German Butterbrot – am besten aus Vollkorn

„Tag des deutschen Butterbrotes“ – jedes Jahr am 25. September erobert die typisch deutsche Erfindung die (sozialen) Medien, bevor angesagtere Trends ihr wieder den Rang ablaufen. Schade um das Butterbrot. Denn besonders als Vollkornbrot ist es kaum zu schlagen. Der Butterbrot-Tag hat mich daran erinnert, wie gerne ich schon immer Brot mit und ohne Butter, Käse, Wurst, Marmelade oder vegetarische Aufstriche mochte. Außerdem habe ich ein Rezept zum schnellen Selberbacken, das ich schon länger preisgeben wollte. Heute leiste ich also endlich meinen Beitrag zur Rettung des Butterbrotes.

Vom Graubrot meiner Kindheit zum Bio-Vollkornbrot

Als ich Kind war, kannte ich noch kein Vollkornbrot. Da gab es westfälisches Graubrot, fertig. Wenn ich zum Bäcker mitkommen durfte, habe ich schon auf dem Rückweg mit dem Finger in die weichen Seiten des frischen Brotes kleine Tunnel gegraben. Mmmh… Auf der Suche nach einem Foto von diesem Brot bin ich bei der Bäckerei Simon in Löhne gelandet. Wie viele andere westfälische Bäckereien backen sie dort noch nach alter Tradition dieses schlichte Natursauerteigbrot aus viel Roggen- und etwas Weizenmehl. Seine Form rühre übrigens daher, dass die Westfalen es so als Klappstulle am besten in ihre Brotdosen packen konnten, klärte mich Herr Simon auf.

Steinofen Graubrot Simon

Praktisch eckig: Westfälisches Graubrot / Foto: www.baecker-simon.de

Als ich zum Studieren nach Bonn ging, hatte es sich mit dem Graubrot. Außerdem war das sowieso die Zeit, in der Vollkorn immer beliebter und Bioläden langsam gesellschaftsfähig wurden. Hier bin ich dann endgültig auf den Geschmack von Vollkornbrot gekommen und ihm bis heute treu geblieben.

Natürlich spielte dabei auch die Gesundheit eine Rolle – Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe aus dem vollen Getreide und was die für den Organismus leisten. Das lernte ich schließlich im Studium der Enährungswissenschaften. Aber es schmeckte mir auch. Außerdem faszinierten mich die vielen Sorten, besonders solche wie Weizenvollkorn-Nuss-Brot, die ich mir damals gerade so leisten konnte.

Diese Vielfalt begeistert mich noch heute. Deshalb kann ich es nicht verstehen, wenn Leute pauschal sagen, sie mögen kein Vollkornbrot. Dann frage ich mich immer, welches sie eigentlich meinen? Denn die Bandbreite von einem Dinkeltoast aus fein gemahlenem Dinkelvollkornmehl bis zu einem herzhaften Roggen-Ganzkorn ist so extrem groß – jedenfalls in einem gut sortierten Bioladen.

Ein bisschen anders sieht es in „normalen“ Bäckereien aus. Da gibt es zwar auch viele Sorten, aber nicht immer ist ein richtiges Vollkornbrot dabei. Und im schlimmsten Fall weiß selbst das Verkaufspersonal nicht, was ein Vollkornbrot ausmacht: ein Brot, das mindestens 90 Prozent Vollkornmehl enthält. Dazu muss es kein „Körnerbrot“ sein und schon gar nicht mit Gerstenmalz zu einem „dunklen“ Brot gefärbt werden.

Butterbrote für 4 Personen = 750 Gramm Brot pro Tag

Als ich meinen Mann kennenlernte, habe ich ihn ziemlich schnell zum Vollkornbrot bekehrt. Und natürlich gehörte „gutes Brot“ auch für unsere Kinder von klein an dazu. Trotzdem gibt es bei uns auch weiße Brötchen, Baguette oder Focaccia – zur Abwechslung und weil die zu manchen Gerichten einfach besser passen. Das Ganze hat dazu geführt, dass ich fast täglich Brot kaufen, auftauen oder selber backen muss. Denn im Schnitt benötigen wir pro Tag ein Brot. Das steht beim Frühstück zusammen mit dem Müsli auf dem Tisch und kommt in die Brotdosen für die Schule. Und das gibt es als klassisches „Abendbrot“, wenn wir alle schon was Warmes zum Mittagessen hatten.

Wie typisch deutsch so ein Butterbrot ist, merke ich zurzeit an den Berichten meines Sohnes. Der weilt nämlich zum Schüleraustausch in Australien und gewöhnt sich das Brotessen dort gerade ab. Stattdessen startet er morgens mit Schinken und Eiern in den Tag und isst mittags (in der Schule) und abends (zuhause) warm. Es kam aber bereits eine erste Bemerkung, dass er so langsam unser gutes Brot vermisst. Neulich sah er in Sydney sogar eine Lüneburger German Bakery, leider ohne dort einzukaufen. Nun bin ich gespannt, wie dem Austauschschüler demnächst unsere Brotkultur hier gefallen wird und ob ich außer mit „german Bratwurst“ auch mit „german Butterbrot“ punkten kann.

Hefebrot selber backen geht schneller als kaufen

Butterbrote aus hellem Vollkornbrot sind lecker und gesund.

Ganz sicher wird dem Australier mein selbst gebackenes Brot schmecken. Das hoffe ich jedenfalls. Das backe ich nämlich zur Freude aller immer dann, wenn ich keine Zeit zum Einkaufen habe und die Tiefkühl-Brotvorräte aufgebraucht sind. Es ist ein schnelles Hefebrot aus Vollkornweizenmehl. Oft backe ich die doppelte Menge in der extragroßen Kastenform, damit es wenigstens für zwei Tage reicht. Der Clou an dem Rezept ist, dass der Teig nicht vor dem Backen gehen muss. Die Form mit dem Brotteig kommt einfach in den kalten Backofen. Während der langsam aufheizt, geht das Brot wunderbar auf. Nebenbei verbreitet es einen tollen Duft im ganzen Haus. Zeitaufwand für mich (ohne Spülen) etwa 15 Minuten. Dazu das Lob der Familie. Passt!

[Ergänzung 8.06.2020: Wer so ein „schnelles“ Hefebrot nicht gut verträgt, gibt ihm einfach mehr Zeit zum Gehen. Im Beitrag Flower Focaccia erkläre ich die Vorteile der langen Teigführung.]

Low Carb muss nicht sein

Zum Schluss noch kurz meine Meinung zu „low carb“ – also der (extremen) Einschränkung von Kohlenhydraten. Ich halte davon nichts und bisher spricht auch die wissenschaftliche Forschung nicht dafür, dass sich unsere Gesundheitsprobleme so lösen lassen. Davon abgesehen kommen bei dieser Ernährungsform zwangsläufig mehr tierische Lebensmittel auf den Tisch. Ich wüsste nicht, wie ich so meine Familie satt bekomme 😉 Bei Kohlenhydraten in Form von Zucker wie in der Limo bremse ich dagegen sehr wohl. Die kommt (wie die weißen Brötchen) nur manchmal auf den Tisch.

Wer gut auf Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis und so weiter verzichten kann, bitte sehr – vorausgesetzt, der restliche Speiseplan passt und das tierische Protein hatte ein artgerechtes Leben. Wer aber abnehmen oder einfach nur gut und abwechslungsreich essen möchte, sollte sich den Genuss von Brot nicht nehmen lassen. Denn nicht (Vollkorn)brot, Nudeln oder Kartoffeln machen dick, sondern zu viel Wurst oder Käse oben drauf bzw. die fette Soße drumherum.

Schnelles Weizenvollkornbrot mit Hefe
 
Zubereitungszeit
Backzeit
Gesamtzeit
 
Autorin:
Zutaten
  • 500 ml lauwarmes Wasser
  • 1 TL Salz
  • ½ TL Honig
  • ½ Würfel Hefe (20 g)
  • ca. 600 bis 650 g Weizenvollkornmehl
  • Butter oder Margarine zum Ausfetten der Form
  • feine Haferflocken zum Ausstreuen
  • nach Geschmack mit Mohn, Sesam, Sonnenblumenkerne, Haselnusskerne etc.ergänzen
Zubereitung
  1. Das lauwarme Wasser in eine Rührschüssel füllen.
  2. Salz, Honig und zerbröckelte Hefe dazu geben und gut verrühren.
  3. Nach und nach Mehl mit dem Handmixer (Knethaken) oder in einer Küchenmaschine unterrühren. Der Teig soll eine zähklebrige Konsistenz bekommen.
  4. Die Kastenform mit Butter oder Margarine einfetten und mit den Haferflocken ausstreuen.
  5. Den Teig vorsichtig in die Form gleiten lassen und mit Haferflocken bestreuen.
  6. Die Form in den kalten Backofen stellen, den Ofen anstellen und bei 200 °C etwa eine Stunde backen bis das Brot goldbraun und knusprig ist

 

2 Kommentare

  1. Julia sagt:

    Sehr schön zu lesen – während ich mein Vollkornbrötchen mit Käse genoß :-)!

  2. Paul sagt:

    Schöner Beitrag!

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