Pilze sammeln - kein schnelles Hobby für Morgenmuffel

Pilze sammeln – kein schnelles Hobby für Morgenmuffel

Vor drei Wochen ging endlich ein kleiner Traum für mich in Erfüllung: Ich war zum allerersten Mal Pilze sammeln bzw. suchen. Warum ein Traum? Weil ich das schon seit Jahren – spätestens seit ich 2008 diesen Artikel über Pilze geschrieben habe – vorhatte. Aber mein guter Rat von damals: „Wer es richtig machen will, nimmt am besten erst einmal an einer Pilzexkursion teil, wie sie gerade im Spätsommer und Herbst von vielen Volkshochschulen oder Pilzfreunde-Vereinen angeboten werden“ ließ sich irgendwie Jahr für Jahr nicht in die Tat umsetzen. Mal passten die Termine nicht, mal war die Anreise zu weit, mal war die Hauptsaison schon wieder rum, bis ich auf die Idee kam.

Exklusive Pilzexkursion aus reiner Nettigkeit

So blieb mein Wunsch lange unerfüllt bis sich vor den Herbstferien folgende Kette an Ereignissen ergab: Ich traf den Vater einer Freundin meiner Tochter, der an diesem frühen Sonntag schon erfolgreich unterwegs gewesen war. Der Anblick seines vollen Korbes (und er meinte noch, das sei eher wenig) ließ mich den ganzen Tag nicht mehr los. Das erzählte ich nachmittags einer meiner Freundinnen beim Sonntagsspaziergang. Diese Freundin hörte wiederum am nächsten Morgen von ihrer Arbeitskollegin Sonja, wie toll die am Wochenende Pilze gesammelt hatte und erzählte ihr von mir. Einige Emails und drei Tage später fanden mein Mann und ich uns frühmorgens vor der Arbeit mit eben dieser Kollegin im Wald wieder, wo sie uns aus reiner Nächstenliebe eine exklusive Einführung ins Pilzesammeln gab. Hört sich fast wie eine erfundene Geschichte an, ist aber genau so passiert.

Sonja sammelt seit etwa zehn Jahren Pilze und kennt sich mittlerweile sehr gut aus. Auf der fast halbstündigen Anreise (wir mussten ja erst einmal das Naturschutzgebiet Siebengebirge hinter uns lassen) versorgte sie uns mit ein paar grundsätzlichen Infos: „Wir sammeln nichts mit Lamellen, weil da ist die Ausbeute an essbaren Pilzen nicht hoch genug und es dauert zu lange, bis man die dann zuhause in der Küche bestimmt hat. Wir suchen also nur Schwämme bzw. Röhrlinge, das ist für Anfänger am sichersten.“ Auf so eine einfache Regel wäre ich natürlich von allein nie gekommen. Bisher hatte ich immer gedacht, man sitzt vor jedem Pilz mit Bestimmungsbuch und versucht herauszufinden, welcher das ist und ob man den essen kann.

Während wir uns durch den noch ziemlich dunklen Wald schlugen, kamen weitere Grundregeln dazu wie „nichts sammeln, das auf totem Baum oder Holz wächst“ und natürlich „nur möglichst frische knackige Pilze mitnehmen“.

Trichterlinge, Maronenröhrlinge, zwei Hexenröhrlinge und ein Steinpilz

Dann machten wir endlich die ersten essbaren Funde: Trichterlinge. Die könne man essen, seien aber kein wirklicher Genuss, erklärte uns Sonja. Man nimmt sie quasi mit, um die Pfanne zu füllen. Immerhin: Unsere ersten selbst entdeckten Speisepilze! Am Beispiel der Trichterlingen lernten wir dann ein paar praktische Handgriffe: unten abschneiden, schauen, ob keine Maden oder Schnecken dran waren, und dann bereits vor Ort so sauber putzen, dass sie zuhause direkt in die Pfanne können. Das mit den Maden ist – neben anderen Frühaufstehern, die uns die Pilze wegschnappen könnten – übrigens der Grund dafür, dass Pilzesammeln nichts für Morgenmuffel ist.

Wunderschöne Fliegenpilze Foto: Freitag-Ziegler
Wunderschöne Fliegenpilze
Foto: Freitag-Ziegler

Unser zweiter bedeutender Fund waren einige wunderschöne Fliegenpilze. Wie im Bilderbuch leuchteten die im schattigen Wald und waren ohne Bestimmungsbuch leicht zu erkennen. Bekanntermaßen giftig, aber wirklich malerisch. Als nächstes fanden wir einige Maronenröhrlinge. Lecker, meinte Sonja. Und dann die Krönung: ein dicker Steinpilz.

Haupttreffer: Ein Steinpilz Foto: Freitag-Ziegler
Haupttreffer: Ein Steinpilz
Foto: Freitag-Ziegler

Spätestens jetzt war unser Jagdfieber entfacht. Aber obwohl so ein Steinpilz meist noch ein paar Verwandte in der Nachbarschaft hat, blieb es leider bei dem einen Exemplar. Die nächsten Trichterlinge ließen wir jetzt allerdings stehen, denn zum Pfannefüllen brauchten wir die nun nicht mehr. Dafür stolperten wir zum Schluss noch über zwei Netzstielige Hexenröhrlinge. Bei denen waren zwar unten am Stiel schon die Maden dran gewesen, aber den könne man abschneiden und den Rest dann noch gut essen. Das funktioniert allerdings nur, wenn man den Pilz genau kennt, denn sonst braucht man den Stiel zuhause zum Bestimmen.

Die Maden waren schneller Foto: Freitag-Ziegler
Die Maden waren schneller
Foto: Freitag-Ziegler
Netzstieliger Hexenröhrling Foto: Freitag-Ziegler
Netzstieliger Hexenröhrling
Foto: Freitag-Ziegler

Nach einer guten Stunde hatten wir unseren Korb zwar nicht gefüllt, aber genug für eine kleine Pilzmahlzeit zusammen. Mehr Zeit hatten wir leider an diesem frühen Morgen nicht, weil ja unsere Schreibtische auf uns warteten, aber für einen ersten Eindruck war es perfekt. Vor allem haben wir gelernt, dass es mit einer einmaligen kleinen Pilzexkursion natürlich nicht getan ist und dass man viel mehr Geduld braucht als gedacht, um überhaupt welche zu finden. Als ich jedenfalls heute mit etwas Abstand nochmal meinen Mann nach seinem Fazit fragte, meinte er „ich dachte, da sei mehr drin“.

Unsere ersten selbst gesammelten Pilze! Foto: Freitag-Ziegler
Unsere ersten selbst gesammelten Pilze!
Foto: Freitag-Ziegler

Entschleunigung, Achtsamkeit, Wertschätzung von Lebensmitteln

Was mich angeht: Das könnte genau mein Ding werden. Denn frühmorgens durch die Natur ziehen, die Nase voll mit Waldgeruch und dann abends auch noch ein selbst gesammeltes Essen genießen – so etwas finde ich toll. Entschleunigung, Achtsamkeit, Wertschätzung von Lebensmitteln und Natur – auch diese Begriffe gingen mir beim Sammeln (und späteren Essen) durch den Kopf. Ich weiß aber jetzt auch, dass es dauern wird, bis ich mich das allein trauen werde. Bis dahin schaffe ich hoffentlich noch die ein oder andere längere Exkursion, z. B. mit dem NABU. Wenn ansonsten jemand jemanden kennt, der so nett wie Sonja ist, mich mitzunehmen, sagt Bescheid! Um die Wartezeit zu überbrücken, werde ich mir erst einmal ein gutes Bestimmungsbuch kaufen (eines mit vielen Bildern, denn das sei für Anfänger wichtig, riet Sonja), damit ich für den nächsten Ausflug gewappnet bin.

Hier noch der Link zur Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Auf deren website findet man viele Infos zu Pilzen und nützliche Links (z. B. zu pilzkundlichen Vereinen, die auch oft Exkursionen anbieten, oder zu Pilzsachverständigen).