Teilnehmer beim VDOE-Treffen der Netzwerke Public Relations und Wirtschaft

Ernährungswissenschaftler auf Social Media: Gemeinsam stark und sichtbar!

Die sozialen Medien haben mich fest im Griff: Unter der Dusche im Kopf den nächsten Blogbeitrag schreiben. Beim Frühstück schon mal die Twitter-Timeline checken. Mit neuen Kontakten auf XING vernetzen. Gute Posts auf Facebook liken, teilen und kommentieren. Seit März nun auch noch Instagram.

Das stresst und nervt mich manchmal ziemlich. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite merke ich immer mehr, dass es in meinem Job nicht anders geht und wie sehr es sich lohnt. Denn meine Sichtbarkeit im Netz hat deutlich zugenommen. Und sie wird ergänzt um echte neue Kontakte, im Idealfall natürlich auch zahlende Kunden.

Vernetzt wachsen – mehr Ernährungswissenschaftler auf Social Media, bitte!

Das Ganze würde natürlich noch mehr Spaß machen und von Erfolg gekrönt sein, wenn mehr OecotrophologInnen und ErnährungswissenschaftlerInnen mit eigenen Blogs am Start oder zumindest auf Social Media aktiv wären. Dann würden die nämlich diesen Beitrag hier ebenfalls lesen, eventuell teilen und kommentieren. Ich würde mich bedanken und antworten, gute Beiträge von ihnen wiederum an meine Follower streuen und so weiter. So funktioniert Social Media nämlich.

Warum gerade bei uns OecotrophologInnen noch so viel Unsicherheit und Luft nach oben ist, darum ging es unter anderem auf dem Netzwerktreffen des VDOE am letzten Wochenende in Berlin*. Die Suche nach Antworten führt schon seit Jahren zu ähnlichen Ergebnissen:

  • Weil wir als studierte Experten Angst davor haben, mit unserem Fachwissen an die Öffentlichkeit zu gehen. Wir könnten ja einen wichtigen Aspekt übersehen haben.
  • Weil wir unser Wissen nicht auf ein bestimmtes Niveau herunterbrechen möchten, das für Erfolg auf manchen Social-Media-Kanälen aber nötig ist.
  • Weil das alles viel zu viel Zeit kostet und keine direkt messbaren Effekte hat.

Mit fast 40 KollegInnen aus den Bereichen Public Relations und Ernährungswirtschaft haben wir in Berlin darüber diskutiert, wie wir das ändern können: Indem wir uns immer wieder Mut machen, uns zu zeigen. Indem wir versuchen, bei jeder Gelegenheit neue Mitstreiter ins Boot zu holen. Indem wir voneinander lernen, wo wir welche Zielgruppen erreichen und wie die verschiedenen Kanäle funktionieren. Und indem wir uns noch besser vernetzen.

Dazu haben wir auch etwas Werbung für unsere geschlossene VDOE-PR-Netzwerk-Gruppe auf Facebook gemacht. Dort können wir uns ganz unter uns – ja, auch das geht auf Social Media – austauschen und gegenseitig Tipps geben.

Tatsächlich sind übrigens seit dem letzten Wochenende bereits ein paar neue Accounts auf Twitter und Profile auf Instagram aus dem Kreis der Berlin-Teilnehmer aufgetaucht. Das freut mich sehr.

Social Media bringen neue Kontakte in der „echten“ Welt

Station "Blogs"
Tagung Ernährungs Umschau © UVZ/Myrna Apel

Um mehr Sichtbarkeit von Ernährungsexperten im Netz ging es auch auf der Tagung der Ernährungs Umschau „sichtbar! hörbar! vernetzt! Ernährungskompetenz mitteilen“ Dazu war ich im Oktober nach Frankfurt in meiner Eigenschaft als bloggende Oecotrophologin eingeladen. An meiner „Station“ tummelten sich diejenigen, die überlegten, einen eigenen Blog zu starten. Ich habe von meinen Erfahrungen berichtet und hoffentlich ein paar Unentschlossene überzeugen können, selber loszulegen.

Das Highlight auf solch einer Tagung ist für mich, wenn ich jemanden, mit dem ich schon länger „virtuell“ verbandelt bin, dort persönlich kennenlerne. Tatsächlich gehen die digitale und analoge Welt nämlich oft Hand in Hand. Und wer auf Social Media aktiv ist, ist meist auch in der „echten“ Welt bestens vernetzt und hat dort viele wertvolle Kontakte und Freunde.

Ordnung ins Chaos mit Listen auf Twitter

Mein Lieblingskanal ist übrigens Twitter. Der ist einfach zu verstehen und eignet sich daher sehr gut für Social-Media-Anfänger. Über Twitter bekomme ich mit, was gerade Thema ist, kann mitdiskutieren und Veranstaltungen verfolgen, zu denen ich es selber nicht geschafft habe. Ich verlinke auf eigene Beiträge oder Beiträge von anderen, die ich empfehlen oder diskutieren möchte.

Die Accounts, denen ich folge, habe ich in Listen einsortiert. Die wichtigste: „OecotrophologInnen“. Dort finden sich mittlerweile 83 twitternde Ernährungsexperten mit fachlichem Hintergrund also auch DiätassistentInnen. Wenn ich sehr wenig Zeit habe, beschränke ich mich darauf, die Tweets von dieser Liste zu verfolgen. Meist nutze ich jedoch die Liste, die ich „Ernährung und Gesundheit“ genannt habe mit über 200 Accounts. Hier habe ich alle versammelt, deren Äußerungen zu diesem Thema für mich interessant sind.

Aha-Erlebnisse aus einem bewegten Jahr in Sachen Social Media

Sowohl in Frankfurt als auch in Berlin, davor schon auf der Ernährung 2018 in Kassel und dem BZfE-Forum in Bonn habe ich in Vorträgen und Diskussionen ein paar AHA-Erlebnisse gehabt. Ein paar davon gebe ich hier gerne weiter:

  • An Social Media führt heute kein Weg mehr vorbei. Auch wenn manch einer noch so wenig Lust dazu hat.
  • Wenn wir als Ernährungsexperten unsere Zielgruppen erreichen möchten, müssen wir auf den gleichen Social-Media-Kanälen wie sie unterwegs sein und ihre Sprache sprechen.
  • Wer was weiß, darf damit selbstbewusst an die Öffentlichkeit gehen. Das hat nichts mit Angeben zu tun, sondern sorgt für berechtigtes Interesse im Netz.
  • „Gesicht zeigen“ bringt auf Instagram mehr Aufmerksamkeit. Fotoscheue Zeitgenossen verpacken Fotos von sich einfach in eine Story. Die ist nach 24 Stunden wieder verschwunden.
  • Mit Likes und Kommentaren großzügig, aber dabei immer authentisch sein: Informative Blogbeiträge, kreative Posts, praktische Ernährungs-Tipps, Rezepte mit saisonalen Lebensmitteln und so weiter verdienen es, dass sie unters Volk gebracht werden.
  • Auf Instagram gilt in Sachen Hashtags nicht kleckern, sondern klotzen. Am besten nutzt man alle erlaubten dreißig Hashtags aus.
  • Facebook ist immer noch die wichtigste Social-Media-Plattform. XING könnte auch in Deutschland früher oder später von LinkedIn abgelöst werden.
  • Alle haben irgendwann mal klein angefangen und helfen gerne weiter. Jemand hat eine tolles Kurzvideo gepostet und das würdest du gerne ähnlich machen? Einfach nachfragen. Da fühlt sich niemand genervt, sondern freut sich, dass er sein Wissen weitergeben kann.

An dieser Stelle schnell noch ein herzliches Dankeschön an alle Kolleginnen und Kollegen, die schon auf den diversen Kanälen unterwegs sind und meine Beiträge und Posts so treu liken und teilen. Eigentlich sind die ja gerade nicht die Zielgruppe für diesen Beitrag, sondern diejenigen, die noch eine letzten Schubs benötigen. Zumindest die VDOE-Mitglieder unter ihnen hatten gestern die neue VDOE-Position im Briefkasten. Darin geht es passenderweise auch um das Thema Digitalisierung 😉

*Aktualisierung vom 5. Dezember 2018: Eine prima Zusammenfassung zum Treffen der VDOE-Netzwerke PR und Wirtschaft gibt es auf dem Blog meiner Kollegin Corinna Dürr.

Quelle Beitragsbild: VDOE