verschiedenen Kanäle immer mehr an, meinte Verena Franke. Sie ist Diätassistentin, Diplom-Oecotrophologin und Social-Media-Managerin. Sie ist für sich und ihre Kunden 24/7 online und veröffentlicht regelmäßige Podcasts zu Ernährungsthemen unter Herz auf der Zunge. Verena meint:

Instagram ist der dynamischste Social-Media-Kanal. Er lebt vom Bild und der Chatfunktion. Dort kann ich gut beobachten, was die jeweilige Zielgruppe interessiert.

Verena betonte, wie wichtig Redaktionspläne sind, um sich nicht zu verlieren. Die so geplanten Beiträge kann man dann immer noch spontan ergänzen. Hin und wieder sorgt ein witziger Post für die richtige bunte Mischung.

Ob sich Dr. Kersten Borchert, der einzige Arzt und Herr in der Runde, durch die für Social Media brennenden Damen von „kann weg“ zu „Kunst“ umstimmen ließ, weiß ich nicht. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass er ein wenig ins Grübeln gekommen ist.

Corinna hat übrigens ganz aktuell auf ihrem Blog eine Liste von guten Social Media Tipps & Tools zusammengestellt.

Ins Gespräch kommen und netzwerken

Die meiste Zeit verbrachte ich in diesem Jahr aber auf der begleitenden Industrieausstellung: Rein theoretisch kamen über 1.700 Besucher an meinem Stand für die kalifornischen Trockenpflaumen vorbei. Rein praktisch müssen es tatsächlich ziemlich viele von ihnen gewesen sein, denn Trockenpflaumen und Energyballs zum Probieren waren ziemlich schnell alle. Für mich ist solch eine Standbetreuung immer eine prima Abwechslung zum Arbeiten im Homeoffice. Außerdem geben mir die Gespräche mit ÄrztInnen, ErnährungsberaterInnen und Studierenden einen guten Einblick in die Arbeit bzw. Bedürfnisse „an der Basis“.

Zum Glück blieb zwischendurch trotzdem noch ein wenig Zeit, mit vorbeikommenden Kollegen, Referenten und anderen Kunden ganz analog, von Face to Face zu sprechen. Denn #erna18 war für mich wirklich das reinste Familientreffen und der einzige Wermutstropfen, dass ich mich nicht klonen und überall gleichzeitig dabei sein konnte.

 

 

Ernährung_2018_VDOE_Foodkomm_BZFE_Kalifornische_Trockenpflaumen
Ernährung_2018_Annette_Neubert
Ernährung_2018_Irmtrud_Wagner_Christoph_Meinhold
Ernährung_2018_Social_Media_Session

Hinweis: Dieser Blogpost enthält zahlreiche Verlinkungen für die ich keinerlei Honorar erhalten habe.