Kulinarisch betrachtet: Schüleraustausch mit Australien (und ein bisschen China)

Kulinarisch betrachtet: Schüleraustausch mit Australien (und ein bisschen China)

Noch einmal schlafen, dann kommt unser Sohn nach Hause! Elf Wochen war er in Australien und zwar zu einem klassischen Schüleraustausch. Wir schließen morgen früh also nicht nur ihn in die Arme, sondern auch seinen Austauschschüler (nur bildlich gesprochen natürlich!), den er direkt mitbringt. Ich bin so aufgeregt und kann mich heute auf nichts konzentrieren. Da kann ich ja auch gleich was Passendes dazu schreiben.

Denn, abgesehen davon, dass das Ganze für unseren Sohn ein großes Abenteuer ist, ging es in den letzten Monaten ganz oft auch um die Frage: Was gab es zu essen? Eine Frage, die mich natürlich aus zweierlei Perspektive interessierte: Als Mutter und Ernährungsexpertin. Sogar ohne nachzufragen, bekamen wir viele interessante Berichte, Fotos oder sogar Links zu Rezepten, die ich ja mal ausprobieren könne…. Kein Wunder, denn das Thema Essen (lecker, gesund) steht bei uns zuhause immer ein wenig mehr im Vordergrund als bei anderen Leuten – meine Berufskrankheit eben.

Die Frage war in diesem Fall besonders spannend, da unser Sohn bei chinesischen Australiern untergebracht war. Er musste sich also nicht nur an bacon und eggs zum Frühstück gewöhnen (keine wirkliche Herausforderung für einen 15jährigen), sondern lernte viele chinesische Gerichte kennen. Die wurden oft von Gastmutter oder –vater gekocht. Hier zum Beispiel ein Rezept für Chinese Beef Meat Pie – sehr kompliziert! Oder es gab sie in entsprechenden Restaurants. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass man dort ziemlich häufig essen ging. Ideal für Jungs im Wachstum scheint mir dieses all-you-can-eat-Restaurant, das es unserem Sohn sehr angetan hatte.

Känguru-Fleisch - nur fotografiert, nicht gegessen.
Känguru-Fleisch – nur fotografiert, nicht gegessen.

down under: 3x täglich warm essen

Chinesischer Supermarkt in Sydney

Verblüffend fand ich, wie oft die Jungs beim Einkaufen dabei waren; jedes Mal in einer anderen Mall, von denen es in Sydney wimmelt. Was für ein Kontrast zu unserem „Einkaufsverhalten“ hier (nämlich meist mein Ding) und der Art von Läden, in denen ich unterwegs bin: Supermärkte, Bio- oder Gemüseladen, Wochenmarkt, Drogerie usw. Mein Sohn schlug bereits vor, wir könnten ja dann auch mal zusammen einkaufen gehen. Sehr gerne! Vielleicht führt das in unserer Familie sogar zu einer neuen Aufgabenverteilung.

Neben den vielen neuen Lebensmitteln, Gerichten und auch dem komplett anderen Essalltag („hier gibt es eigentlich den ganzen Tag warmes Essen“), war bald auch ein großes Thema, was es dort alles nicht gibt bzw. nicht gekauft wurde. Vor allem gutes Brot natürlich. Das mit dem German Butterbrot habe ich ja neulich schon unter die Lupe genommen. Ein sehr heikles Thema für mich, denn wir sind so eine richtige deutsche Vollkornbrot-Familie. Ich bin sehr skeptisch, ob wir unseren Gast dafür begeistern können. Am besten starten wir über das Wochenende erstmal mit einem bunten Brötchen-Angebot. Das mögen wir ja alle sehr gerne.

Demnächst: Deutsche Bratwurst, Käsekuchen und Apfelstrudel

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Da ist für Australier typisch deutsch: Oktoberfest

Gute Treffer werde ich wahrscheinlich mit deutscher Bratwurst und Schnitzel oder selbst gebackenem Käsekuchen und Apfelstrudel landen. Das wurde mir schon angekündigt. Na ja, morgen gibt es zur Begrüßung klassische Lasagne und einen Topfkuchen – eine gute europäische Mischung, mit der man nichts falsch machen kann, hoffe ich. Und dann müssen ja bald auch schon wieder Plätzchen für Weihnachten gebacken werden. Kennt man das in Australien oder China überhaupt?

Es wird jedenfalls spannend. Wenn mir der Spagat zwischen Schreibtisch und Kochtopf die Zeit lässt, werde ich bald berichten, wie sich der zweite Teil des deutsch-chinesisch/australischen Schüleraustausches in kulinarischer Hinsicht entwickelt. Diesen Teil des Abenteuers darf ich ja ab morgen selber hautnah miterleben und gestalten.