zwei grüne Bohnen auf braunem Hintergrund

Keine Empfehlung: Meeresfrüchtecocktail mit grünen Bohnen, Rosinen und frischem Koriander

Mein Blog-Salat ist beschenkt worden! Mit einer launigen Geschichte über Koriander, grüne Bohnen und andere kontroverse Lebensmittel. Einmal im Jahr bewichteln wir Textinen vom Texttreff – dem Netzwerk wortstarker Frauen – uns nämlich gegenseitig mit Blogbeiträgen. Dieses Jahr wurden mein Blog und ich von der wunderbaren Nina Bodenlosz beschenkt, die mit manchen Köstlichkeiten einfach nicht warm wird. Bei Koriander und Rosinen bin ich ganz bei ihr. Aber grüne Bohnen sind doch lecker oder etwa nicht?

Viel Spaß beim Lesen und herzlichen Dank, liebe Nina. Ab sofort werde ich beim Genuss (!) grüner Bohnen wohl immer an dich denken 🙂

Koriander ist kontrovers. Immerhin 17 Prozent aller Menschen in Europa empfinden das Kraut als widerlich, ekelhaft oder seifenartig. Der Abscheu kann bis zum Würgereiz gehen. Eine Studie fand heraus, dass dieser Ekel auch auf genetischen Ursachen beruht. Selbst in Regionen, wo Koriander alltäglich verspeist wird, hat ein kleiner Anteil der Bevölkerung diese genetische Disposition. Eine schreckliche Vorstellung, von Kindheit an täglich Berge von Koriander vorgesetzt zu bekommen, obwohl er nach Putzmittel und Seife schmeckt. Allerdings kann man angeblich trainieren, Koriander zu tolerieren.

Ich persönlich finde frischen Koriander in kleinen Dosen so lala, meine Gene sind da nicht entschieden. Aber ich kann gut darauf verzichten. Gehackter Koriander tarnt sich übrigens oft als Petersilie. Ich bin hier sehr vorsichtig geworden.

Sind andere Abneigungen beim Essen auch erblich? Mein Vater verabscheute sowohl Erbsen als auch grüne Bohnen. Er pflegte beim Anblick dieser Gemüse zu erzählen, dass er entgegen der Prophezeiungen seiner Mutter auch zu Hungerzeiten Erbsen und grüne Bohnen angewidert weitergereicht habe. Er blieb hungrig, aber in gewisser Weise war es wohl ein Triumph.

Erbsen liebe ich, aber mit grünen Bohnen kann man mich jagen. Als Bestandteil von Eintöpfen und Aufläufen schlucke ich sie hinunter, aber solo sind sie für mich ein No-Go. Grüne Bohnen sind ein sehr beliebtes Lebensmittel, das kann ich bezeugen. Die Kantine an meinem Arbeitsplatz könnte „Haus zur grünen Bohne“ heißen. Dabei finde ich grüne Bohnen hübsch. Ich mag ihre Farbe und auf Englisch reimen sie sich sogar. Nur ihr Geruch, ihr Aroma und ihre Konsistenz machen mich fertig. Beiße ich auf eine grüne Bohne, klebt sich ihr übler Geschmack auf meinen Gaumen, kriecht zwischen die Zähne, steigt in meiner Nase auf und schleicht sich in alle Zellen meines Körpers ein. Ich muss mich schütteln, Wasser trinken, anderes essen und mühsam Contenance bewahren, bis der böse Geist der grünen Bohne ausgetrieben ist. Vielleicht könnte ich trainieren, sie zu essen, aber ich wüsste nicht wozu. Nur wenn ich auf einem Planeten wohnen müsste, wo es nichts anderes zu essen gibt, würde ich es erwägen. Ich muss auch keine Spinnen streicheln.

Bei den grünen Bohnen widert mich in erster Linie der Geschmack an, bei Rosinen ist es die Konsistenz. Entweder sie sind glibberig. Früher versteckten sich oft solche Weichtiere in kleinen, feuchten Höhlen im Käsekuchen. Ich musste sie herauspuhlen oder höflich schnell schlucken. Schade um den Käsekuchen. Am anderen Ende des Rosinenspektrums finden sich harte, zähe, schwarze Klumpen, die schmerzlich süß sind und zwischen den Zähnen kleben bleiben.

Und dann gibt es noch die Lebensmittel, bei denen ich vor allem die Gestalt ekelhaft finde. Ganz vorne liegen hier die Meerestiere: Tentakel mit Saugnäpfen, Rosafarbenes, Embryonenhaftes mit vielen Beinstümpfchen, spinnenartige Wesen mit Außenskeletten. Ich wünsche allem Meeresgetier ein schönes Leben in intakten Biotopen. Viel Spaß und macht es gut. Nur nicht zwischen meinen Zähnen. Auch Muscheln und Schnecken müssen für mich nicht ihr Leben lassen. An dem Tag, an dem es Standard wird, Insekten zu verzehren, werde ich endlich Vegetarierin.

Zumeist gelingt es mir, den Lebensmitteln auszuweichen, die ich widerlich finde. Aber sobald ich mit ihnen konfrontiert bin, lodert heißer Abscheu auf. Der Widerwille ist körperlich spürbar. Es ist ein sinnliches Erlebnis. Würde es sich um Menschen handeln, könnte man Hassliebe vermuten. Doch hier ist von Liebe keine Spur. Dennoch ist das Phänomen ein anregendes Thema, stelle ich fest. Vielleicht sollte ich einen Horrorroman über grüne Bohnen schreiben.

Nina Bodenlosz
Foto: Ruth Frobeen

 

Nina Bodenlosz schreibt Romane, Erzählungen und kurze Texte, die von ihrem Blog Das Bodenlosz-Archiv aus in die Welt fliegen. Sie lebt in Berlin-Neukölln.

 

 

 

 

 

(Beitragsbild gezeichnet von Katarina Pollner)