Der Vegan-Hype geht mir langsam auf die Nerven

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Hashtag vegan

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber irgendwie kann ich das Wörtchen „vegan“ bald nicht mehr hören. Egal, wohin man schaut: überall springen einem vegane Rezepte, vegane Kochbücher oder vegane Würstchen ins Auge. Dabei soll der Anteil an Veganern bei uns noch nicht einmal 0,5 Prozent betragen, schreibt diese Woche Die Welt.

Wer kauft also die Unmengen von veganen Kochbüchern? Wer probiert all die veganen Rezepte aus? Nicht, dass mich jemand falsch versteht: Ich finde auch, dass Fleisch nicht jeden Tag auf den Teller gehört, dass es am besten von artgerecht gehaltenen Tieren stammen und die Portionen sich bescheiden hinter denen von Gemüse und Kartoffeln verstecken sollten; Milch und Eier kaufe ich fast immer im Bioladen, Fisch aus nachhaltiger Fischerei und den Honig bekomme ich mittlerweile von Freunden, die sich auf die Hobby-Imkerei verlegt haben. Ich denke, damit können Tiere, Umwelt und meine Gesundheit schon ganz gut leben.

Grundsätzlich bewundere ich Menschen, die es schaffen, komplett auf alles Tierische zu verzichten – vorausgesetzt, sie riskieren damit keinen Nährstoffmangel. Das zeugt von einer tiefen Überzeugung und großen Konsequenz. Für die meisten Menschen ist ein Verzicht auf sämtliche Produkte, die auch nur ein Fitzelchen Milch oder Eier enthalten, aber einfach eine zu große Herausforderung. Würden diese Durchschnitts-Deutschen weniger Fleisch und Wurst essen, öfter zu Bio greifen und die Erdbeeren aus der Region kaufen, wäre das doch schon ein toller Erfolg.

Ich wünsche mir, dass der Vegan-Hype mehr Leute zumindest zum Nachdenken in diese Richtung und vielleicht sogar zu schrittweisen Änderungen beim Einkaufen und Essen anregt. Ich befürchte jedoch, dass er bei manch einem genau das Gegenteil im Sinne von „jetzt erst recht“ auslösen könnte. Wenn ich meine eigene Reaktion auf die inflationäre Sichtbarkeit dieses Begriffes beobachte, scheint das gar nicht so abwegig.

[Ergänzung 18.02.2020: Der Vegan-Hype ist zum Trend geworden und auch ich habe in den letzten Jahren immer wieder darüber nachgedacht, geschrieben und meine Einstellung geändert:

 

3 Kommentare

  1. Thomas sagt:

    So wie ich die vegane Szene kenne (auch nur recht oberflächlich) sind vegane Kochbücher nicht so sehr an die Veganer als Klientel gerichtet sondern vielmehr an alle die mal vegan kochen und essen wollen (= ungleich größere Anzahl an Menschen). Langjährige Veganer wissen ja bereits schon um die Rezepte. Der Austausch innerhalb der Szene erfolgt da größtenteils auch Online über Blogs. Fazit: Ungefähr so wie wenn ich mit ein italienisches Kochbuch zulege, Italiener muss ich dafür lange nicht sein. 😉

  2. Irene sagt:

    Da ich nicht täglich mit dem Thema zu tun habe, stört es mich nicht so sehr – es ist halt ein Hype wie so viele andere auch. Ich pick´ mir das Positive und Zum-Nachdenken-Anregende raus und lasse mich nicht aus der Ruhe bringen – solange mich niemand versucht zu missionieren und die eigene Haltung als die einzig heilbringende vor sich herträgt! Das gibt´s aber nicht nur vei Veganern…

  3. Marrin sagt:

    Ich teile Deine Meinung voll und ganz! Das sind diese Hypes aus den USA (wie „low carb“ – oder noch schlimmer „gluten free“), die hier rüber schwappen und unreflektiert zum neuen Heilsbringer erkoren werden. Dabei muss die Ernährung für Menschen ohne Stoffwechselerkrankungen oder ohne die entsprechende moralisch-ethische Grundeinstellung (gegen die ich wie Du überhaupt nichts habe!) doch gar nicht so streng – und einseitig – reglementiert werden, um gesund zu sein!

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