Rezension Sonderheft "Lebensmittel" - Superfoods unter der Lupe

Rezension Sonderheft „Lebensmittel“ – Superfoods unter der Lupe

Superfoods und andere „normale“ Lebensmittel, die eine genauere Betrachtung wert sind – davon handelt das Sonderheft 2018 der Ernährungs Umschau. Den Anfang macht ein Artikel aus der Feder der Verbraucherzentrale NRW. Der hat mir schon in seiner ersten 2016 erschienenen Fassung gute Dienste für meine Arbeit geleistet, in der Superfoods oft Thema sind: Was steckt überhaupt hinter diesem so gehypten Begriff? Wie ist die aktuelle Rechtslage? Welche Chancen und Risiken bringt die Beliebtheit von Avocado, Goji-Beeren oder Algen mit sich? Für dieses Sonderheft haben die Autorinnen ihre Übersicht auf den neuesten Stand gebracht. Das gilt auch für alle anderen Artikel, die bereits zwischen den Jahren 2013 und 2017 in ihrer jeweiligen Originalfassung in der Ernährungs Umschau erschienen sind.

Warenkunde und Effekte von Superfoods auf die Gesundheit

Fast alle Beiträge liefern Basisinformationen zur Warenkunde. Das gefällt mir sehr gut, denn so lernt man schnell etwas zur Botanik, Herkunft und Verwendung von Chiasamen, Acai, Goji-Beeren oder Moringa – lauter neue Lebensmittel, von denen ich noch vor ein paar Jahren nichts gehört hatte. Im Zentrum stehen dann natürlich die Inhaltsstoffe und die ernährungsphysiologische Qualität, denn die sollen ja der Grund dafür sein, dass Superfoods so super bzw. besser als „normale“ Lebensmittel sind: Welche Nährstoffe stecken also tatsächlich in welchen Mengen drin? Inwieweit tragen übliche Verzehrmengen zur Bedarfsdeckung bei?

Noch spannender wird es schließlich, wenn es um die wissenschaftliche Studienlage geht? Gibt es überhaupt Studien, die die postulierten Wirkungen wie krankheitsvorbeugende oder gar heilende Effekte belegen? Wie aussagekräftig sind die? Hier haben die jeweiligen Autoren die Ergebnisse aus In-Vitro- und In-vivo-Studien zusammengetragen. So gelingt eine erste Einschätzung, was von den Versprechungen zu halten ist, die in den Medien kursieren oder mit denen Klienten Ernährungsberater konfrontieren.

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Von A wie Acai bis W wie Wildkräuter

Insgesamt deckt das Sonderheft viele wichtige Lebensmittelgruppen ab, die in der letzten Zeit aus verschiedenen Gründen im Fokus der Lebensmittelindustrie, der Medien und Verbraucher stehen:

  • Acai-Beeren, die als Pulver oder Kapsel ewig jung halten sollen.
  • Algen und Algenprodukte, die durch ihren hohen Gehalt an Vitamin B12, Jod und Omega-3-Fettsäuren – nicht nur für Veganer – spannend sind.
  • Avocado, die mit Blick auf eine nachhaltige Erzeugung zunehmend in der Kritik stehen.
  • Chiasamen, die speziell Veganer als Nährstoffquelle und Ei-Ersatz schätzen.
  • Fleisch, dessen hoher Konsum zunehmend als mitschuldig für eine Reihe von Erkrankungen gemacht wird.
  • Goji-Beeren, deren Potenzial vielversprechend ist, bisher aber nicht durch wissenschaftliche Studien belegt werden konnte.
  • Ingwer, der einen guten Ruf als Heilmittel gegen Infekte, Magenbeschwerden oder Schmerzen genießt.
  • Kokosöl, das die deutsche Küche zwar bereichern kann, aber keine gesundheitlichen Vorteile beinhaltet.
  • Kulturspeisepilze, die allgemein im Trend sind und einen sorgfältigen Umgang im Haushalt erfordern.
  • Moringa, das es bei uns bisher hauptsächlich als Nahrungsergänzungsmittel in Form der pulverisierten Blätter gibt.
  • Pflanzliche Milchalternativen wie Soja- oder Nussdrinks, die für Veganer oder Kuhmilch-Allergiker interessant sind.
  • Pseudozerealien und glutenfreie Getreidesorten wie Amarant und Hirse, die im Zuge des „frei von“-Trends immer beliebter werden.
  • Schokolade, die dank der darin enthaltenen Flavonoide gut für Herz und Kreislauf sein soll, dank ihres Zucker- und Fettgehaltes aber schlecht für die Figur.
  • Wildkräuter, die als heimisches Superfood vom Wegesrand immer beliebter werden.

Fazit

Das Sonderheft „Lebensmittel“ liefert einen fundierten Zugang zu angesagten Superfoods und anderen zurzeit diskutierten Lebensmitteln. Wer die Originalartikel verpasst hat, kann sich mit diesem Heft schnell „aufschlauen“. Das finde ich sehr wichtig, denn viele Verbraucher haben – zu Recht – Spaß daran, neue Lebensmittel auszuprobieren. Oft lassen sie sich dazu durch Berichte in Zeitschriften oder via Social Media anregen, erhoffen sich manchmal sogar Wunderwirkungen. Umso wichtiger, dass wir Ernährungsfachleute auf dem Laufenden sind, wovon da überhaupt die Rede ist und was die Wissenschaft dazu sagt. Einziger Kritikpunkt: Im Heft selber findet sich kein Literaturverzeichnis. Das habe ich aber auf den Seiten der Ernährungs Umschau kostenlos zum Download gefunden.

Zu bestellen beim Umschau Zeitschriftenverlag (14,50 Euro als Download oder 16,50 Euro als Printausgabe).

Beitragsbild und Fotos für Collage: Pixabay