Zwei Mairübchen liegen auf der Erde zwischen zwei grünen Gummistiefeln

Über den Anbau von Demeter-Obst und -Gemüse

Ein Blogpost kurz vor Pfingsten, wenn viele schon auf gepackten Koffern sitzen? Schlechtes Timing, aber egal. Der muss heute raus, denn ich möchte darin unbedingt noch einen Link zu einer tollen Reportage unterbringen, die diese Woche im WDR lief und nur noch bis zum 7. Juni in der Mediathek zu sehen ist: Von Müsli-Helden zu Firmenbossen – Die Pioniere der Biobewegung. Dort heißt es im Vorspann zu den Anfängen von Bio in den 70er/80er Jahren:

Wer im Bioladen einkaufte oder einen betrieb, war ein linker Spinner, ein Müsli-Fresser, jemand, der über kurz oder lang an Mangelernährung sterben würde.

Und wie leite ich nun elegant zu meinem eigentlichen Thema über? Ich könnte z. B. erzählen, wie übervoll der Parkplatz neulich an einem sonnigen Samstagmorgen beim Biofhof Bursch war (ganz zu schweigen von Kunden, die zu Fuß oder per Rad angereist waren). Ein sichtbares Zeichen für die Veränderung, die Bio in den letzten Jahrzehnten erfahren hat. Wie heißt es heute so schön? Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Von wegen linke Spinner… Außerdem war auch Heinrich Bursch ein Bio-Pionier. Seine Kartoffeln waren das erste Bio-Lebensmittel der Köln-Bonner Bucht nach dem Krieg.

Der zweite Foodblogger-Rundgang in diesem Jahr, zu dem Lothar Tolksdorf uns Blogger aus der Region eingeladen hatte, hat mir mehr noch als der Winterrundgang im Januar vor Augen geführt: Bio funktioniert auch in großem Stil, ohne dass der Ursprungsgedanke dabei verloren gehen muss. Damit lässt sich Geld verdienen und gleichzeitig etwas für Mensch und Natur tun. Immerhin erzeugt Bursch 60 Sorten Bio-Obst und -Gemüse (nach den strengen Demeter-Kriterien) auf 44 Hektar und beliefert 17 rheinische Wochen- und Ökomärkte.

Lothar ist bei Bursch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, nimmt aber als beeindruckendes Multitalent diverse andere Aufgaben in die Hand: So hat er z. B. die Tische und Stühle für den neuen Hofladen geschreinert und war außerdem auch noch als „Mistkäfer“ im Einsatz. Denn im Demeter-Anbau spielen spezielle Präparate für den Boden eine ganz wichtige Rolle. Im Mai hat Lothar daher spezielle Kompostpräparate fabriziert. Die bestehen aus Kräutern wie Schafgarbe, Kamille und Brennnessel, die er zusammen mit Kompost zu kleinen Kugeln rollt und dann nach einem bestimmten System im Misthaufen vergräbt. Dort sollen sie den Mist – der dann im nächsten Jahr auf die Felder kommt – mit ihren heilenden Eigenschaften anreichern. Homöopathie für Boden und Pflanzen gewissermaßen. So heißt es jedenfalls auf der Webseite von Bursch, wo die geheimnisvollen Zusätze genauer erklärt werden.

Bio-Erdbeeren im Folientunnel – zwecks biologischer Schädlingsbekämpfung

Bio-Erdbeeren im Folientunnel
Bei Erdbeeren im Folientunnel funktioniert biologische Schädlingsbekämpfung am besten.

Besser nachvollziehbar und sehr beeindruckend fand ich die Sache mit den Erdbeeren im Folientunnel. Erdbeeren gab es bei unserem Besuch quasi satt. Im Stundentakt wanderten sie vom Feld in den Hofladen. Dass sie im Folientunnel und nicht komplett im Freiland wachsen, hat einen einfachen Grund: Nur so ist es möglich, etwaigen Schädlingen mit Nützlingen zu Leibe zu rücken. Dazu kontrolliert der Nützlingsberater zweimal pro Woche die Lage. Stellt er einen Befall mit Blattläusen fest, kommen beispielsweise Florfliegen zum Einsatz und nach wenigen Tagen hat sich das Blattlausproblem erledigt.

Ohne Chemie funktioniert bei der Erzeugung von Bio-Obst und -Gemüse auch die Unkrautbekämpfung. Für Kräuter wie Schnittlauch, Basilikum, glatte und krause Petersilie wird dazu der Boden mit einer speziellen Folie abgedeckt. Die verhindert, dass Unkräuter wachsen. Ansonsten könnte man Küchenkraut und Unkraut schlecht auseinander halten. Bei größeren Pflanzen wie Mangold, Spinat oder Salat entfernen spezielle Geräte das Unkraut mechanisch zwischen den Reihen.

Um die feinen Küchenkräuter vor Unkraut zu schützen, wird der Boden mit speziellen Folien abgedeckt.
Um die filigranen Küchenkräuter vor Unkraut zu schützen, wird der Boden mit speziellen Folien abgedeckt.

 

Grüne Salatköpfe auf dem Feld
Wächst zu viel Unkraut zwischen dem Salat, wird es mechanisch entfernt.

Was ich nocht gelernt habe: Spargel ist auch deswegen so teuer, weil das abgeerntete Spargelfeld nach dem 24. Juni (Johannistag) in Ruhe gelassen werden muss. Die Fläche kann der Erzeuger nicht bis zur nächsten Saison für andere Gemüse nutzen. Und: Bursch ist einer der wenigen Erzeuger, die Maiwirsing anbauen. Es gibt ihn überhaupt nur im Raum Köln-Bonn. Maiwirsing ist ein Arche-Passagier des guten Geschmacks. Er zählt damit zu den vom Aussterben bedrohten Nutzpflanzenarten.

Vielen Dank an Lothar Tolksdorf für den tollen Einblick hinter die Kulissen Nr. 2. Im Spätsommer ist ein gemeinsames Kochen mit Grünzeug frisch vom Feld geplant. Das könnte spannend werden, denn zu den „anderen“ gehören so interessante Blogs wie

Tipp für Besichtigung von Biohöfen in der Umgebung

Wer neugierig geworden ist und auch gerne mal einen Biohof besichtigen möchte, braucht nicht unbedingt ins Rheinland zu reisen. Adressen und Termine von 242 Demonstrationsbetrieben Ökologischer Landbau in ganz Deutschland finden sich im Info-Portal von oekolandbau.de.