Portulak oder Postelein

Postelein oder Portulak – deutscher Wintersalat und Nährstoffbombe

Postelein, die Nährstoffbombe? Normalerweise sträuben sich mir die Nackenhaare, wenn einzelne Lebensmittel so tituliert werden. Aber der Postelein – auch Winterpostelein, Portulak oder Winterportulak genannt – verdient dieses Attribut wirklich: In 100 g stecken 95 mg Calcium, 150 mg Magnesium, 3,6 mg Eisen und 70 mg Vitamin C. Da erblassen andere Salate vor Neid. Außerdem enthält Postelein ausgesprochen wenig Nitrat. Das ist oft ein Problem bei Blattsalaten, vor allem, wenn sie im Winter aus Treibhäusern kommen.

Für mich ist Postelein aber vor allem eins: Eine willkommene Abwechslung zu Feldsalat. Der ist zwar auch ziemlich lecker und reich an Nährstoffen (z. B. Beta-Carotin, Eisen und Folsäure), aber irgendwann kommt er mir dann doch ein wenig zu den Ohren heraus. Und ich muss zugeben: Je länger der Winter dauert, desto mehr verliere ich auch die Lust auf Grünkohl, Lauch, Rosenkohl, Rote Bete und all die anderen Wintergemüse.

Bei dem Gedanken an einen großen bunten Frühlings- oder Sommersalat mit allem Drum und Dran läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Aber soweit ist es ja noch lange nicht. Daran ändert auch nicht, dass Kopf- und Blattsalate das ganze Jahre über wie selbstverständlich als Importware in den Gemüseregalen liegen und überall schon von Frühlingsrezepten die Rede ist. Da kann der deutsche Winterpostelein gut beim Überbrücken helfen. Der hält selbst ordentlichen Frost aus; erstaunlich für einen Salat, der mit seinen zarten Blättern gar nicht so robust erscheint. Von Oktober und jetzt noch bis März/April wächst Postelein im unbeheizten Folientunnel und ist oft aus regionalem Anbau zu haben.

Postelein als Salat oder Gemüse

Ich mag den Postelein am liebsten als Solisten. Dann kommt der frische, etwas säuerliche Geschmack am besten zur Geltung. Dazu passt gut ein leicht süßes Dressing mit Joghurt, Zitrone und Honig oder eine klassische Vinaigrette.

Etwas nerven können die langen Stiele. Die isst man aber unbedingt mit, sonst bliebe wenig vom kostbaren Salat übrig! Denn Postelein hat wie guter Feldsalat seinen Preis: Ich habe ihn bisher vor allem im Bioladen gefunden und dort kosten 100 g etwa einen Euro. Nach dem Waschen trenne ich die Stiele einfach von den herzförmigen Blättern ab und schneide sie wie Schnittlauch in Röllchen. Die dienen dann als Topping. Wer mag, kann den Postelein natürlich auch mischen, zum Beispiel mit Chicorée (oder Feldsalat), und dazu noch ein paar gehackte Walnüsse oben drauf streuen.

Postelein mit Chicoree und Walnüssen
Postelein schmeckt solo oder gemischt mit anderen Wintersalaten wie Feldsalat oder Chicorée.

Man kann Postelein auch wie Spinat als Gemüse zubereiten, zum Beispiel zu Gnocchi verarbeiten oder einer Postelein-Suppe. Das habe ich bisher noch nicht ausprobiert, weil ich eben immer so viel Lust auf frischen Salat habe. Aber bei nächster Gelegenheit werde ich mal einen Versuch wagen.