Julia Icking

Oecotrophologin Julia Icking im Interview: „Der eigene Blog als Schaufenster“

Herzlich willkommen zum zweiten Beitrag meiner Reihe „Bloggende ErnährungsexpertInnen im Interview“. Damit führe ich fort, was ich im letzten Jahr begonnen habe: Mich stark machen für eine bessere Vernetzung und Sichtbarkeit von OecotrophologInnen und ErnährungswissenschaftlerInnen.

Dieses Mal habe ich Julia Icking befragt. Julia gehört wie Melanie Kirk-Mechtel zu meinem engsten Bonner Netzwerk. Sie bezeichnet sich selbst als Lebensmittelentdeckerin. Das verbindet uns beruflich und privat und hat mittlerweile zu einem intensiven und regelmäßigen Austausch geführt. Zum Beispiel zu fachlichen Fragen rund um angesagte Lebensmittel oder die neuesten Trends. So schlaue ich mein Wissen zu neuartigen Lebensmitteln wie Hanfsamen gerne durch einen Blick in Julias Texte auf. Da weiß ich im wahrsten Sinne des Wortes, wer es geschrieben hat, und dass ich mich auf den Inhalt verlassen kann.

Julia bloggt seit Anfang 2016 für das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Vor kurzem hat sie auf ihrer Website einen eigenen Blog gestartet. Dort schreckt sie auch nicht vor so erklärungsbedürftigen Themen wie „Bauernbrot mit eigenem Sauerteig backen“ zurück. Das führt mich gleich zu meiner ersten Frage:

Liebe Julia, dein Blogpost zum Bauernbrot hat mich schwer beeindruckt, weil ich das Thema Sauerteig so kompliziert finde. Reizen dich solche Dinge besonders oder wie ist es zu diesem Beitrag gekommen?

Was mich besonders reizt, ist das Selbermachen. Dabei ist es mir egal, ob es kompliziert oder einfach ist. Ich esse so gerne Brot und bewundere handwerkliche Bäcker, dass ich das unbedingt verstehen wollte. Also habe ich mich reingekniet und es am Ende hingekriegt. Zwischendurch gab es aber auch mal steinhartes Brot.  Jetzt bin ich auf mein Bauernbrot ziemlich stolz und habe schon angefangen, das Rezept zu verändern: Mehr Vollkornmehl, dazu ein paar Sonnenblumenkerne. Lecker. Das ist typisch für mich, wenn etwas gut gelungen ist, bin ich stolz, möchte es aber auch gleich weiterentwickeln.

Auf deiner Website schreibst du „Text ist mein Handwerk, Ernährung mein Know How“. Wann ist dir klar geworden, dass du dich genau mit dieser Mischung selbständig machen möchtest?

Dass ich was mit Ernährung machen möchte, war schon in der Oberstufe klar. Das war einfach mein Interesse. Schreiben hatte ich immer mal wieder auf dem Schirm, aber bis zum Texten hat es noch ein bisschen gedauert. Erstmal habe ich für einen Cateringservice gearbeitet. Viel Büro, aber auch Küche, Kundenkontakt, Akquise und ein bisschen Buchhaltung. Das war eine bunte Mischung, die auch wirklich viel Spaß gemacht hat.

Nach meiner Elternzeit wollte ich dann aber etwas Neues machen. Da kam die Selbständigkeit ins Spiel. Bei der Entscheidung hat mir übrigens das Mentoring-Programm des VDOE geholfen. Ich hatte eine tolle Mentorin, die mit mir verschiedene Möglichkeiten ausgelotet hat. Dann fiel die Wahl auf das Textbüro und ich habe es seit 2013 nicht bereut.

 Du bloggst jetzt schon seit fast drei Jahren für den „was-wir-essen-Blog“ des BZfE, nun auch noch ein eigener Blog auf deiner Website. Hast du keine Angst, dass dir irgendwann die Ideen ausgehen?

Nein, nicht die Themen, eher die Zeit. Interesse für Lebensmittel, Essen und Kochen sind bei mir Beruf und Hobby in einem. Wenn ich für Kunden blogge, halte ich mich natürlich an deren Schwerpunkte. Aus der Redaktion gibt es dann ja auch immer wieder Hinweise und Ideen, in welche Richtung ich mal denken könnte.

Den eigenen Blog habe ich angefangen, um in den Themen freier zu sein. Natürlich gibt es bei mir Rezepte, ich möchte aber auch Rezensionen schreiben und mich mit guten Texten beschäftigen. Denn auch darüber gibt es viel zu sagen.

Welche Ziele verfolgst du konkret mit deinem Blog und welche Zielgruppen hast du dabei im Blick?

Mein Blog ist sozusagen der Blick hinter die Kulissen. Ich zeige, was mich interessiert, womit ich mich beschäftige und richtig gut auskenne. In den Artikeln kann ich mich und mein Wissen zeigen. Ich möchte für Kunden greifbar sein, damit schon vor dem ersten Telefonat erkennbar ist, was ich für sie tun kann.

Das ist ein bisschen wie bei Geschäften. Wenn mir das Schaufenster und die Waren vor dem Laden gefallen, gehe ich gerne rein. Der Blog ist quasi mein Schaufenster. Wenn jemand Texte sucht und ihm gefallen meine Blogartikel, kann er mit mir Kontakt aufnehmen.

Ich freue mich aber auch, wenn ich einfach Leute zum Ausprobieren und Entdecken anregen kann. In meinem persönlichen Umfeld werde ich für meine Artikel oft gelobt – das ist schön! Konkrete Nachfragen, zum Beispiel zum Sauerteigrezept, zeigen mir dann, wo ich nochmal nachbessern muss.

Du schreibst auch noch für die Blogs verschiedener Kunden. Was reizt dich beim Bloggen am meisten?

Was ich am bloggen mag? Bloggen ist persönlich. Selbst wenn ich im Namen eines Kunden schreibe, transportiert ein Blogartikel die persönliche Sicht. Ein guter Blogartikel ist wie ein Gespräch. Jemand hat ein Thema, das ihm wichtig ist, von dem er erzählt. In den Kommentaren können sich dann alle am Gespräch beteiligen.

Zum Schluss möchte ich noch von dir wissen, auf welchem Social-Media-Kanal du am liebsten unterwegs bist und warum?

Das ist schwer, denn dieses „ am liebsten“ ändert sich immer mal wieder. Ich bin vor allem auf Twitter, Facebook und Instagram unterwegs. Xing und google+ laufen eher nebenher. Am meisten bin ich auf Twitter, weil man da nicht jedes Thema selber „erfinden“ muss, sondern interessante Sachen weiterleiten kann. Seit Kurzem treibe ich mich auch auf Instagram herum. Der Kanal ist schön visuell und die Stories auch oft richtig lustig. Leider komme ich zu selten dazu, schöne Fotos zu machen, zu posten und dann auch noch mit den richtigen Hashtags zu versehen.

Ganz neu bin ich auf Pinterest unterwegs. Mit dem Kanal möchte ich mich noch mehr auseinandersetzen. Das ist wieder so etwas, das mich interessiert. Wie beim Brotbacken. Ich werde herausfinden, wie es funktioniert und dann hoffentlich erfolgreich umsetzen.

Julia Icking ist Diplom-Oecotrophologin und Inhaberin des Textbüro Lebensmittel und Ernährung. Sie schreibt unter anderem für Blogs, Newsletter und Kundenmagazine. Als Expertin beantwortet sie Fragen rund um Ernährung, Lebensmittel und deren Qualität. Seit 2016 bloggt Julia dreimal im Monat für den was-wir-essen-Blog. Seit 2018 ist sie zusätzlich mit eigenem Blog auf ihrer Website am Start.

 

Mehr zum Thema OecotrophologInnen im Netz

Auch als Online-Redakteurin für das Bundeszentrum für Ernährung schreibe ich zum Thema „mehr OecotrophologInnen im Netz“. Daher bin ich sehr gespannt auf 2019 und freue mich auf viele neue MitstreiterInnen 😉 

 

Fotos: @Julia Icking, Bonn (Brot) / @Michael Wollschläger (Porträt)