Wie kochen und essen Studenten?

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Zutaten für Kürbissuppe

Studentinnen und Studenten haftet der zweifelhafte Ruf an, dass sie nicht kochen. Weil sie keine Zeit und Lust oder es schlichtweg zuhause nicht gelernt haben. Klischee oder Realität? Zumindest mein Sohn und sein Mitbewohner zeigen, wie wichtig ihnen gutes und selbst gekochtes Essen ist. Und weil sie wissen, wie sehr ihre Eltern, besonders mich Oecotrophologen-Mama, das freut, schicken sie immer mal wieder Beweisfotos 🙂

Ein paar davon möchte ich mit euch teilen. Weil mich das immer ein wenig stolz macht. Und weil ich daran ja nicht ganz unbeteiligt bin. Bei uns kommt der Kartoffelbrei nämlich nicht aus der Tüte und die Bolognese-Soße nicht aus dem Glas. So etwas prägt den (guten) Geschmack und mag man dann auch als StudentIn nicht missen.

Außerdem haben die zwei schnell festgestellt, dass selber kochen oft billiger ist als Fast Food. Vor allem, wenn man neben dem Studium auch noch Leistungssport betreibt und große Portionen verdrücken kann. Da scheidet dann leider auch die Mensa aus, in der zwei hungrige Jungs nicht wirklich satt werden.

Neun Beispiele für gesunde Studentenküche

In dieser Studenten-WG kommt jede Menge frisches Gemüse und Selbstgekochtes auf den Tisch.

Was sagt die Statistik?

Das Beispiel vom Sohn beantwortet aber noch nicht die Frage nach Klischee oder Realität. Könnte ja sein, dass er und sein WG-Genosse die totale Ausnahme sind. Ich habe also mal geschaut, was die Statistik dazu hergibt. Die Uni Maastricht hat für die Untersuchung „Was kommt bei Studenten auf den Tisch“ 19.000 Studierende befragt. Dabei kam heraus, dass mehrmals pro Woche oder täglich

82 % selber kochen

37,3 % sich bekochen lassen

43,2 % essen gehen (inklusive Mensa, Imbissbude etc.).

Auch, dass so viel Gemüse auf den Teller kommt, scheint nicht nur bei meinen Jungs der Fall. Bei der Frage nach den beliebtesten Lebensmitteln stand Gemüse gefolgt von Obst an der Spitze:

87,1 % essen täglich oder mehrmals die Woche Gemüse und Salat

Wer sich für weitere Details und die Unterschiede zwischen Studentinnen und Studenten interessiert, kann sich die gesamte Studie als PDF runterladen. Darin wurde zum Beispiel auch das Thema Sport und Ernährung abgefragt und zeigte sich: Studierende, für die Sport und Bewegung den höchsten Stellenwert haben, kochen häufig selber. Sie werden nur von denjenigen übertroffen, für die Ernährung und Kochen am wichtigsten sind.

Ganz anders sieht es bei Studierenden aus, die einen Hang zu „Internet und Games“ haben. Die essen deutlich häufiger Fertiggerichte als andere Gruppen. Damit hätte sich zumindest dieses Klischee bestätigt …

 

7 Kommentare

  1. Liebe Gabriela,
    die Gamer haben ja auch keine Zeit zu kochen 😀
    Ich erinnere mich an meine Studentenzeit, als mein Mann und ich zusammen 6 DM(!) am Tag zum Leben hatten. Miete und Nebenkosten waren bezahlt, aber für ALLES andere hatten wir 6 Mark. Gesunde Ernährung war in den 80ern kein Thema (jedenfalls nicht so wie heute), und meine Eltern (im Ggs. zu seinen) hätten auch niemals Fertigzeugs gemacht und haben alles frisch gekocht. Fertigkartoffelbrei gab es bei uns auch nie, aber eine endlose Reihe an Spaghetti, Bratkartoffeln, Reispfanne und dann wieder von vorne. Ansonsten Brot, Toast und Aldischeibenwurst / Käse. Mehr war von der Kohle nicht zu stemmen und vermutlich fehlte uns auch die Fantasie. Ganz selten haben wir mal was aus unserem Lieblingskochbuch gekocht. Achja, und Mensamarken hatten wir, aber da konnte man nur an bestimmten Tagen hin, und auch nur in bestimmte Mensen, weil das Essen nicht überall und jederzeit genießbar war.
    Kind 1 hat auch nicht viel Geld, kocht zwar selbst, aber wohl auch nicht sonderlich gesund und Kind 2 wird Konditorin und gibt gerne Dinnerparties 🙂
    Die beiden anderen wohnen noch zu Hause und müssen meine Koch-Experimente aushalten. Selber kochen sie auch ab und zu: Entweder total aufwändig oder irgendwas Simples, wenn es schnell gehen muss. Da ist also bei allen noch Luft nach oben. Aber ich versuche gerade alle an mehr Gemüse zu gewöhnen 😉
    Liebe Grüße
    Petra

    1. Gabriela Freitag-Ziegler sagt:

      Liebe Petra, danke für deine Erinnerungen und die erhellenden Infos zu Kind 1 bis 4 🙂 Luft nach oben in Sachen Gemüse haben wir vermutlich alle. Ich finde, gerade für die Studentenküche und Koch-Anfänger eignet sich Gemüse perfekt. Damit kann man wenig falsch machen, es passt super zu Spaghetti und Co. und kann Fertiggerichte aufpeppen. Bei uns „gehen“ mittlerweile viel mehr Sorten als früher (auch Rosenkohl!), wenn sie aus Wok, Pfanne oder Backofen kommen. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Gemüse-Gewöhnungs-Projekt und guten Appetit, Gabi

  2. Sabine sagt:

    Super Hinweis auf die Studie, danke dafür!

  3. Sabine sagt:

    Wow, das sieht ja wirklich gut und abwechslungsreich aus, was da auf den Tisch kommt! Und die Studie macht von der Tendenz her ja auch optimistisch. Allerdings frage ich mich gerade, wie das Bild wohl aussähe, wenn man eine repräsentative Studie über die gesamte Altersgruppe machen würde, also nicht nur Studierende einbezöge. Denn manchmal denke ich (und lese ich), dass ordentliche Ernährung immer mehr auch zum sozialen Distinktionsmerkmal wird; dass höher Gebildete genau das, nämlich ihre höhere Bildung, auch durch das demonstrieren, was sie essen. Die soziale Schere zeigt sich dann im Können, im Wissen und in der Gesundheit.

    1. Gabriela Freitag-Ziegler sagt:

      Liebe Sabine, guter Hinweis. Ein paar Antworten auf deine Fragen finden sich in der Umfrage Food-Trends bei jungen Erwachsenen, die 2017 im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW durchgeführt wurde. Darin bestätigt sich genau das, was du meinst: Die Befragten mit höherer Bildung essen häufiger frisch Zubereitetes als andere Gruppen. Und das bestätigt einmal mehr, das der Schlüssel zu gutem Essen in der Ernährungsbildung liegt.

  4. Antje sagt:

    Liebe Gabriela,
    „meine“ sind zwar noch nicht ganz im Studium, aber deine Erfahrung, dass diejenigen, die zu Hause kochen als etwas Selbstverständliches erlebt haben, es als junge Erwachsene zu schätzen und zu machen wissen, kann ich nur bestätigen. Oft komme ich aus dem Büro und finde meinen 19-jährigen am Herd. Als neulich mal eine Freundin zu Besuch war und sie sich etwas zu essen machten, bekam ich mit, dass sie ganz erstaunt war, dass zum Sandwich ganz selbstverständlich Gemüse gehört. Was IHN wiederum erstaunte ;).
    Hinter die Aussagen der Statistik/Befragung würde ich mal ein kleines Fragezeichen setzten. „Wichtig“ und „esse ich täglich“ findet sich vermutlich nicht so auf den Tellern wieder wie es sich die Empfehlungen wünschen.
    Andererseits ist es eigentlich auch egal, ob es wirklich stimmt – so lange es die Peers dazu animiert, mal selber zu überlegen, ob selber kochen und Gemüse essen nicht wirklich eine gute Idee ist. Und dann mal nachzufragen und sich zum Kochen zu verabreden 😉

    1. Gabriela Freitag-Ziegler sagt:

      Liebe Antje, danke für den Blick in dein Zuhause. Und ja, ich finde auch, dass man solche Umfragen – wie auch den aktuellen Ernährungsreport – mit Vorsicht genießen muss. Aber immerhin, zumindest ein gewisses Bewusstsein scheint vorhanden, das Glas ist also halbvoll…

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