Rotkohl und Kräuter auf weißem Hintergrund

Oecotrophologin Anja Tanas im Interview: Erfolgreich vor und hinter der Kamera

Anja Tanas ist meine nächste bloggende ErnährungsexpertIn im Interview. Seit August 2018 ist sie mit einem eigenen Blog am Start. Anja ist wie viele meiner KollegInnen ein Multitalent. Sie kann Ernährungswissenschaften UND kochen. Das zeigt sie vor und hinter der Kamera: als Fernsehjournalistin und als gut gelaunte Köchin in der Kochshow „Beste Heimathäppchen“. Und sie hat sich als Buchautorin einen Namen gemacht. Dabei kann sie sowohl Kochbücher als auch Sachbücher schreiben, wie der jüngst erschienene Ratgeber „Alles über Salz“ beweist.

Liebe Anja, 2016 hast du uns auf dem PR-Netzwerktreffen des VDOE erklärt, warum du nicht in den sozialen Medien aktiv bist. Zwei Jahre später dann doch ein Blog, Profile auf Facebook und Instagram. Was steckt hinter diesem Meinungsumschwung?

Ich habe mich damals auf dem Netzwerktreffen tatsächlich von den Kollegen inspirieren lassen. Ich fand die Aussage richtig, dass mehr Oecotrophologen auf den großen Plattformen zu finden sein sollten. Und da ich über den WDR ohnehin eine gewisse Öffentlichkeit habe, fühlte ich mich hier persönlich angesprochen. Außerdem wollte ich einen Test starten, inwieweit man ohne großen Aufwand einen solchen Blog betreiben kann und der eventuell dabei hilft, sich selbst zu vermarkten.

Auch die Tatsache, dass andere Kollegen im Journalismus mich häufig nach meinen Profilen bei Facebook und Instagram fragten, hat einen Einfluss gehabt. Ich kam mir schon fast unprofessionell vor, wenn ich zugeben musste, dass ich da nicht mitspiele. Es kamen also viele Punkte zusammen, bis ich mich endlich entschlossen habe, bei diesem herrlichen Irrsinn mitzumachen.

Als Bloggerin, Buchautorin und Fernsehfrau geht es bei dir viel ums Kochen. Birgt das nicht die Gefahr, trotz deiner wissenschaftlichen Ausbildung in die falsche Ecke gestellt zu werden?

Meine Plattform ist in erster Linie eine ganz persönliche Visitenkarte und zeigt, was bei mir aktuell so abgeht. Ich präsentiere mich als Köchin, da ich ja nun eine eigene Kochsendung im WDR habe. Ab und zu gibt es Fachinfos und natürlich Präsentationen meiner Bücher und meiner Sendung. Das ist für mich erstmal am wichtigsten, darauf fokussiere ich mich zurzeit.

Für mehr bleibt leider keine Zeit. Ich meine auch, dass es zu verwirrend wäre, wenn ich zu viel Wissenschaft einfließen lasse. Das beißt sich und dafür sollte ich dann einen eigenen Social-Media-Account eröffnen. Das ist aber nicht in Aussicht.

Deine Blogposts zum Rotkohl und Quinoa gefallen mir besonders gut. Darin verpackst du Warenkunde unterhaltsam und regst zum nachhaltigen Konsum an. Wie laufen solche Beiträge im Vergleich zu reinen Rezept-Beiträgen?

Ich muss jetzt mal ganz ehrlich sein: Ich habe noch nie wirklich geschaut, was auf dem Blog gut läuft. Hört sich vielleicht überheblich an, so ist es aber nicht gemeint. Es liegt vielmehr an dem Mangel an Zeit und Wissen. Was sollten mir Zahlen sagen? Spreche ich mit erfahrenen Bloggern, dann höre ich viel von Manipulation, von Feeds, in die man nicht mehr kommt, wenn man xyz nicht beachtet.

Da wurde mir schnell klar, dass man viel Geld in die Hand nehmen muss, um wirklich relevant zu werden. Das Geld möchte ich aber nicht investieren. Ich merke aber durchaus, dass Posts mit einem Foto von mir und persönlichen Infos meist am besten laufen.

Du kannst nicht nur gut schreiben, sondern postest auch sehr professionelle und kreative Fotos. Machst du das alles selber oder „leistest“ du dir Unterstützung?

Danke für das Kompliment, freut mich total, dass dir die Fotos gefallen. Ich habe eine wunderbare Kamera, kann Bildbearbeitungsprogramme bedienen, kochen und auch Foodstyling ist mir nicht fremd. Aber: Meist bekomme ich hier dennoch Unterstützung von zwei jungen Damen. Ich entwickle die Rezepte und die Texte, oft kochen die beiden dann und machen die schönen Fotos.

Daran erkennt man auch schnell das generelle Problem: Den Mangel an Zeit, beziehungsweise den hohen Aufwand, den man hat, wenn man einen professionellen Blog betreiben möchte. Ich habe diese Zeit einfach nicht. Ich kann nicht neben meinem Job auch noch so viel zusätzliche Arbeit leisten. Daher bilden wir drei in dieser Hinsicht ein super Team. Das machen übrigens viele Blogger so. Das ist gar nicht ungewöhnlich.

Drei deiner Posts auf Instagram stechen durch überdurchschnittlich viele Likes heraus: Quinoa (fast 400), Spargel (fast 500), nussiges Saatenbrot (über 600). Was glaubst du, woran das jeweils liegt?

Ich weiß sehr genau, woran es liegt: Für diese Beiträge hatte ich nämlich je einmal Werbung geschaltet und entsprechend bezahlt. Und dann bekommt man fröhlich Likes von ganz vielen Menschen, die einen nicht mal abonniert haben. Ich dachte, man bekäme dadurch gleichzeitig mehr Follower. Der Effekt war aber nicht spürbar.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wie sieht dein Fazit nach einem Jahr und zwei Monaten als Bloggerin und auf Facebook und Instagram aus? Was bringt dir das Ganze? Hast du vielleicht sogar wertvolle Kontakte geknüpft, die du sonst nicht hättest?

Insgesamt habe ich mittlerweile eine stattliche Visitenkarte, die ich stolz präsentiere. Und tatsächlich haben mich auch schon ein paar wichtige Leute nach meinen Auftritten auf Social Media gefragt und sich das Ganze angeschaut und positiv kommentiert. Das war ein ziemlich gutes Gefühl.

Jobs habe ich über diese Kanäle noch nicht bekommen, auch keine außergewöhnlich tollen Kontakte. Allerdings stehe ich mit Bekannten und Kollegen auf diese Art und Weise in regem Austausch.

Schade finde ich, dass ein Übertrag von TV und Print auf Social Media bei mir nicht funktioniert. Ich hatte irgendwie gehofft, dass ich durch meine Präsenz schneller an viele Follower komme und sich die Relevanz erhöht. Pustekuchen! Wenn, dann wirkt sich das eher bei Facebook aus, als bei Insta. Ach ja, hätte ich mal schon vor fünf Jahren angefangen…

Heute kann ich also sagen: Es macht viel Arbeit, es kostet Geld, bringt wenig, aber es ist schon eine ganz schön lässige Angelegenheit, die ich zurzeit noch nicht missen möchte. Wobei ich viel zu oft am Handy hänge, seitdem ich bei Social Media mitmache. Das Problem mit der Handysucht – das kann ich nun komplett nachvollziehen. In dieser Form wird mein Auftritt sicher endlich sein.

Anja Tanas

Anja Tanas ist Diplom-Oecotrophologin, freiberufliche Journalistin und (Kochbuch-)Autorin. Für den WDR steht sie in der Sendung Beste Heimathäppchen auch als Köchin vor der Kamera und macht Lust auf regionale und saisonale Rezepte. Seit 2018 postet sie auf ihrem Blog Anja Tanas regelmäßig Rezepte und Artikel zur Warenkunde.

 

 

Beitragsbild Rotkohl: @Frederike Lenz; Porträt: @Ulrich Tanas

Hier geht es zu den Interviews, die ich bereits mit anderen Kolleginnen zu ihren Erfahrungen als Bloggerinnen geführt habe: