Plastikmüll in gelber Tonne

Mein Vorsatz für 2018: Plastikmüll reduzieren!

Die gelbe Tonne ist voll bis oben hin. Lauter Plastikmüll, der mir bis vor einigen Monaten nicht wirklich ein schlechtes Gewissen bereitet hat. Schließlich kaufen wir nur in Plastik verpackte Lebensmittel oder Gebrauchsgüter, wenn es nicht anders geht. Wir verzichten schon länger auf Plastiktüten und trennen natürlich fein säuberlich Papier, Glas, Kompost und eben Plastik. Doch im letzten Jahr habe ich meine Blauäugigkeit nach und nach verloren.  Da häuften sich die Berichte zu den enormen Mengen von Plastik in den Meeren. Auf dem NachhaltigkeitsCamp 2017 beeindruckte mich die Konsequenz der Zero-Waste-Bewegung. Ende des Jahres habe ich mich schließlich für einen journalistischen Auftrag etwas intensiver mit dem Thema befasst und auch mit einigen Bloggern dazu unterhalten.

Und nun noch die Sache mit China, das unseren Müll nicht mehr haben will. Mir war bis dahin nicht einmal klar, was genau mit dem Plastik passiert, dass bei uns Recycling-Anlagen fehlen und ein Teil davon daher um die halbe Welt reist. Und mir war auch nicht klar, dass viele Deutsche zwar brav trennen, aber mit 37 kg Plastikabfall 6 kg mehr produzieren als der EU-Schnitt. Davon wird nur knapp die Hälfte recyclet, der Rest wird verbrannt oder eben exportiert. Beim Institut der deutschen Wirtschaft kann man mehr über die Zusammenhänge und die geplante EU-Kunststoffstrategie lesen; sehr anschaulich erklärt der NABU, warum das alles so kompliziert und Mülltrennung trotzdem angesagt ist.

Nachtrag vom 17.01.2018: Gestern legte die EU-Kommission nun tatsächlich ihre Pläne für eine europäische Plastikstrategie vor!

Plastikmüll vermeiden ist besser als recyclen

Zurück zu meinem Vorsatz für 2018: Mal sehen, wo wir typischer 4-Personen-Haushalt Plastikmüll einsparen können, speziell bei Lebensmitteln, von denen bei uns so einiges durchgeht. Am einfachsten fällt es mir bei Obst und Gemüse. Das bekommen wir schon lange einmal pro Woche lose mit der Bio-Gemüsekiste. Und auch meine Kollegin Julia Icking ist zur Kisten-Abonnentin geworden, nachdem sie sich mit dem Thema für den BZfE-Blog beschäftigt hat. Auch auf dem Markt oder im Gemüseladen kann ich gut ohne Plastik einkaufen. Bisher habe ich – vor allem im Supermarkt aus Bequemlichkeit – hin und wieder doch zu verpacktem Obst und Gemüse gegriffen. Das werde ich mir nun endgültig abgewöhnen.

Getränke kaufen wir ohnehin schon ewig in Mehrwegflaschen. Nicht allerdings die circa 6 Liter Milch, die wir jede Woche verbrauchen. Da störte uns an der Bio-Milch in der Glasflasche der Sahnepropf oben drauf. Vielleicht können wir damit jetzt besser leben. Wir werden es ausprobieren. Joghurt (essen wir auch gerne und viel) gibt es sowohl konventionell als auch bio in Mehrweg-Gläsern, Sahne im Bioladen in 500-Gramm-Flaschen.

Die Sache mit der Hygienebarriere

Schwieriger sieht es bei Käse und Wurst aus. Wenn ich hier konsequent sein möchte, kann ich die nicht mehr in Plastik eingeschweißt auf Vorrat kaufen. Aber selbst an der Käse- und Wursttheke wird es schwierig – Stichwort „Hygienebarriere“. Das bedeutet: Der Ladenbesitzer ist dafür verantwortlich, dass seine Lebensmittel hygienisch einwandfrei zum Kunden gelangen. Dazu muss er strenge Hygienerichtlinien einhalten. Füllt er Käse oder Wurst in eine mitgebrachte Dose, kann er dafür nicht mehr garantieren.

Theoretisch könnte der Mitarbeiter an der Käse- oder Wursttheke dem Kunden ein Tablett hinhalten, der stellt seine Dose drauf und der Verkäufer befüllt diese mit der Ware, ohne die Box zu berühren. Trotzdem sehen Skeptiker bei dieser Methode ein Restrisiko und befürchten, dass im Zweifelsfall der Händler haftet, wenn der Kunde sich später über verdorbene Ware oder gar eine Erkrankung beschwert.

Eine Einzelhandelskette in Süddeutschland hatte 2016 versucht, das Problem mit einer „Mehrweg-Hygiene-Schleuse“ zu lösen. Die verbraucht allerdings Strom und war vom Handling her zu langsam. Daher fährt man dort nun sehr gut mit der Tablett-Lösung. Es sei allerdings wichtig, dass die Mitarbeiter dazu gut geschult würden, sagte mir der Bereichsleiter „Frische“; damit nicht etwa das rohe Geflügel zusammen mit dem Aufschnitt in einer Dose landet. Außerdem habe man mit dem zuständigen Landratsamt ein passendes Konzept erarbeitet und sich die nötige Rückendeckung geholt.

Nachtrag: Mein Rat: Einfach mal nachfragen. Das hat auch Julia so gemacht mit ganz unterschiedlichen Reaktionen. In meinem Bioladen hängt es sogar davon ab, wer hinter der Theke steht. Ich habe gerade an der Fleischtheke gehört, das mit der Box ginge in Ordnung; von einer anderen Verkäuferin hatte ich dagegen neulich eine Abfuhr kassiert…

Wenn schon Coffee-to-go, dann bitte im Mehrweg-Becher!

Grundsätzlich gilt diese Hygienebarriere auch für Kaffee, der  in den letzten Jahren leider als Coffee-to-go in Plastikbechern eine unrühmliche Karriere hingelegt hat. Am einfachsten wäre es natürlich, man gönnt sich die Zeit, seinen Kaffee nicht unterwegs zu schlürfen, sondern in Ruhe und mit Genuss vor Ort. Wer das nicht schafft, kann mit mitgebrachten Mehrweg-Bechern Müll vermeiden. Die werden schon heute in vielen (Steh)Cafés, Bäckereien, Mensen oder Kantinen wieder befüllt bzw. man zapft sich seinen Kaffee selbst am Automaten. Rein rechtlich ist das nicht verboten. Trotzdem kommt es auch hier auf einen sorgfältigen hygienischen Umgang an. In Deutschland macht sich zum Beispiel die Deutsche Umwelthilfe für solche Mehrweg-Becher mit der Kampagne Becherheld stark und hat dabei auch das Hygienethema auf dem Schirm.

Fertiggerichte, Chips, Schokolade, Putzmittel und und und

Großes Einsparpotenzial gibt es bei Fertiggerichten: Einfach selber kochen. Das machen wir in der Regel. Trotzdem, hin und wieder dieser praktische Kloßteig im Beutel, das leckere Hummus oder der Kräuterfrischkäse im Becher… Und dann noch all die Chips und Kekse und Schokolade, die Shampoos und Putzmittel. Für vieles doch nicht alles (Schokolade?) gibt es plastikfreie Alternativen. Man kann auch einfach drauf verzichten oder selber machen (Klöße und Hummus). Und man kann im Unverpackt-Laden einkaufen. So einen gibt es auch bei uns in Bonn. Allerdings auf der anderen Seite der Stadt. Hier gibt es eine Liste von Unverpackt-Läden in ganz Deutschland.

Aber mal ganz ehrlich: Die meisten guten Vorsätze scheitern doch daran, dass wir uns zuviel auf einmal vornehmen. Daher werde ich mit dem Naheliegenden anfangen und mich nach und nach weiter vortasten. Wer mitmachen will, findet viele Anregungen für weniger (Plastik)müll auf folgenden Blogs. Und wer mir seine persönlichen Tipps oder Erfahrungen verraten möchte, gerne her damit 😉