Wenig Geduld und keine Zeit? Spritzgebäck füllt ruck-zuck die Weihnachtskeks-Dosen.

Wenig Geduld und keine Zeit? Spritzgebäck füllt ruck-zuck die Weihnachtskeks-Dosen.

Zum 3. Advent hole ich diesen sehr persönlichen Blogartikel zur Weihnachtsbäckerei aus der Versenkung. Die Idee dazu stammt von meiner lieben Texttreff-Kollegin Heide Liebmann, die zur Oldies but Goldies-Blogparade aufgerufen hatte. So holt sie Blogartikel, in denen viel Liebe und Mühe steckt, erneut ans Tageslicht. Meine Plätzchen-Betrachtungen sind das 16. Türchen. Sie sind mittlerweile vier Jahre alt und zeigen mir, wie schnell die Zeit vergangen ist.

Gleichzeitig nutze ich die Gelegenheit, mich hier für dieses Jahr bei allen LeserInnen zu bedanken und zu verabschieden. Genießt die Feiertage und kommt gut rüber in ein gesundes und entspanntes Jahr 2019!

Seit ich einigermaßen geschickt in der Küche hantieren kann, backe ich (fast) Jahr für Jahr Plätzchen im Advent. Und sehr oft habe ich in der Vergangenheit schon neue Rezepte ausprobiert: Nürnberger Elisen-Lebkuchen, Schwarz-Weiß-Gebäck, Vanillekipferl, Kokosmakronen, Heidesand, Walnuss-Herzen, diverse Cookie-Varianten. (Fast) jedes Jahr bringt mich das in Weihnachtsstimmung und macht mich glücklich. Das Backen, aber natürlich auch das Genießen bei Kerzenlicht mit einer dampfenden Tasse Kakao.

Es gibt aber auch Jahre, da habe ich einfach nicht den Nerv, immer wieder was Neues auszuprobieren. Manchmal stresst mich dieser ganze Back-Hype zu Weihnachten total. Ohne Backen geht aber irgendwie auch nicht. Da trifft es sich gut, dass in meiner Küche mittlerweile noch andere Plätzchenbäcker auf dem Vormarsch sind. Vor allem, wenn es um solche Geduldsübungen wie „Ausstecherle“ geht.

Fürs Ausstechen braucht man Zeit und viel Geduld

Kinder lieben ausrollen und Plätzchen ausstechen
Die Matscherei hält sich mittlerweile in Grenzen …

Seit ich eigene Kinder habe, gehören die bunten Sterne, Schaukelpferde und Herzen bei uns zum Pflichtprogramm. Die schönsten Förmchen tummeln sich in der Schublade. Einige stammen noch von meiner Oma, andere sind Mitbringsel aus dem Urlaub. Zum Beispiel die beiden Ampelmännchen aus Berlin oder Notenschlüssel (nur für Profi-Ausstecher geeignet!), Seestern, Fisch und Gecko aus einem netten kleinen Laden in Lübeck. Klein- und Groß-Elch (oder Rentier?) sind dagegen ein Geschenk von einem guten Freund.

Wenn ich ehrlich bin, war mir diese Ausstecherei schon immer etwas lästig, weil so viel Arbeit und Matscherei dabei ist – vor allem, als die Kinder noch sehr klein waren, brauchte ich dafür mehr Geduld als mir eigentlich in den Genen steckt. Aber mittlerweile hat sich Kind 1 längst aus der Weihnachtsbäckerei verabschiedet und Kind 2 bewältigt Teig kneten, ausrollen, ausstechen, aufs Backblech befördern, den heißen Ofen bedienen und die Plätzchen mit Zuckerguss anmalen fast ganz ohne meine Hilfe.

Sonne, Mond und Ampelmännchen
… und das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Sogar die Küche war in diesem Jahr hinterher blitzblank. Ich bin also raus und die Geduld der letzten Jahre hat sich gelohnt.

Spritzgebäck macht schnell „viel her“

Meiner Mutter war diese Art von Backen auch viel zu umständlich. Daher wurde bei uns früher nie ausgestochen, sondern westfälisch „gemöllert“, also gekurbelt. Und zwar mit der Plätzchenmühle. Das ist eigentlich ein Fleischwolf aus schwerem Gusseisen mit Extra-Zubehör für Spritzgebäck. So entstanden an einem Nachmittag aus einem Kilogramm Mehl viele Bleche Plätzchen. Schokoguss auf die Enden, fertig war die Laube. Die Plätzchen wurden in Dosen gefüllt und zum Teil hoch oben auf dem Kleiderschrank im Eltern-Schlafzimmer versteckt. Sie mussten schließlich bis Weihnachten reichen. Besonders toll für mich war immer, wenn die Backaktion fast zuende war. Denn dann wurde die Mühle auseinander geschraubt und ich durfte aus den Teigresten, die zum Vorschein kamen, Spezialkekse nach Lust und Laune formen.

Aus Fleischwolf wird "Plätzchenmühle"
Mit der „Plätzchenmühle“ entstehen bei mir ruck-zuck etwa vier Bleche voll Spritzgebäck.

Mittlerweile habe ich die „Plätzchenmühle“ meiner Mutter geerbt, die sie vermutlich von ihrer Mutter geerbt hatte. Und da ich diesen Winter irgendwie viel süßes Seelenfutter brauche, aber wenig Lust auf Experimente habe, habe ich jetzt mal wieder Spritzgebäck gebacken – nicht ganz nach Mamas Rezept, denn ich spare immer gerne beim Zucker und nehme Butter statt Margarine. Und außerdem nicht von einem Kilogramm Mehl, sondern nur von der Hälfte. Das ergab etwa vier Backbleche voll, bei mir ungefähr 120 Plätzchen. Schließlich sind ja schon ein paar Dosen mit den wunderschönen Keksen meiner Tochter gefüllt.

 

Spritzgebäck
 
Autorin:
Zutaten
  • 500 g helles Weizenmehl (Type 405)
  • 200 g Zucker
  • 250 g weiche Butter
  • 2 Eier
  • ½ Päckchen Backpulver
  • 1 Päckchen Bourbon-Vanillezucker
  • 50 g gemahlene Mandeln
  • 200 bis 300 g Schokoladen-Kuvertüre (Zartbitter und/oder Vollmilch) zum Verzieren
Zubereitung
  1. Aus allen Zutaten in der Rührschüssel erst mit dem Knethaken des Handrührgeräts und danach mit den Händen einen Teig kneten. Etwa eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
  2. Den Teig portionsweise durch einen Fleischwolf mit Spritzgebäck-Vorsatz drücken. Plätzchen nach und nach vorne in gewünschter Länge abnehmen und als gerade Stücke, oder Kringel auf das mit Backpapier ausgelegte Backblech legen.
  3. Die Plätzchen brauchen bei 180 °C (Ober-/Unterhitze) je nach Größe circa 15 Minuten. Wer mehrere Bleche gleichzeitig backen möchte, stellt den Herd auf Umluft. Bitte gelegentlich nachschauen, ob die Plätzchen schon goldgelb und damit fertig sind. Sie werden erst richtig fest und knusprig, wenn sie ausgekühlt sind.
  4. Wer mag, kann das fertige Spritzgebäck noch mit Kuvertüre bepinseln.
  5. In fest schließenden Keksdosen hält sich das Spritzgebäck mehrere Wochen.